Wenn Parkbänke verkuppeln: Begegnungen im Stadtraum neu denken
Andrea Wong/VolkswagenStiftung
Designforscherin Dr. Judith Dörrenbächer von der Universität Siegen will ausloten, wie "smarte" Technologien im öffentlichen Raum nicht nur Effizienz, sondern auch Menschlichkeit bewirken können. Nämlich in Form von geduldigen, unparteiischen Mittlerinnen zwischen Menschen.
Würden wir uns öfter fremden Menschen zuwenden, wenn die Stadt uns ein wenig dabei hilft? Etwa wenn eine Parkbank ins Gespräch bringt oder eine Litfaßsäule diskret vermittelt?
Wir möchten mithilfe von Technologie kleine positive verbindende Momente im Alltag der Menschen schaffen
Ziel des Forschungsprojekts ENACT von Judith Dörrenbächer ist es, soziale Spaltung zu überwinden und dafür den städtischen Raum zu nutzen, in dem unterschiedliche Menschen zufällig und persönlich aufeinandertreffen. "Wir möchten mithilfe von Technologie kleine positive verbindende Momente im Alltag der Menschen schaffen", sagt Dörrenbächer.
Durch ENACT verlegt die Wissenschaftlerin das Labor auf die Straße und die Bühne: Gemeinsam mit zwei Promovierenden der Universität Siegen und internationalen Künstler:innen entwickelt und exploriert sie technologische Interventionen im öffentlichen Raum und auf Probebühnen. Mit ihrer Kooperationspartnerin Alice Ferl vom Forum Freies Theater (FFT) Düsseldorf richtet sie hierfür ein Artist-in Residence-Programm ein. "Es wird insgesamt 10 künstlerische Projekte am Theater geben, die jeweils eng verzahnt mit den zwei Promotionsprojekten an der Uni Siegen sind", führt die Wissenschaftlerin aus. "Denn wir streben auch an, Theatermethoden für die Technikentwicklung zu systematisieren."
Ziel ist, dass Bürger:innen mögliche Technologie erleben und darüber mit den Forschenden und miteinander ins Gespräch kommen. Was wäre, wenn eine "Erinnerungsbank" bedeutsame Erlebnisse von Menschen an diesem konkreten Ort sammelt und mit anderen teilt? Was, wenn mich eine robotische Ampel mit einer anderen wartenden Person ins Gespräch bringt? Könnte ein smartes Stadtmöbel scheinbar "zufällige" Begegnungen kuratieren und so "Déjà-vu"-Erlebnisse zwischen Menschen ermöglichen?
"Durch solche Installationen könnten kurze Moment der Verbundenheit entstehen", erklärt die Forscherin. "Wir wollen dafür gezielt die Stärken nutzen, die Technologie hat. Zum Beispiel ihre unendliche Geduld oder, dass sie nie nachtragend ist– gewissenmaßen ihre robotische Superpower." Das besondere an dem ENACT-Projekt ist, dass es Menschen erfahren lässt, wie es sich anfühlt, wenn eine Maschine Beziehungen stiftet – und wo hier auch Risiken liegen. So erhält Dörrenbächer Anhaltspunkte, wie Städte neue Technologien fair, inklusiv und demokratisch einsetzen können.
Dr. Judith Dörrenbächer
Zudem will die Forscherin in einem Panel of Experts neben Fachleuten aus der Robotik auch Personen aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur und Politik versammeln. Entstehen sollen am Ende konkrete Empfehlungen, wie smarte Technik Begegnungen ermöglicht, ohne zu bevormunden.
Die Recherche für den Text wurde unterstützt durch künstliche Intelligenz.