In einem Schritt: Neue Tomographie-Technik ermöglicht Ganzkörperscans
Karin Kaiser/MHH
Offizieller Start des ersten Total-Body-PET/CT-Systems in Deutschland (v.l.n.r.): MHH-Präsidentin Prof. Denise Hilfiker-Kleiner, Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs, Prof. Frank Bengel (MHH) und Prof. Simon Cherry (University of California, USA).
Schneller, präziser und strahlungsärmer als je zuvor: Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) setzt mit dem ersten Total-Body-PET/CT in Deutschland neue Maßstäbe in Diagnostik, Patientenversorgung und Forschung.
Als vierte Einrichtung in der ganzen Welt hat die Klinik für Nuklearmedizin der MHH ein sogenanntes Total-Body-PET/CT-System mit einem Sichtfeld von rund 150 Zentimetern in Betrieb genommen. Mit dem innovativen Gerät können in einem Schritt dreidimensionale Bilder fast des gesamten menschlichen Körpers erfasst werden. "Das Gerät liefert nicht nur genauere Darstellungen, es arbeitet auch schneller und strahlungsärmer – das sind wesentliche Vorteile für die Patientinnen und Patienten", erklärt Prof. Dr. Frank Bengel, der Direktor der Klinik für Nuklearmedizin.
Die PET/CT-Technik ist ein wichtiger Bestandteil der onkologischen, immunologischen, kardiologischen und neurologischen Diagnostik. Dabei werden zwei Bildgebungsverfahren miteinander kombiniert: die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die Computertomografie (CT). PET-Untersuchungen dienen dazu, molekulare Prozesse im Körper darzustellen. Um sie sichtbar zu machen, werden leicht radioaktiv markierte Spürsubstanzen, auch Tracer genannt, eingesetzt. Ein häufig genutzter Tracer ist beispielsweise FDG, eine radioaktiv angereicherte Zuckerart, die dabei hilft, Krebstumore aufzuspüren.
Probelauf für die Kameras: Testpatient Falko Mohrs auf dem Weg in die neue Anlage
"Krebszellen verbrauchen vermehrt Zucker. Aufgrund ihrer erhöhten Stoffwechselaktivität können wir Tumore mit höchster Empfindlichkeit identifizieren", so Prof. Dr. Sibylle Ziegler, Leiterin der PET-Forschung an der Klinik für Nuklearmedizin. Bei CT-Untersuchungen hingegen werden 3-D-Schnittbilder erstellt, die detailliert Knochen, Organe und Gefäße zeigen. Bei einer kombinierten PET/CT-Untersuchung werden beide Scans direkt nacheinander in derselben Geräteeinheit durchgeführt. Diese Aufnahmen werden anschließend am Rechner fusioniert. "So werden funktionelle und anatomische Informationen zusammengebracht. Tumore oder auch Entzündungen können genau lokalisiert werden", erklärt Ziegler.
Schneller und schonender
Die neue Anlage hebt diese Technik nun auf ein neues Niveau. Denn statt mit dem bisher üblichen Sichtfeld von 25 Zentimetern wartet das neue Gerät mit einem Sichtfeld von bis zu 150 Zentimetern auf. "Wir können mit einer Aufnahme dreidimensionale Bilder des menschlichen Körpers vom Scheitel bis zum Oberschenkel erstellen", sagt Ziegler. Diese Übersichten sind zum Beispiel sehr wichtig bei der Darstellung von im Körper verstreuten Metastasen eines Ursprungstumors. Bisher mussten die Fachleute der Nuklearmedizin mehrere kleinflächige Aufnahmen nacheinander anfertigen und diese dann am Rechner zu einer großen Übersicht zusammenfügen. Eine solche Aufnahme dauerte etwa 20 bis 25 Minuten. Das neue Gerät kann diese großflächigen Darstellungen schon in weniger als einer Minute liefern.
Die Aufnahmen des PET-CT zeigen viele Details: Die Bilder haben eine Auflösung von bis zu drei Millimetern. Der bisherige Standard lag laut MHH bei über vier Millimetern.
Die kürzere Zeit in der "Röhre" ist ein großer Vorteil für die Patient:innen, etwa wenn sie aufgrund von Schmerzen nicht lange in einer Position verharren können oder wenn es sich um kleine Kinder handelt, denen es schwerfällt, längere Zeit still zu liegen. Darüber hinaus profitieren die Patient:innen auch davon, dass weniger Strahlung benötigt wird, die Untersuchungen sind also schonender. Obwohl weniger Strahlung zum Einsatz komme, seien die Aufnahmen kontrastreicher und schärfer als bei herkömmlichen Geräten. Die Expertin ist vor allem davon angetan, dass die Aufnahmen viel mehr Details zeigen.
Neue Möglichkeiten für Forschung
Die Möglichkeit, molekulare Vorgänge zeitgleich im fast ganzen Körper darzustellen, bringt die bildgebende Diagnostik nach vorn. So kann jetzt möglicherweise der Erfolg einer Krebstherapie früher und besser erkannt und die Therapie genauer angepasst werden. Das Team der Klinik für Nuklearmedizin wird an dem neuen Total-Body-PET/CT deutlich mehr Patient:innen pro Tag untersuchen können. Zudem eröffnet die neue Technik auch Forschenden zahlreicher Fachrichtungen ganz neue Perspektiven, etwa wenn es darum geht, neue Tracer oder auch neue Medikamente zu entwickeln und einzusetzen.
Möglich wurde die Anschaffung des Geräts u.a. durch eine Förderung im Rahmen der Niedersachsen-Profil-Professur für Klinikleiter Bengel. Die Mittel stammen aus zukunft.niedersachsen, dem gemeinsamen Wissenschaftsförderprogramm des Landes Niedersachsen und der Stiftung. Mehr zu dem Gerät lesen Sie in der Pressemitteilung der MHH.