animal emotionale

Prof. Dr. Achim Stephan (Projektleiter)

Prof. Dr. Dr. Henrik Walter

Im Rahmen des animal emotionale-Projekts wurden der affektive menschliche Weltbezug, verschiedene Formen der Emotionsregulation sowie die Beteiligung von Emotionen an der moralischen Urteilsbildung aus den Perspektiven der Philosophie und der bildgebenden Neurowissenschaften untersucht.

Im Zentrum des philosophischen Projekts stand die Entwicklung einer Theorie der affektiven Intentionalität, die der spezifischen Art und Weise, wie sich eine fühlende Person auf die Welt und zugleich auf sich selbst bezieht, Rechnung trägt (Slaby 2008). Während affektlose Erkenntnisprozesse lediglich neutrale Informationen über die Außenwelt liefern, erschließen Emotionen nicht nur Aspekte der Welt, sondern zugleich immer auch die konkrete subjektive Situation des Fühlenden. Diese Wechselseitigkeit von Selbstbezug und Weltbezug in emotionalen Prozessen macht wesentlich die Bedeutung von Emotionen als spezifisch subjektive Bewertungen der Welt aus.

Anknüpfend an Überlegungen unseres Kooperationspartners Matthew Ratcliffe (Durham) haben wir die Kategorie der existentiellen Hintergrundgefühle (existential feelings) als einen zentralen Baustein in unsere Theorie der affektiven Intentionalität aufgenommen (Slaby/Stephan 2008). Hintergrundgefühle strukturieren implizit sämtliche Erfahrungszustände einer Person – insbesondere wirken sie prägend auf die episodischen Gefühle, die selbst wiederum auf den affektiven Hintergrund zurückwirken können.

In den empirischen Projekten untersuchten wir das Phänomen der affektiven Intentionalität in drei verschiedenen Bereichen: bei der Regulation negativer Emotionen (z.B. Walter et al. 2009), beim Treffen moralischer Entscheidungen (Schleim et al. 2010) und in spieltheoretischen Austauschsituationen, in denen Vertrauen eine Rolle spielt. Im Bereich der Emotionsregulation etwa lassen sich bestimmte kognitive Emotionsregulationsstrategien als eine Veränderung in der Relation zwischen Selbst und Welt verstehen. Da diese Beziehung sich letztlich auch im Gehirn widerspiegelt, lässt sich diese Veränderung der affektiven Intentionalität auch empirisch fassen.

Dabei konnten wir u.a. zeigen, dass eine erfolgreiche Emotionsregulation zwar durch kortikale Regionen (dorsolateraler PFC, inferiorer parietaler PFC) initiiert wird, aber durch eine Veränderung in der Kopplung zwischen mehreren Hirnregionen, darunter der orbitofrontale Kortex, vermittelt wird (Schardt et al. 2009). Weiterhin konnten wir zeigen, dass sich willentliche Emotionsregulation auch zu späteren Zeitpunkten auf die neuronalen Korrelate der emotionalen Wahrnehmung (Walter et al. 2009) und der Erinnerung auswirkt (Erk et al. 2010).