Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften

Bewilligungen / Grants 2005

Repräsentation: Theorien, Formen und Techniken

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre

"Repräsentation" bezeichnet ein in vielen Einzelwissenschaften virulentes Problemfeld. Die Verwendungsweisen dieses Begriffs zur Erklärung verschiedenster Phänomene der "Abbildung", "Darstellung", "Vorstellung" oder "Stellvertretung" von Entitäten sind so vielfältig wie konkurrierende Theorien dazu. Ziel des Projektes ist es, einen systematischen Versuch zur Entwicklung einer allgemeinen definitorischen Begriffs-Plattform zu unternehmen. Die Frage ist deswegen so zentral, da seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert die Debatte über das Repräsentationsproblem mit einem Diskurs über philosophische, wissenschaftliche und andere kulturelle Krisenphänomene verbunden ist. Die Krise des Repräsentationsbegriffs erweist sich bei genauerer Analyse denn auch als Weltbild-Krise. In dem Vorhaben arbeiten zwei philosophische und zwei naturwissenschaftliche Teilprojekte zusammen: Im Bereich Philosophie ist ein Teilprojekt einer nicht-naturalistischen intern-realistischen Erkenntnistheorie zuzurechnen, während ein zweites auf mentale Repräsentation und Naturalisierung der Intentionalität zielt. Bei den naturwissenschaftlichen Vorhaben geht es um den Begriff der neuralen Repräsentation, operationalisiert am Perspektivwechsel sowie an der visuellen Wahrnehmung von Teil-Ganzes-Beziehungen.

Universität Bremen
FB 9 Kulturwissenschaften
Studiengang Philosophie
Lehrstuhl für Theoretische Philosophie und ZWE
Zentrum Philosoph. Grundlagen der Wissenschaften
Professor Dr. Hans Jörg Sandkühler
Postfach 33 04 40
28334 Bremen
Tel.: 0421 218 3221
Fax: 0421 218 2003
Homepage: http://www.philosophie.uni-bremen.de/

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Abschluss der Qualifizierungsarbeiten des Projekts "Archive der Vergangenheit. Wissenstransfers zwischen Archäologie, Philosophie und Künsten" im Rahmen des Forschungsvorhabens "Archive der Vergangenheit. Medien der Archäologie / Archäologie der Medien

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 2 Jahre

Die Archäologie als Disziplin und als kulturwissenschaftliche Methode stand im Zentrum eines Forschungsvorhabens, das im Rahmen der Förderinitiative "Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften" von 2002 bis 2005 gefördert wurde. Der Archäologie wurde dabei eine Leitfunktion in dem Diskurs zugesprochen, der die Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften zu überwinden sich anschickt: Anders als die meisten Geisteswissenschaften ist sie auf materielle Speicher sowie auf die wissensproduzierende Rolle des Technischen - d.h. auf die "Archive der Vergangenheit" (Theodor Mommsen) - angewiesen. Die im Rahmen dieser Förderung begonnenen und noch nicht beendeten Qualifizierungsprojekte sollen nun abgeschlossen werden.

Humboldt-Universität Berlin
Institut für Kultur- und Kunstwissenschaft
Winckelmann-Institut
Seminar für Klassische Archäologie
Professor Dr. Detlef Rößler
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Tel.: 030 2093 2040/2265
Fax: 030 2093 2494

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Kontrolle und Verantwortung. Untersuchungen zur Natur und Kultur des Wollens

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 2 Jahre 6 Monate

Nach der Durchführung eines ersten dreijährigen Vorhabens zum Thema "Willenshandlungen: Untersuchungen zur Natur und Kultur des Wollens" liegt der Schwerpunkt der neuen Förderphase auf dem Willen als Fähigkeit zur Selbstkontrolle und der Analyse der Beeinträchtigungen dieser Selbstkontrolle. Wer kontrolliert eigentlich wen, wenn das Selbst sich selbst kontrolliert? Die psychologischen, philosophischen und soziologischen Untersuchungen werden dabei auf die beiden gesellschaftlich relevanten Anwendungsfelder Rechtswissenschaft und Psychiatrie ausgeweitet. So sollen als pathologische Beeinträchtigungen der Selbstkontrolle und des Wollens auch Krankheiten wie Zwänge oder Schizophrenie behandelt werden. Im rechtswissenschaftlichen Teilprojekt sollen die Untersuchungen zur Konzeption des Willens als Selbststeuerungskompetenz auf Fragen der Verantwortungszuschreibung im Strafrecht angewendet werden.

Technische Universität Dresden
Institut für Psychologie I
Professur für Allgemeine Psychologie
Professor Dr. Thomas Goschke
Zellescher Weg 17
01062 Dresden
Tel.: 0351 4633 7678
Fax: 0351 4633 3522
Homepage: http://psylux.psych.tu-dresden.de/allgpsy/Goschke/Goschke.htm

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animal emotionale. Gefühle als Missing Link zwischen Erkennen und Handeln

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre

Philosophen haben den Menschen als animal rationale charakterisiert und so von den übrigen Tieren unterschieden. Dieses "Etikett" vernachlässigt jedoch einen weiteren Aspekt menschlichen Daseins: den Menschen als emotionales Wesen. Emotionen sind nicht nur konstitutive Bestandteile gefühlter und auch rational erwogener Wertungen und Entscheidungen - sie lenken überdies auch die Umsetzung unserer Entscheidungen und Wertungen in konkretes Handeln. Das Gesamtprojekt verfolgt das Ziel, die Erforschung menschlicher Emotionen aus den Perspektiven der Philosophie und der affektiven Neurowissenschaft miteinander zu verbinden. Die gemeinsame Leitidee der gegenseitigen Durchdringung von Emotion und Kognition erfährt im Teilprojekt "Emotion und Weltbezug" eine philosophische Begründung, in der die enge Verwobenheit von Emotion und Kognition und die Annahme eines durchgängig affektiven Weltbezugs verteidigt werden. Diese Thesen sind zugleich Gegenstand empirischer Forschung im Teilprojekt "Emotionale Selbstregulation und kognitive Kontrolle"."Emotionen und soziale Interaktion in einer Neurobiologie der Moral" nimmt sich einer wichtigen Dimension des affektiven Weltbezuges an: Gerade für die Einsicht in soziale Zusammenhänge und zwischenmenschlich bedeutsame Konstellationen sowie deren Regulation sind Emotionen unabdingbar.

Universität Osnabrück
Institut für Kognitionswissenschaft
Professor Dr. Achim Stephan
Katharinenstraße 24
49069 Osnabrück
Tel.: 0541 969 6226/4599

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Wissen und Können. Kognitive Fähigkeiten biologischer und künstlicher Systeme

Bewilligung: 22.03.2005 Laufzeit: 3 Jahre

Wissen und Können markieren nach herkömmlicher Auffassung streng getrennte Sphären kognitiver Leistungen des Menschen. Die philosophische Erkenntnistheorie hat ihre Aufmerksamkeit ganz überwiegend auf das Wissen gerichtet, das die Struktur von Sätzen besitzt und das unabhängig von jenen Fähigkeiten vorliegt, in denen es sich aktualisiert. Ziel des Projektes ist es dem gegenüber, das Können als eigenständige Sphäre zur Geltung zu bringen. Dabei sollen sowohl begriffliche wie nicht-begriffliche Anteile an kognitiven Fähigkeiten auf der Basis einer strukturalen Theorie der Repräsentation analysiert wie auch beispielsweise eine Begriffstheorie ausgearbeitet werden, die Begriffe als mentale Repräsentationen auffasst und es erlaubt, Grenzen zwischen vorbegrifflichen und begrifflichen Fähigkeiten und propositional strukturiertem Wissen unabhängig von Sprachfähigkeiten präzise zu bestimmen. Drei philosophischen Teilprojekten stehen zwei experimental-psychologische bzw. neurowissenschaftliche Untersuchungen gegenüber, die die Frage des Könnens am Beispiel des sprachlichen versus sensomotorischen Raumerwerbs operationalisieren.

Universität Bonn
Philosophisches Seminar
Professor Dr. Andreas Bartels
Am Hof 1
53113 Bonn
Tel.: 0228 73 3967

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