Illustration mit mehreren Personen, dazwischen verbindende Linien
Publikation

Zukunftsplan für Niedersachsen

Empfehlungen für ein wirtschaftlich starkes, wandlungsfähiges und lebenswertes Land
30. September 2026

Das Ziel: Eine "Ära der rapiden Erneuerung" – mehr Tempo für ein starkes, wandlungsfähiges und lebenswertes Niedersachsen. Der Plan: Die Erneuerungskräfte des Landes systematisch entfesseln. Der Bericht des Innovationsrates Niedersachsen vom September 2026.

Wie kann Niedersachsen Innovationen fördern und den Transfer von Erkenntnissen der Wissenschaft in die Wirtschaft unterstützen? Mit diesem Untersuchungsauftrag schickte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) den elfköpfigen Innovationsrat in eine 18-monatige Arbeitsphase. 

Bericht des Innovationsrates Niedersachsen

Am 30. September 2026 wurde der fertige Bericht vom Ratsvorsitzenden, Dr. Georg Schütte, Vorstand VolkswagenStiftung, dem Ministerpräsidenten Olaf Lies und dem niedersächsischen Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) in Hannover überreicht.

Zielbild und Handlungsfelder für den Innovationsstandort 2035

Von Anfang an hatten sich die Mitglieder des Gremiums ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Niedersachsen bis 2035 zu einem international wettbewerbsfähigen und attraktiven Innovationsstandort zu entwickeln. Sechs Handlungsfelder, die die Expert:innen als besonders zukunftsträchtig betrachten, wurden tiefschürfend hinsichtlich ihrer Entwicklungspotenziale analysiert.

sechs verbundene Felder mit den Überschriften der Handlungsfelder

Der Fokus des Berichts liegt auf sechs Handlungsfeldern mit besonderer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit Niedersachsens.

Illu mit einem Roboter-Greifarm und Text Moderne Industriepolitik und disruptive Innovationen
Illu mit einer Glühbirne und Text Hochschul- und Wissenschaftssystem
Illu mit zwei entgegengesetzten Pfeilen und Text Transfer und Ausgründungen
Illustration mit einem Euro-Sympol und Text Finanzierung
Illustration mit einem Menschen und einem Atomsymbol sowie Text Fachkräfteausbildung und Future Skills
Illu mit einer Hand und Text Steuerung für Innovationspolitik

Dr. Georg Schütte: "Die Welt ändert sich rasant und wartet nicht auf Niedersachsen. Drei Fragen haben deshalb von Anfang an unsere Diskussion geleitet: Wo liegen die Chancen für Niedersachsen, um bewährte Quellen des Wohlstands zukunftsfähig zu machen und gleichzeitig neue zu erschließen? Wie können wir Gemeinsinn und Tatkraft der Menschen stärken, um die Chancen für positive Veränderung zu nutzen? Und wie können wir mehr Tempo machen, um die Verantwortlichen zu motivieren, den Wandel zu gestalten."

Deshalb war es dem Innovationsrat wichtig, nicht nur bloße Empfehlungen zu formulieren, sondern ein Zielbild 2035 zu entwickeln, eine Roadmap für die strukturierte Zukunftsentwicklung in Wirtschaft und Wissenschaft, die nicht nur Meilensteine vorgibt, sondern auch jene Organisationen benennt, die Verantwortung dafür tragen. 

Wir hoffen, die Verantwortlichen nutzen dieses Playbook.

Georg Schütte, Vorstand VolkswagenStiftung

Schütte: "Der Bericht ist das Produkt von vier Plenums- und 20 Arbeitssitzungen eines hochqualifizierten Gremiums, das zudem von einem Soundingboard unterstützt wurde, in dem weitere Expert:innen die niedersächsische Perspektive eingebracht haben. Viele kluge Köpfe also, die hinter den Empfehlungen stehen und für deren Umsetzung eintreten wollen. Wir hoffen, die Verantwortlichen nutzen dieses Playbook."

Eine Gruppe von Menschen in einem Treppenhaus

Was ist der Innovationsrat Niedersachsen?

Der Innovationsrat wurde vom Land Niedersachsen berufen und hat im Sommer 2025 seine Arbeit aufgenommen. Das elfköpfige Gremium berät die Landesregierung dabei, Innovationssystem und -politik im Land voranzutreiben. Jetzt hat der Rat seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Innovationsrat Niedersachsen

 

Zukunftsplan für Niedersachsen: Die Handlungsfelder im Überblick

Detailliertere Informationen zu den einzelnen Handlungsfeldern finden Sie im Gesamtbericht "Zukunftsplan für Niedersachsen" (PDF, 841.4 KB).

Illustration mit Roboter-Greifarm

Moderne Industriepolitik & disruptive Innovationen

Für eine moderne Industriepolitik in Niedersachsen, die auch die Potenziale disruptiver Innovationen für das Land erschließt, sollte Niedersachsen ...

  • neue Technologien wie beispielsweise die Kombination von künstlicher Intelligenz und Robotik nutzen, um im niedersächsischen Automobilsektor und im produzierenden Gewerbe die Produktivität zu steigern und Wettbewerbsvorteile (wieder) zu gewinnen;
  • mit der Förderung neuer Schlüsseltechnologien Zukunftsmärkte erschließen, etwa durch die Entwicklung leistungsstarker Quantencomputer "made in Lower Saxony";
  • dazu in einem Wettbewerb an bis zu fünf Standorten Keimzellen der Erneuerung, sogenannte "Impact Cluster", einrichten, in denen Forschungseinrichtungen, Startups, etablierte Unternehmen und weitere Akteur:innen über fünf bis zehn Jahre neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Anwendung bringen, und sukzessive private Finanzierung zum Treiber einer "Deep Tech"-Dynamik im Land machen; nicht regionaler Proporz sollte entscheiden, wo dieser Aufbruch beginnt, sondern ein Wettbewerb der Ideen und der mutigen Akteur:innen – von der Wissenschaft über die Unternehmen vor Ort bis zum öffentlichen Sektor;
  • mit einer gezielten Ansiedlungs- und Förderpolitik die Entwicklung der Cluster unterstützen;
  • über Verfahren der Trendanalyse und der Zukunftsforschung globale Entwicklungen in Forschung und Innovation frühzeitig entdecken und neue Technologien kontinuierlich auf Chancen für Unternehmen und Startups in Niedersachsen prüfen;
  • gezielt solche Unternehmen und Startups in Niedersachsen stärken, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen in weltweiten Lieferketten und Produktionszusammenhängen Schlüsselpositionen einnehmen, ja bisweilen unersetzlich sind; sie sichern Deutschlands und Europas Wettbewerbsfähigkeit ab und können Ausgangspunkt für eine neue Innovationsdynamik sein;
  • über gezielte Marketing-Kampagnen und neue Marketinginstrumente, etwa Innovationsbotschafter:innen, den Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsstandort Niedersachsen international sichtbar machen, neue Kooperationspartner:innen gewinnen und neue Märkte erschließen. 
Illustration mit Glühbirne

Hochschul- & Wissenschaftssystem

Um niedersächsische Hochschulen zu Motoren des Wandels und attraktiv für Talente aus Deutschland und der Welt zu machen, sollte Niedersachsen ...

  • mit der Novelle des Niedersächsischen Hochschulgesetzes die Freiheitsgrade der Hochschulen erweitern und die Eigenverantwortung der Hochschulen stärken und einfordern;
  • in den Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften des Landes klare Leistungsprofile in Forschung, Studium und Lehre, Wissens- und Technologietransfer und regionaler Entwicklung entwickeln, die die einzelnen Standorte unterscheidbar machen und Talenten sowie regionalen und internationalen Partner:innen Orientierung geben;
  • neue und ambitionierte Wege gehen, um Lehrende und Forschende nicht nur für besondere Leistungen in der Forschung, sondern auch für gute Lehre und Weiterbildung, gelungene Kooperationen mit Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen oder für die Ausgründung zu belohnen;
  • die Leistungsprofile der Hochschulen in Zielvereinbarungen zwischen den Hochschulen und dem Land verbindlich machen und langfristig finanziell absichern;
  • kaum nachgefragte Studienangebote und begleitende Service-Angebote, die an einzelnen Hochschulstandorten nicht mit einer hinreichenden Zahl von Mitarbeitenden ausgestattet sind und keine angemessene Angebotsqualität bieten, abbauen oder durch Zusammenlegung mit Angeboten an anderen Standorten wieder attraktiv machen;
  • Unternehmer:innengeist durch Lehrangebote zum Unternehmertum, sogenannte "Entrepreneurship Education"-Angebote, und durch eine Gründungsberatung, insbesondere – aber nicht ausschließlich – in den MINT-Fächern, stärken sowie die Potenziale von künstlicher Intelligenz verantwortungsvoll nutzen und weiterentwickeln.
Illustration mit zwei Pfeilen in entgegengesetzte Richtungen

Transfer & Ausgründungen

Für eine Stärkung der Transfer- und Gründungsdynamik im Land sollte Niedersachsen ...

  • die Verantwortung für den Wissens- und Technologietransfer und für Ausgründungen in den Hochschulen in die Hände von Vizepräsident:innen für Innovation & Entrepreneurship legen;
  • durch zentrale Beratungs- und Unterstützungsangebote von "Spin-off Hubs" jungen Gründungsinteressierten und jungen Unternehmen optimale Startchancen bieten;
  • dabei die Verwaltungsverfahren für Gründungs- und Transferaktivitäten und insbesondere die Nutzung von Laborflächen und Forschungsgeräten und die Übertragung von geistigen Eigentumsrechten in Niedersachsen radikal vereinfachen und beschleunigen. 
Illustration mit Euro-Symbol

Finanzierung

Für eine moderne Forschungs- und Innovationsfinanzierung des Landes sollte Niedersachsen ...

  • erfolgreichen jungen Unternehmen über eine zentrale "Niedersächsische Scaleup-Plattform" den Zugang zu Risiko- und Wachstumskapital sichern;
  • hierzu mit öffentlicher Ankerfinanzierung und einem professionellen "Investor Relations Management" privates Wachstumskapital mobilisieren und über einen "Fund of Funds Plus" (einen Fonds mit erweiterten Funktionen) bereitstellen;
  • Talente und Vorhaben mit außerordentlichem Innovations- und Wachstumspotenzial durch Beratung und durch den Zugang zu internationalen Netzwerken von Investor:innen gezielt auf ein Wachstum über die Grenzen Niedersachsens hinaus vorbereiten;
  • Forschende an den Hochschulen und in den Entwicklungsabteilungen von Unternehmen über die zentrale Begleitung und Beratung durch ein "Niedersächsisches Kompetenzzentrum für Technologieförderung" dabei unterstützen, Fördermittel des Bundes und der Europäischen Union für Spitzenforschungsprojekte zu akquirieren.
Illustration mit Mensch und Atomsymbol

Fachkräftebildung & "Future Skills"

Zur Ausbildung der Talente von morgen sollte Niedersachsen ...

  • die außerschulische Bildung und Berufsorientierung in den MINT-Fächern über eine Landeskoordinierungsstelle zwischen den Akteur:innen und Standorten abstimmen;
  • Studien-, Aus- und Weiterbildungsgänge sowie "Reskilling"-Angebote zum Erwerb neuer, wissensbasierter Fachkenntnisse in enger und aktiver Kooperation mit Unternehmen marktrelevanter gestalten und ausbauen – insbesondere aber nicht ausschließlich in dem am Arbeitsmarkt stark nachgefragten MINT-Bereich;
  • an den Hochschulen in allen Studiengängen Schlüsselkompetenzen, sogenannte "Future Skills", für eine sich wandelnde und durch digitale Technologien geprägte Welt vermitteln und diese an den Institutionen auch leben und vorleben;
  • internationale Studierende, Fachkräfte und Gründer:innen beim Einstieg in den niedersächsischen Arbeitsmarkt professionell, engagiert und nachhaltig begleiten.
Illustration mit Hand, darüber ein Sternsymbol

Steuerung der Innovationspolitik

Zur Verwirklichung dieses Zukunftsplans sollte Niedersachsen ...

  • die Verwaltungsprozesse im Land entschlacken und als "Niedersachsen-Standard" einfache Verfahren etablieren, die für schnelle Entscheidungen und verlässliche Beschlüsse sorgen; 
  • die Verantwortung hierzu denjenigen übertragen, die auch für die Umsetzung von Maßnahmen und Projekten verantwortlich sind; 
  • die Innovationspolitik des Landes zur Chef:innensache machen; 
  • mit einem integrierten Politikansatz die Interessen der einzelnen Ministerien abstimmen, um ressortübergreifend die Rahmenbedingungen für die Umsetzung dieses "Zukunftsplans" zu schaffen;
  • die Akteur:innen ermutigen und zur Entfaltung kommen lassen, die die einzelnen Maßnahmen des Zukunftsplans partnerschaftlich und arbeitsteilig verantworten und umsetzen können: Wissenschaftseinrichtungen, Unternehmen, Kammern, Verbände, Gewerkschaften und die vielen weiteren zivilgesellschaftlichen Akteur:innen; 
  • als lernendes System das weitere Handeln immer wieder an sich wandelnde Bedingungen anpassen.

So könnte es weitergehen

Um vom Reden ins Handeln zu kommen, sollte Niedersachsen ...

  • alte Pfadabhängigkeiten, etwa bei der bisherigen Ausrichtung auf die europäische Strukturförderung, kritisch überprüfen und, wo notwendig, aufgeben;
  • die Forschungs- und Innovationsförderung des Landes stärker auf die Möglichkeiten der "Hightech Agenda Deutschland" der Bundesregierung und die Neuausrichtung von "Horizon Europe", das Forschungs- und Innovationsrahmenprogramm der EU-Kommission, ausrichten;
  • bis Ende 2026 vereinbaren, wer bis wann welche Empfehlungen dieses "Zukunftsplans" aufgreifen und umsetzen wird (wir machen hierzu jeweils Vorschläge) und wer welches Budget dafür zur Verfügung stellt.

Datengrundlage

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur beauftragte Prognos, eine Studie zur Begutachtung des niedersächsischen Innovationssystems anzufertigen – mit besonderem Fokus auf die Funktion der Intermediäre. Diese wurde 2025 fertiggestellt. Sie ist ein Basisdokument, auf dem die Arbeit des Innovationsrates aufbaute:

Um Zukunftschancen identifizieren zu können, haben die VolkswagenStiftung und der Innovationsrat zwei Studien beauftragt, die eine Analyse des Ist-Zustands ermöglichen und die Anknüpfungsmöglichkeiten einzelner Technologien einordnen:

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