Natur im Konflikt. Naturschutz, Naturbegriff und Küstenbilder

Team:
Prof. Dr. Ludwig Fischer, Universität Hamburg, Institut für Germanistik II: Neuere deutsche Literatur
Prof. Dr. Wolfgang Settekorn, Universität Hamburg, Insitut für Romanistik

Das Projekt lief von Ende 2000 bis Ende 2003. Es wurde von einer interdisziplinären und internationalen Forschergruppe getragen, die sich zusammen setzte aus einem Naturwissenschaftler, einem Ethnologen und einer Sozialanthropologin, HistorikerInnen sowie Sprach-, Literatur- und MedienwissenschaftlerInnen. Die Mitwirkenden waren auf vier Forschungsstandorte in der Bundesrepublik (Universität Hamburg, Max Planck-Institut für Geschichte Göttingen, GKSS Geesthacht) und in Dänemark (Süddänische Universität Esbjerg) verteilt. Die Fördersumme betrug rund 510.000,- €.

Das Projekt nahm den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer als beispielhaftes Erkundungsfeld ins Visier und untersuchte die jahrelangen, heftigen Auseinandersetzungen um den Küstenraum aus literatur- und medienwissenschaftlicher, historischer, ethnologischer und naturwissenschaftlicher Perspektive. Es setzte damit an einem sehr zentralen Konfliktpunkt an: dem scheinbar unüberwindbaren Gegensatz von "Natur versus Kultur".

Dem Anspruch, gesellschaftliches Handeln mit der Natur in Einklang zu bringen, stehen die Maximen und Sachzwänge unserer hoch technisierten Zivilisation gegenüber. Küstenbewohner, Naturschützer, Touristen, Politiker – sie alle reden von der "Natur". Aber, so die Ausgangshypothese des Projekts: Jeder meint und verbindet damit etwas anderes. Der Bewohner will und muss mit und von dieser Natur leben, der Tourist will sie als Fluchtraum, der Naturschützer sie vor der Nutzung durch Küstenbewohner und Touristen gleichermaßen schützen, der Politiker muss zwischen den einzelnen Positionen vermitteln und immer wieder Entscheidungen treffen. Dahinter stehen – jenseits der Rückführung auf schlichte Interessenskonflikte – Bilder, Begriffe und Vorstellungen von "Natur", die sich in einem längeren Prozess historisch und kulturell verfestigt haben und nur selten bewusst reflektiert und thematisiert werden.

Diese "Vorstellungskerne" zu identifizieren, zu beschreiben und in ihrem Entstehen zu erklären sowie in ihrer Verwendung nachzuverfolgen, war Ziel der am Projekt beteiligten Forscherinnen und Forscher – um damit zu einer Verständigung zwischen den Positionen beizutragen.