Pressemitteilung

Forschungsförderung zu "Dual Use" geistes- und sozialwissenschaftlicher Ideen

In einer neuen Ausschreibung der VolkswagenStiftung steht die Frage im Fokus, wie geistes- und sozialwissenschaftliche Konzepte außerhalb ihres ursprünglichen Kontexts umgedeutet und für politische oder ideologische Strategien nutzbar gemacht werden – etwa um das Vertrauen in Wissenschaft, Medien oder andere Institutionen demokratischer Öffentlichkeit zu untergraben. Die Stiftung fördert Projektteams, die untersuchen, wie dieser Transfer von Ideen aus der Wissenschaft in politische und ideologische Kontexte funktioniert. Stichtag für Anträge: 6. Oktober 2026.

Geistes- und sozialwissenschaftliche Konzepte wirken oft weit über die Wissenschaft hinaus. Doch was geschieht, wenn Theorien und Denkfiguren aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und für neue, nicht intendierte Zwecke eingesetzt werden? In den Natur- und Technikwissenschaften ist der Begriff "Dual Use" etabliert. Mit der Ausschreibung "NEXT – "Dual Use" von Ideen und Konzepten aus den Geistes- und Sozialwissenschaften" ermöglicht die Stiftung nun Wissenschaftler:innen, dieses Konzept auf geistes- und sozialwissenschaftliche Ideen zu übertragen. Im Fokus stehen Fälle, in denen Konzepte aus ihrem Kontext gelöst, zugespitzt und für antiliberale, antiwissenschaftliche und antidemokratische Zwecke eingesetzt werden. Ein Beispiel: Die erkenntniskritische Einsicht, dass Wissen auch sozial konstruiert ist, wird zur pauschalen Behauptung "Alles ist nur Meinung" verkürzt. So entsteht der Eindruck, wissenschaftliche Ergebnisse seien beliebig – und Wissenschaft und Medien ließen sich somit insgesamt als unglaubwürdig abtun.

Im Rahmen der neuen Ausschreibung fördert die Stiftung in drei Dimensionen:

  • Explorative Grundlagenforschung, die sichtbar macht, wo und unter welchen Bedingungen solche Umnutzungen vorkommen und welchen Mechanismen sie folgen.
  • Sie schafft Raum für wissenschaftsphilosophische Reflexion darüber, wie Theoriebildung ihre möglichen Wirkungen außerhalb der Wissenschaft mitdenken kann, ohne die Freiheit von Forschung und Lehre einzuschränken.
  • Und sie erwartet Impulse für eine Wissenschaftskommunikation, die komplexe Konzepte verständlich vermittelt, ohne sie unzulässig zu verkürzen.

Die neue Ausschreibung ist Teil des NEXT-Förderangebots, mit dem die Stiftung neue, zukunftsrelevante Themen erschließt.

Dr. Pierre Schwidlinski, Förderreferent der VolkswagenStiftung: "Wenn zentrale Gedanken der Geistes- und Sozialwissenschaften entkontextualisiert und für ideologische Zwecke eingesetzt werden, trifft das Wissenschaft und Demokratie gleichermaßen. Mit unserer neuen Ausschreibung schaffen wir Raum für risikobereite Forschung, die diese Mechanismen sichtbar macht, und Wege aufzeigt, wie wir verantwortungsvoll über komplexe Ideen sprechen können."

In der Ausschreibung  fördert die Stiftung Kooperationsprojekte bis zu zwei Jahre mit bis zu 650.000 Euro. Antragsberechtigt sind Projektteams aus promovierten Forschenden an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen; internationale Kooperationen sind möglich.

Für vertiefte Informationen bietet die Stiftung Online-Sprechstunden am 11. August 2026 und am 8. September 2026 an. Stichtag für Anträge ist der 6. Oktober 2026.

Weitere Informationen zur Ausschreibung sowie den Details und Anmeldemodalitäten zu den Online-Sprechstunden.

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