KI effizienter trainieren: Weniger Kosten, weniger CO₂
Das Training leistungsstarker KI kostet viel Zeit, Geld und Energie – und treibt den CO₂-Fußabdruck nach oben. Prof. Potschka will deshalb neue Trainingsmethoden entwickeln, die versteckte, höherdimensionale Strukturen in neuronalen Netzen nutzen. Diese Strukturen werden erst sichtbar, wenn man das Trainingsproblem mathematisch in einen größeren Raum "anhebt". Das soll Berechnungen einfacher und effizienter machen. Der Forscher entwickelt und testet die Verfahren und will sie in die Anwendung bringen. Software, Einstellungen und Ergebnisse veröffentlicht er frei, damit andere sie prüfen und weiterentwickeln können.
Projekt: Training algorithms with Lifted High-Rank Updates (LiftHighUp) (Prof. Dr. Andreas Potschka, Technische Universität Clausthal, rd. 940.000 Euro)
Magnetismus unter dem Mikroskop: Mit Diamant-Quantensensoren messen
Fast alle Materialien sind schwach magnetisch. Doch bisher lässt sich diese schwache Magnetisierung nicht mit Mikro- oder Nanometer-Auflösung sichtbar machen. Prof. Reinhard will dafür ein neues Messgerät entwickeln. Es soll Quantensensoren aus Diamant nutzen, die Magnetfelder sehr empfindlich erfassen – auch wenn starke Hintergrundfelder stören. Mit dem Gerät will er Fragen der Festkörperphysik untersuchen, etwa Alterungsprozesse in Lithium-Batterien, Defekte in Legierungen und Phasenübergänge in Hochtemperatur-Supraleitern.
Projekt: Ein Mikroskop für magnetische Suszeptibilität (Prof. Dr. Friedemann Reinhard, Universität Rostock, rd. 940.000 Euro)
Naturkulturelle Geschichte: Was die Frühe Neuzeit fürs Anthropozän lehrt
In der Umweltgeschichte wird diskutiert, ob Geschichtsschreibung zu stark nur den Menschen in den Mittelpunkt stellt – gerade im Zeitalter des Anthropozäns. Prof. Schmidt-Funke will dazu eine vorindustrielle Perspektive einbringen und ihren Lehrstuhl als Zentrum für "naturkulturelle" Geschichte profilieren. Sie will zeigen, wie in der Frühen Neuzeit Gegensätze zugleich existierten, etwa Ausbeutung und Schonung von Ressourcen oder Naturbeherrschung und Naturverehrung. Sie verbindet dafür mehrere historische Ansätze und bringt die Ergebnisse mit der Leipziger Lehrerbildung auch in Schulen.
Projekt: Towards a natural-cultural history of the early modern period (Prof. Dr. Julia A. Schmidt-Funke, Universität Leipzig, rd. 940.000 Euro)
Immunität und Geschlecht: Neue Tiermodelle für bessere Medizin
Immunsysteme unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern – und damit oft auch Krankheitsverläufe und Therapien. Diese Zusammenhänge sind aber noch wenig erforscht, besonders mit Blick auf weibliche und nicht-binäre Personen. Prof. Roth will dafür neue Tier-Modelle erschließen. Sie untersucht Arten mit ungewöhnlicher Fortpflanzung, etwa Seenadeln und Seepferdchen, bei denen Männchen "schwanger" sind, oder Fische mit Geschlechtswechsel. In ihrem Vorhaben will sie Arten finden, die sich gut experimentell nutzen lassen, und sie als neue Modellsysteme etablieren. Damit will sie besser verstehen, wie sich Immunsystem und Fortpflanzung gemeinsam entwickeln – und so langfristig zu inklusiverer Medizin beitragen.
Projekt: New model systems to unravel the coevolution of reproductive strategy & immunity (Prof. Dr. Olivia Roth, Universität Kiel, rd. 950.000 Euro)
Weitere Informationen zur "Momentum – Förderung für Erstberufene" der VolkswagenStiftung.