Grafik mit 2 Menschen mit Masken.
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Corona und die Wissenschaften

#Corona

Mehr als 200 Forschende tauschten sich in Hannover über ihre pandemiebezogenen Projekte aus. Das Fazit der stiftungsgeförderten Wissenschaftler:innen: Für künftige Herausforderungen sind mehr Interdisziplinarität, bessere Vernetzung und flexible Förderung unabdingbar.

Mit ihrem im Mai 2020 aufgelegten Programm "Corona Crisis and Beyond" reagierte die Stiftung auf die Vielzahl der Fragen, die die Covid-19-Pandemie auch für die Wissenschaft aufwarf.  Sie stellte kurzfristig und unbürokratisch Fördermittel für innovative Projekte in allen Disziplinen zur Verfügung: Als Small Grants konnten bis zu 120.000 Euro für max. 18 Monate beantragt werden. Von 1.107 eingereichten Anträgen wurden 102 im Dezember 2020 bewilligt; dazu kamen 42 Corona-Zusatzmodule zur Bearbeitung entsprechender Themen in bereits geförderten Forschungsvorhaben. Insgesamt gingen 16,3 Mio. Euro an die Wissenschaftler:innen. Nun, Anfang Dezember 2022, trafen sich über 200 Forschende in Hannover zur Präsentation ihrer Projekte, zum Netzwerken und zum Austausch darüber, wie die Wissenschaften künftig aufgestellt sein müssen, um für ähnlich umfassende Herausforderungen und Krisen gewappnet zu sein.

"Perspectives for Science, Scholarship and Society" lautetet der Untertitel des Förderprogramms, und in dem entsprechend breiten Fächerspektrum der Projekte waren auch die Sozialwissenschaften gut vertreten. Die pandemiebedingten Veränderungen des sozialen Geschehens boten die Möglichkeit, neue Daten zu erheben und Fragestellungen neu anzugehen: Wie verändert sich die Sphäre der Arbeit, wie die Einstellung zum Erwerbsleben? Wie haben Familien die Krise erlebt und welche Bewältigungsstrategien sind möglich und wirksam? Welcher Wert wird persönlichen Begegnungen beigemessen und wie wirkt sich social distancing aus?

2 Personen stehen stehen vor einer Wand mit Post-its.

Hanna Denecke (rechts) und Pavel Dutow betreuen die Förderinitiative aufseiten der Stiftung.

Die juristische Perspektive war u.a. mit einem Projekt zur beobachteten Neubewertung des "zulässigen Risikos“ vertreten; die Rolle des urbanen Nahverkehrs in Südafrika für die Ausbreitung der Epidemie war ebenso ein Thema wie die Entwicklung einfach zu handhabender und kostengünstiger Covid-19-Diagnoseverfahren für den Globalen Süden.

Wie wappnen für zukünftige Krisen?

Dass das von der Stiftung veranstaltete Forum "Corona Crisis and Beyond" ihnen in zweieinhalb Tagen in komprimierten Vorträgen Einblicke in zahlreiche andere Gebiete, Fragestellungen und Methoden bot, wurde von vielen Teilnehmenden als sehr gewinnbringend bezeichnet. So wurde auch die Möglichkeit rege genutzt, in den Pausen und an den Posterpräsentationen in direkten Austausch miteinander zu kommen.

Danach befragt, was sie für wichtig halten, damit die Wissenschaft auf ähnliche Krisen wie die Pandemie besser reagieren kann, nannten die Forschenden vielfach "interdisziplinärer Austausch", "Akzeptanz für andere Disziplinen" und "Veränderungen im System zugunsten inter- und transdisziplinärer Forschung". Auch eine bessere Vernetzung untereinander und flexible Förderer und Förderinstrumente stehen auf der "Wunschliste".

Die Stiftung geht davon aus, dass die Erkenntnisse aus den geförderten Projekte nicht nur zur Bewältigung der aktuellen Krise beitragen, sondern zumindest teilweise Impulse geben können, um auch mittel- bis langfristig gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen.

So ermöglichen etwa die in großen Mengen erhobenen Forschungsdaten die (weitere) Bearbeitung konkreter Fragestellungen. Die Stiftung selbst plant vom 21. bis 23. Juni 2023 im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen die Konferenz "Climate Related Systemic Risks: Lessons Learned from Covid-19". Hier soll tiefergehend darüber diskutiert werden, ob das durch die Corona-Pandemie gewonnene Bewusstsein auf die systemischen Risiken im Zusammenhang des Klimawandels übertragbar ist.

Drei Personen diskutieren vor einem Poster.

Die Pausen und Posterpräsentationen wurden für regen Austausch untereinander genutzt.