Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter

Publikationen

Thomas Weitin, Zeugenschaft. Das Recht der Literatur, München: Fink, 2009.

Thomas Weitin, „Ignaz Denner“, in: E.T.A.-Hoffmann-Handbuch, hg. v. Detlef Kremer, Berlin/New York: de Gruyter 2009.

Thomas Weitin, „Der Auftritt des Zeugen. Zeichenprozesse zwischen Literatur und Recht“. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. 83.1 (2009), S. 179-190.

Detlef Kremer (Hg.), E.T.A.-Hoffmann-Handbuch, Berlin/New York: de Gruyter 2009.

Thomas Gutmann, Struktur und Funktion der Menschenwürde als Rechtsbegriff. In: Lebenswelt und Wissenschaft (XXI. Deutscher Kongreß für Philosophie, Essen 2008). Deutsches Jahrbuch Philosophie 2. Herausgegeben von Carl Friedrich Gethmann, Hamburg: Meiner, 2010, i.E.

Bernhard Jakl, Human dignity and innate right to freedom in national and international law, in: Stephen Palmquist (Ed.): Cultivating Personhood: Kant in Asia. Berlin/New York: de Gruyter, i.E.2010.

Thomas Weitin, Literatur und Recht, Bielefeld: Aisthesis 2010.

Thomas Weitin (Hg.), Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter in Europa und den USA, Bielefeld: Transcript 2010.

Thomas Weitin, Die Gewalt der Folter in der Frühen Neuzeit am Beispiel der Fallgeschichte von Nickel List und seinen Gesellen, in: Thomas Weitin (Hg.), Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter in Europa und den USA, Bielefeld: Transcript 2010, S. 111-143.

Michael Neumann, Die Legitimität der Transgression. Zur Rationalität hegemonialer Gewalt in Gustav Freytags Roman „Soll und Haben“, in: Zeitschrift für deutsche Philologie 129 (2010), Sonderheft: Grenzen im Raum – Grenzen in der Literatur, S. 265-280.

Thomas Gutmann, Einige Überlegungen zur Funktion der Menschenwürde als Rechtsbegriff, in: Thomas Weitin (Hg.), Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter in Europa und den USA, Bielefeld: Transcript 2010, S. 17-41.

Detlef Kremer, Folter als diskursgeneratives Element in der Literatur der Romantik, in: Thomas Weitin (Hg.), Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter in Europa und den USA, Bielefeld: Transcript 2010, S. 145-167.

Peter Oestmann, Ein Zivilprozeß am Reichskammergericht. Edition einer Gerichtsakte aus dem 18. Jahrhundert, Köln u.a.: Böhlau 2009.

Peter Oestmann (Hg.), Zwischen Formstrenge und Billigkeit. Forschungen zum vormodernen Zivilprozeß, Köln u.a.: Böhlau 2009.

Peter Oestmann, Rechtsmäßige und rechtswidrige Folter im gemeinen Strafprozeß, in: Thomas Weitin (Hg.), Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter in Europa und den USA, Bielefeld: Transcript 2010, S. 87-109.

Team:

Prof. Dr. Thomas Weitin, Universität Konstanz, Fachbereich Literaturwissenschaft

Prof. Dr. Thomas Gutmann, Universität Münster, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Rechtsphilosophie und Medizinrecht

Prof. Dr. Detlef Kremer (†), Universität Münster, Germanistisches Institut

Prof. Dr. Peter Oestmann, Universität Münster, Institut für Rechtsgeschichte

Mit der Folter als eindrücklichster Signatur der Gewalt des Menschen über den Menschen widmet sich das Projekt „Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter“ einem Thema, das ohne den wechselseitigen Wissenstransfer zwischen verschiedenen akademischen Disziplinen nicht nachhaltig zu bearbeiten ist. Dieser vom Gegenstand eingeforderten Zusammenarbeit entsprechen wir durch eine konzentrierte Kooperation zwischen Literaturwissenschaft und Rechtswissenschaft. Unser gemeinsames Forschungsinteresse an den diskursiven Bedingungen und Effekten der Folter lässt sich auf eine Frage zuspitzen: Was wird in welchen institutionellen Zusammenhängen mit der Folter verhandelt und vollzogen? Diese Frage stellt sich historisch vor allem im Hinblick auf die schrittweise Abschaffung der Folter im 18. Jahrhundert und die rechtspolitischen Auseinandersetzungen, die sie, mit starker Wirkung in der Literatur, begleitet haben. Und sie stellt sich aktuell innerhalb einer gesellschaftlichen Debatte um den Würdebegriff, dessen Wurzeln im deutschen Idealismus und der Literatur dieser Epoche liegen. Ausgehend von diesen  Konstellationen, die von den beteiligten Teilprojekten in historisch-systematischen Fallstudien und diskursanalytischen Grundlagenforschungen entfaltet werden, soll schließlich in übergreifenden Darstellungen nach Bedingungen und Möglichkeiten gesucht werden, aus der historischen Diskussion für aktuelle Debatten zu lernen.

In heuristischer Hinsicht nähern wir uns unserer Forschungsfrage über den anhand der Folter fassbaren Grenzbegriff der Gewalt. Wir gehen davon aus, dass die historische Abschaffung der Folter als juristisches Beweiserzwingungsmittel mit einer Einlagerung der körperlichen Gewalt in den imaginären Bereich der Sprache einhergeht. Daher erscheint es uns zwingend notwendig, dass sich Literatur- und Rechtswissenschaft gemeinsam der Frage nach Kodifikationen, Übergängen, Transformationen und Semantisierungen dessen zuwenden, was Gewalt historisch in institutionalisierten Zusammenhängen bedeutet. Rechtswissenschaftlich und rechtshistorisch geht es um das Verhältnis von rechtsförmiger und rechtswidriger Gewalt und die Art und Weise, in der dieses Verhältnis durch den Begriff der Würde Veränderungen erfuhr und erfährt; literaturwissenschaftlich steht die Grenze von sichtbarer und unsichtbarer Gewalt im Mittelpunkt. In beiden Fällen haben wir es mit komplexen symbolischen und kulturellen Codierungen zu tun, aus denen nicht zuletzt auch eine heuristische Verantwortung für eine nichtempirische Gewaltforschung resultiert, die diese komplexen Zusammenhänge systematisch analysieren und historisch ausleuchten muss.