"Uniform in Bewegung". Zum Prozess der Uniformität von Körper und Kleidung

Team:

Prof. Dr. Gabriele Mentges, Technische Universität Dortmund, Institut für Kunst und Materielle Kultur, Department TEXTIL

Prof. Dr. Birgit Richard, Universität Frankfurt am Main, Institut für Kunstpädagogik/Bereich Neue Medien

Das Projekt (2002 – 2005) untersuchte aktuelle Phänomene vestimentärer Uniformierung (vier Teilprojekte) in den Kontexten von Religion (Nonnenkleidung), Wirtschaft (Corporate Fashion), Konsum (Jugendmode der "Mods") und Kunst (Künstler). Dabei gingen wir von der Beobachtung aus, dass die Uniformierungen aus ihren traditionellen Feldern wie Staat, Militär und Kirche verstärkt in die oben erwähnten Bereiche gewandert sind. Mit der Herleitung des Begriffes Uniformierung aus dem Militärischen ergaben sich für uns sowohl die entscheidenden Merkmale und die Erkenntnis, dass nicht nur das Äußere, sondern das körperliche Selbst stets im Zentrum der uniformierenden Maßnahmen steht.

Uns interessierte im Hinblick auf sämtliche betroffenen Akteure (Nonnen, Angestellte, Jugendliche, Künstler), wie, wo, wann und warum in den oben genannten modernen Kontexten Uniformierungsprozesse einsetzen, von welchen Impulsen sie ausgehen, worauf sie abzielen und wie sie jeweils umgesetzt werden.
In der Gesamtschau lassen die Ergebnisse der vier Teilprojekte erkennen, dass sich Uniformierung in der zweiten Moderne (U. Beck) gewandelt hat hin zu einem variablen Modell, das zwar nach wie vor auf Strukturelementen der traditionellen Uniformierung aufbaut wie Vereinheitlichung, Regelverhalten, Ordnung, jedoch diese flexibel handhabt, auch in Bezug zum Geschlecht. Uniformierung wird Bestandteil des modischen Prozesses der Veränderung, Integration und Individuation.

Uniformierungsprozesse stellen daher heute eher Strategien der Verlangsamung, Verstetigung, Integration und Lokalisierung bereit, der Grund dafür, warum sie von den Akteuren in der Regel positiv wahrgenommen werden. Denn damit widersteht die Uniformierung bestimmten Effekten der Globalisierung wie der zeit-räumlichen Entbettung und Entgrenzung.