Mit Daten zu mehr Wirkung: Wie ein Forscher NGOs bei Innovationen hilft
Andrea Wong/VolkswagenStiftung
Viele Nichtregierungsorganisationen (kurz: NGOs) wie Vereine und Stiftungen kämpfen mit knappen Mitteln – und mit der Frage, warum gute Ideen oft in Pilotprojekten stecken bleiben. Prof. Dr. Orestis Papakyriakopoulos von der TU München will das ändern.
Orestis Papakyriakopoulos will einen datenbasierten Werkzeugkasten entwickeln, mit dessen Hilfe sich Innovationen in Hilfsorganisationen gezielt fördern und skalieren lassen und gleichzeitig ihr tatsächlicher Wert belegbar wird. Der Leiter des Civic Machines Lab der Technischen Universität München und Change!-Fellow der VolkswagenStiftung setzt in seinem Projekt auf belastbare Erkenntnisse aus der Praxis: Gemeinsam mit Anne Merkle vom WWF und dem Innovation for Impact Network, in dem sich Innovationsteams von über 28 internationalen NGOs austauschen, will er Handlungsmuster sichtbar machen und Hürden abbauen.
Das Change!-Projekt liegt mir besonders am Herzen, weil wir damit die Innovationskraft und die Strukturen von Hilfsorganisationen nachhaltig erfassen und stärken können.
Daten machen Innovationen messbar
Um sein Projektziel zu erreichen, fokussiert der Informatiker, der auch schon in Princeton und am MIT geforscht hat, auf Strukturen statt Personen: In mehr als 100 Interviews und einer Online Umfrage mit rund 1.000 Mitarbeitenden will er etwa Entscheidungswege, Zusammenarbeit und Fehlerkultur erfassen, aber auch analysieren, wie weit und schnell andere Teams oder Standorte der NGOs Pilotprojekte übernehmen und regulär einsetzen. Ergebnis sollen klare Kennzahlen sein, die sichtbar machen, wo Innovation läuft und wo sie hakt.
Parallel entsteht eine offene Datenplattform. Sie bündelt Informationen über NGO‑Projekte aus internen Quellen und öffentlich zugänglichen Daten – von Webseiten bis Social Media – und wertet Texte, Bilder und Videos mithilfe von künstlicher Intelligenz aus. Dadurch sollen sich Erfolgs- und Risikomuster ablesen lassen, bevor viel Zeit und Geld gebunden sind.
Praxisbeispiele aus Brasilien und Kambodscha
Als Praxisbeispiele für seine Untersuchung nutzt Papakyriakopoulos gemeinsam mit seiner Kooperationspartnerin vom WWF zwei Projekte der ursprünglich schweizerischen NGO: Der WWF Kambodscha hat seit 2018 ein wildes Honig‑Unternehmen aufgebaut und skaliert, das die Dorfgemeinschaften stärkt; der WWF Brasilien erstellt im Rahmen des "Parks Design"-Projekts gemeinsam mit indigenen Gemeinschaften, lokalen Betrieben und Rangern ökologische Tourismusmodelle. Aus solchen Beispielen lernt das Team, wie lokale Ideen in großen Organisationen Wurzeln schlagen – und wie sie sich verantwortungsvoll übertragen lassen.
Prof. Dr. Orestis Papakyriakopoulos
Pilotprojekt in Tansania
Die Werkzeuge, die als eine Blaupause zur Einführung von Innovation und Trainings entstehen sollen, sollen in einem Pilotprojekt mit WWF Tansania unmittelbar erprobt werden. Darin sollen Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften die Renaturierung auf ihren Flächen vorantreiben. Papakyriakopoulos resümiert: "Unsere Vision ist, dass NGOs ihre Wirkung besser belegen können, schneller aus Erfolgen lernen und so mehr Vertrauen bei Förderern, Partnerinnen und Partnern sowie in der Öffentlichkeit gewinnen."