Die Bedeutung von Reichtumsforschung: Bilanz einer Förderinitiative
Jonas Willingstorfer für VolkswagenStiftung
Warum häuft sich immer mehr Reichtum bei wenigen Menschen an? Die Initiative "Perspektiven auf Reichtum" endet nach zwei Ausschreibungen – ihre 15 international angelegten Projekte haben mit insgesamt 38,3 Mio. Euro untersucht, wie Vermögen Politik, Gesellschaft und Ungleichheit prägt. Einige laufen noch bis 2029.
Die Förderinitiative Perspektiven auf Reichtum startete, um das Forschungsfeld der Reichtumsforschung zu stärken und neue Perspektiven auf Ungleichheit zu eröffnen. Nun wird sie nicht mehr ausgeschrieben – doch die geförderten Projekte wirken weiter.
Als wir 'Perspektiven auf Reichtum' entwickelt haben, ging es uns darum, ein Forschungsfeld gezielt zu stärken, das bislang nicht systematisch erschlossen war.
Ausgangspunkt für das Förderangebot war die wachsende globale Ungleichheit – sowohl bei Einkommen als auch bei Vermögen. Als die Initiative 2021 ins Leben gerufen wurde, besaßen Schätzungen von Oxfam zufolge die rund 2.000 reichsten Menschen der Welt mehr Vermögen als 60 Prozent der Weltbevölkerung – und die Vermögenskonzentration nimmt seitdem weiter zu. Während die wachsende Ungleichheit bisher vor allem aus der Perspektive der Armut erforscht wurde, hat das Phänomen Reichtum bislang kaum systematisch Eingang in die Wissenschaft gefunden.
Perspektivwechsel von der Armuts- auf die Reichtumsforschung
Mit der Initiative "Perspektiven auf Reichtum" zielte die VolkswagenStiftung darauf ab, diese Forschungslücke zu schließen und dabei einen Perspektivwechsel von der Armuts- auf die Reichtumsforschung anzustoßen. Die geförderten Projekte entwickeln neue konzeptionelle, methodische und empirische Zugänge zum Thema. Die Stiftung versteht Reichtumsforschung als globales, interdisziplinäres Forschungsfeld – mit dem Anspruch, belastbare Erkenntnisse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Ungleichheit zu liefern.
Gefördert wurden und werden (inter-)nationale Konsortien: Transdisziplinäre Teams und Kooperationen mit Ländern des Globalen Südens waren in den Ausschreibungen ausdrücklich erwünscht. Die meisten Forschungsprojekte laufen noch – einige bis 2029. Im Rahmen der Förderung fanden auch zwei Symposien in Schloss Herrenhausen Hannover statt: Hier konnten sich die Geförderten austauschen, nachhaltige Netzwerke aufbauen und das Feld der Reichtumsforschung gemeinsam etablieren.
Geförderte Projekte: Von Landfragen, Alltagsgesprächen und politischen Entscheidungen
Reichtumsforschung: Wirkung und Ausblick
Die Initiative wird beendet, weil ihr Ziel erreicht ist: Die Stiftung hat einen relevanten Impuls für ein neues Forschungsfeld gesetzt. Beim Symposium "Perspectives on Wealth" im April 2026 machten die Geförderten deutlich, dass die Reichtumsforschung an Dynamik gewinnt – getragen von einer wachsenden Zahl empirischer Arbeiten und internationaler Kooperationen. Jetzt kommt es darauf an, dass sich das Forschungsfeld weiter etabliert.
Das Symposium machte zugleich deutlich, dass die Reichtumsforschung weiterentwickelt werden muss – etwa durch stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit, breitere globale Perspektiven sowie einen Ausbau von Wissenschaftskommunikation und struktureller Verankerung. Vor diesem Hintergrund stellt die Stiftung zusätzliche Mittel bereit, um die laufenden Projekte dabei zu unterstützen, ihre Ergebnisse sichtbar zu machen und deren Wirkung zu reflektieren – unter anderem für innovative und kreative Formen der Wissenschaftskommunikation.