Das Gehirn als Beziehungsorgan: Interdisziplinäre Perspektiven auf die Entwicklung sozial induzierter Fähigkeiten

Team:

Prof. Dr. Thomas Fuchs, Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Allgemeine Psychiatrie

Prof. Dr. Michael Pauen, Humboldt-Universität Berlin, Berlin, School of Mind and Brain, Institut für Philosophie

Prof. Dr. Sabina Pauen, Universität Heidelberg, Psychologisches Institut

Dr. Corinna Reck, Universität Heidelberg, Klinik für Allgemeine Psychiatrie, Zentrum für Psychosoziale Medizin

Prof. Dr. Beate Sodian, Universität München, Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie

Das im Zeitraum 2008-2011 geförderte Forschungsprojekt geht davon aus, dass das Gehirn als ein Beziehungsorgan fungiert, das die sozialen Interaktionen vermittelt und umgekehrt von ihnen maßgeblich geprägt wird. Es dient als Vermittlungs- und Transformationsinstanz für die vielfältigen Interaktionen von Organismus und Umwelt. Seine Plastizität ermöglicht im biographischen Verlauf die erfahrungsabhängige Ausbildung von Fähigkeiten, die als geeignete „Schlüssel“ für bestimmte Umweltsituationen dienen. Das Gehirn wird dadurch zum Träger und Mediator der spezifisch menschlichen Fähigkeiten – zu einem Beziehungsorgan.

Die beteiligten Wissenschaftler vertreten die Fächer Philosophie, Psychiatrie, Entwicklungs- und Biopsychologie. Teilprojekt 1 untersucht die unterschiedlichen Perspektiven, die zur Er¬forschung des Zusammenhangs von Sozialität und Gehirn erforderlich sind. Am Beispiel der Entstehung von Selbstbewusstsein wird dabei insbesondere die Unverzichtbarkeit der 2. Person- oder Beziehungsperspektive demonstriert. Teilprojekt 2 entwirft auf dieser Basis ein Modell, das a) zwischen verschiedenen Arten sozialer Interaktion unterscheidet und b) bestehende Theorien der sozialen Wahrnehmung an einem ethnographischen Fallbeispiel überprüft. Als erstes der drei empirischen Teilprojekte untersucht Teilprojekt 3 die Beziehungskompetenzen und Bindungsrepräsentanzen in der Mutter-Kind-Dyade, wobei ein besonderer Fokus auf Müttern mit postpartaler Depression liegt. Teilprojekt 4 erforscht die Entwicklung der sozialen Kognition, v.a. der geteilten Aufmerksamkeit (Joint Attention) und die Rolle der sozialen Interaktion für das Objektlernen in der frühen Kindheit. Mit Störungen der sozialen Wahrnehmung im Autismus beschäftigt sich Teilprojekt 5 und setzt dazu entwicklungspsychologische Tests, Eye-Tracking, EEG und fMRT ein.