Farblich eingefärbte Weltkarte, die den Zustand des Academic Freedom in allen Ländern im Jahr 2025 zeigt.
Aktuelles

Academic Freedom Index: Dramatischer Rückgang der Autonomie der Universitäten in den USA

Der neue Bericht zum Academic Freedom Index (AFI) gibt einen Überblick über den weltweiten Stand der Wissenschaftsfreiheit. Die Daten legen einen Zusammenhang zwischen der institutionellen Autonomie von Universitäten und der individuellen Freiheit von Forschenden nahe. In den USA zeichnet sich aus einer vergleichenden Perspektive ein dramatischer Rückgang der Autonomie der Universitäten ab.

Auch im Frühjahr 2026 beleuchtet der Academic Freedom Index den weltweiten Stand der Wissenschaftsfreiheit – jährlich im März erscheinen die neuen Daten des AFI-Projekts von Forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Varieties of Democracy (V-Dem) Instituts der Universität Göteborg. Die VolkswagenStiftung fördert den AFI seit 2021.

Stand der Wissenschaftsfreiheit 2025

Der Bericht konstatiert: Die Wissenschaftsfreiheit nimmt weltweit weiter ab. In den letzten zehn Jahren hat sie sich in 50 Ländern verschlechtert, in nur neun Ländern lassen sich Verbesserungen verzeichnen. Ein Rückgang ist dabei gleich in mehreren Demokratien zu verzeichnen, darunter die USA, Griechenland, Finnland und Argentinien.

Weltweit ist der Rückgang in der individuellen Dimension der Wissenschaftsfreiheit und der Campus-Integrität am stärksten. Im Gegensatz dazu gibt es weniger Länder, in denen die institutionelle Autonomie abnimmt.
 

Institutionelle Autonomie weltweit und im Westen

Zwischen 2015 und 2025 nahm die institutionelle Autonomie in 43 Ländern ab, von denen 21 vorwiegend in Europa, Nordamerika und Lateinamerika liegen. Dies deutet auf eine besorgniserregende Schwächung der Hochschulautonomie in liberalen Demokratien hin, beispielsweise in Kanada, den Niederlanden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten, wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß.

Farblich eingefärbte Weltkarte, die den Zustand des Academic Freedom in allen Ländern im Jahr 2025 zeigt.

Die Grafik veranschaulicht die tatsächliche akademische Freiheit weltweit im Jahr 2025 (0–1, niedrig bis hoch).

Die institutionelle Autonomie spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Wissenschaftsfreiheit. Obwohl einige Forschende und politische Akteure kürzlich argumentierten, dass eine starke institutionelle Autonomie Universitäten begünstigen könnte, die die Vielfalt der Ansichten und Forschungsansätze unterdrücken, deuten die AFI-Daten auf einen positiven Zusammenhang zwischen institutioneller Autonomie und der individuellen Freiheit zu forschen und zu lehren hin. Universitäten mit stärkerer Autonomie bieten eher zuverlässigere Garantien für die Wissenschaftsfreiheit von Einzelpersonen. Umgekehrt werden sowohl Universitäten als auch einzelne Forschende anfälliger gegenüber nicht-akademischem Druck, wenn die institutionelle Autonomie geschwächt wird.

Die Hochschulautonomie in den USA

Das diesjährige AFI-Update untersucht die Entwicklung der institutionellen Autonomie in den USA und vergleicht diese Entwicklung mit den regionalen Durchschnittswerten für Westeuropa und Nordamerika zwischen 2015 und 2025. Die Analyse zeigt deutlich, dass die Autonomie der Universitäten in den USA weit hinter der Vergleichsgruppe zurückgefallen ist.

Grafik zur institutionellen Autonomie in den USA.

Die Entwicklung der institutionellen Autonomie in den USA sowie in einem durchschnittlichen Vergleichsland in Westeuropa und Nordamerika im Zeitraum 2015 bis 2025.

Der Rückgang der institutionellen Autonomie in den USA verlief vergleichsweise abrupt: Die institutionelle Autonomie sank von 2,4 im Jahr 2024 auf 1,7 im Jahr 2025 (auf einer Skala von 0 bis 4). Dieser deutliche Einbruch innerhalb nur eines Jahres wurde vor allem durch Maßnahmen der amerikanischen Bundesregierung verursacht. Der Rückgang setzte erstmals im Jahr 2020 mit Maßnahmen einzelner Bundesstaaten ein, die die Universitäten auch heute weiterhin unter Druck setzen. Im Jahr 2019 lag der Wert für die institutionelle Autonomie in den USA noch bei 3,3, was im globalen und auch im regionalen Vergleich ein vergleichsweise hoher Wert war.

Datenbank des Academic Freedom Index

Die für das AFI-Update 2026 verwendeten Daten (V-Dem Dataset) sind für weitere Studien frei zugänglich. Auf der Website des Academic Freedom Index gibt es eine interaktive Visualisierung der Daten, Länderprofile und weiterführende Informationen zum Indexprojekt, der Bericht selbst ist auf der Webseite des AFI als PDF verfügbar.

Pressemitteilung

Pressemitteilung der FAU Erlangen-Nürnberg vom 17. März 2026: "Die Autonomie der Universitäten in den USA fällt weit hinter die ihrer Vergleichsgruppe zurück"

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