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Momentum: 11,3 Mio. Euro für frische Ideen in der Professur

Frau mit Laptop in einem Heißluftballon, der durch Ventilatoren zusätzlichen Auftrieb erhält

Mit der "Momentum"-Förderung schafft die Stiftung Raum für neue Ideen in der Professur. Sie unterstützt darin Konzepte, mit denen Professor:innen Forschung und Lehre weiterentwickeln und neue Schwerpunkte setzen können. Aktuelle Projekte befassen sich u. a. mit Kunststoffen, die sich selbst abbauen sollen, KI-gestütztem Lernen in der Schule und der Frage, wie Behörden in Krisen handlungsfähig bleiben.

Im Wissenschaftsalltag ist selten Zeit, einmal anzuhalten und die eigene Professur strategisch neu auszurichten. Genau hier setzt "Momentum – Förderung für Erstberufene" an: Das Programm richtet sich an Universitätsprofessor:innen drei bis fünf Jahre nach Antritt ihrer ersten Lebenszeitprofessur und ist fachlich offen.

Wichtig: "Momentum" finanziert keine einzelnen Forschungsprojekte, sondern die Weiterentwicklung einer Professur insgesamt. Möglich sind je nach Vorhaben zum Beispiel zusätzliche Ausstattung, Unterstützung durch Postdocs oder studentische Hilfskräfte, Auslandsaufenthalte, neue Lehrformate oder Wissenschaftskommunikation.

"Wir wollen Professorinnen und Professoren genau in dem Moment stärken, in dem sie ihre Professur wirklich prägen können – mit Zeit, Ressourcen und dem Rückenwind, auch Risiken einzugehen", sagt Dr. Selahattin Danisman, Förderreferent der VolkswagenStiftung. "Uns überzeugt besonders, wenn jemand den Mut hat, die eigene Arbeit neu zu denken und damit dem eigenen Feld einen spürbaren Impuls zu geben."

In dieser Runde von "Momentum" hat die Stiftung rund 11,3 Mio. Euro für 12 neue Projekte bewilligt:

Mikroplastik stoppen: Kunststoff, der sich selbst abbaut

Kunststoffe sind überall – und sie sind ein Problem: Sie werden kaum biologisch abgebaut, sondern zerfallen oft zu Mikroplastik, das in der Umwelt bleibt. Professorin Wegner will deshalb ein neues Kunststoffmaterial entwickeln, in dem plastikabbauende Enzyme in winzigen "Kapseln" stecken. Solange der Kunststoff intakt ist, bleiben die Enzyme eingeschlossen und inaktiv. Erst wenn der Kunststoff zu Mikroplastik zerfällt und mit Wasser in Kontakt kommt, öffnen sich die Kapseln: Die Enzyme werden aktiv und bauen das Plastik ab.

Projekt: Enzyme-Embedded Synthetic Cells enabling Environmental Self-Degradation of Microplastics (Prof. Dr. Seraphine Wegner, Universität Münster, rd. 940.000 Euro)

"Momentum"-Förderung

"Momentum" bedeutet der entscheidende Augenblick bzw. ist die englische Bezeichnung der physikalischen Größe für Impuls. In diesem Sinn sind mit dieser Initiative Wissenschaftler:innen in einer frühen Phase nach Antritt ihrer ersten Lebenszeitprofessur adressiert. Ziel ist es, ihnen in dieser Karrierephase Möglichkeiten zur inhaltlichen und strategischen Weiterentwicklung ihrer Professur zu eröffnen.
Nächste Stichtage: 14. April 2026 und 6. April 2027

Zur Förderinitative

KI im Klassenzimmer: Lernen, das sich an jedes Kind anpasst

Heterogene Schulklassen werden für Lehrer:innen zu einer wachsenden Herausforderung. Immer häufiger entscheidet die sprachliche, kulturelle und sozialökonomische Herkunft der Schüler:innen über Lernerfolge. Unterrichtskonzepte müssen sich idealerweise deutlich mehr als bisher auf individuelle Bedürfnisse einstellen. KI, vor allem große Sprachmodelle, gilt als Chance für passgenaues Lernen – doch ihr Einsatz im Unterricht ist noch wenig erforscht. Professor Lachner verbindet Bildungsforschung mit KI, Data Science und maschinellem Lernen. Mit Partner:innen aus dem In- und Ausland sowie mit Lehrkräften, Schüler:innen und dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung in Baden-Württemberg wird er neue Lernsysteme entwickeln und im Alltag testen.

Projekt: MATE: Machine Learning for Adaptive Teaching (Prof. Dr. Andreas Lachner, Universität Tübingen, rd. 950.000 Euro)

Wearables, die mitlernen: Medizinische Hilfe in Echtzeit

Medizinische Wearables sind tragbare Geräte wie Sensor-Armbänder oder Pflaster, die laufend Körperwerte messen – aber auch nicht mehr können als Datensammeln. Um den medizinischen Nutzen von Wearables zu steigern, will Professor Karlen sie interaktiv gestalten: Wearables geben gezielte Reize, messen die Reaktion und passen Programme an, um den Nutzenden individuelle medizinische Hilfestellung zu geben. Dafür nutzt Karlen die Methode des verstärkenden Lernens: Das System lernt durch Feedback dauernd dazu und optimiert sich selbst. Karlen startet mit der Entwicklung von Wearables, die mit Tönen den Schlaf beeinflussen – hier entstehen jede Nacht sehr viele Momente, in denen das System dazulernen kann. Ergebnisse seiner Forschung könnten personalisierte Systeme und neue Einblicke in Körperprozesse sein.

Projekt: Rethinking Medical Wearables (Prof. Dr. Walter Karlen, Universität Ulm, rd. 940.000 Euro)

Behörden in der Krise: Mit Simulationen besser entscheiden

Verwaltung und Verwaltungsrecht setzen meist auf Kontrolle, Planbarkeit und Rechtssicherheit. Doch Krisen wie die Corona-Pandemie oder Auswirkungen des Klimawandels, aber auch der hochdynamische technologische Wandel stellen Behörden vor neue Herausforderungen: Sie müssen schneller reagieren und handlungsfähig bleiben, ohne verlässliche Erfahrungswerte und Daten. Wie Computersimulationen und Modelle dazu beitragen können, die Handlungsfähigkeit von Behörden in Krisenlagen sicherzustellen, wird Professor Wischmeyer erforschen. Dafür arbeitet er eng mit der Verwaltungspraxis zusammen. Am Ende des Projekts will er Leitlinien bereitstellen, damit Behörden vorausschauend, flexibel und anpassungsfähig handeln können.

Projekt: Simulating Bureaucracy? The Uncertain Future of the Administrative State (Prof. Dr. Thomas Wischmeyer, Humboldt-Universität zu Berlin, rd. 940.000 Euro)

Portrait eines Mannes, dahinter Illustration mit Mikrofon

Raum für Weiterentwicklung: Momentum-Förderung für Erstberufene

Die Initiative "Momentum - Förderung für Erstberufene" bietet Wissenschaftler:innen in einer frühen Phase nach Antritt ihrer ersten Lebenszeitprofessur die Chance, ihre Professur inhaltlich und strategisch weiterzuentwickeln. Im Gespräch erläutert Selahattin Danisman, Referent in der Förderabteilung, worauf es bei "Momentum" ankommt. Nächste Stichtage: 14. April 2026 und 6. April 2027

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Zellen nachgebaut: Ein Gel zeigt, wie sie Kräfte verarbeiten

Zellen halten Druck und Zug aus und reagieren darauf. Doch das lässt sich nur begrenzt untersuchen, weil Zellen bei starken Eingriffen schnell geschädigt werden. Der Biophysik-Professor Betz will deshalb das Innere einer Zelle vereinfacht nachbauen: Er kombiniert winzige Teilchen und Kunststoffe zu einem Gel, das dem Zellplasma ähnelt. Dann erzeugt er gezielt Kräfte wie in lebenden Zellen, um zu prüfen, ob seine Modelle stimmen und wie Zellen Belastung verarbeiten. Dafür arbeitet er eng mit dem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation zusammen.

Projekt: From Cells to Smart Gels: A Momentum in Motion (Prof. Dr. Timo Betz, Universität Göttingen, rd. 950.000 Euro)

Dialekte sichtbar machen: Sprachvielfalt erhalten

Dialekte werden weltweit von einheitlicheren Regionalsprachen verdrängt. Auch KI-Systeme orientieren sich meist an Standardsprache und blenden Dialekte ind regionale Sprachunterschiede aus. Prof. Bouzouita will das ändern. Sie nutzt Online-Mitmachprojekte, um Sprachdaten großflächig zu sammeln, und baut ihre Arbeit zur "Computerdialektologie" aus. Dafür verbindet sie Dialekt- und Sozialforschung mit computergestützten Methoden und verankert diese auch in der Lehre. So will sie Sprachunterschiede etwa nach Region oder Geschlecht besser erfassen – und dazu beitragen, dass sprachliche Vielfalt sichtbar bleibt.

Projekt: Every Voice Matters: Scaling Dialectology with Computational Methods (Prof. Dr. Miriam Bouzouita, Humboldt-Universität zu Berlin, rd. 940.000 Euro)

Molekülmaschinen vernetzen: Programmier- und verformbare Materialien

Prof. Dube entwickelt winzige "Molekülmaschinen", die sich etwa durch Licht verändern und so Reaktionen auslösen oder Bewegungen erzeugen. Bisher arbeiten diese Bauteile meist isoliert voneinander. In seinem Vorhaben will der Forscher mehrere solcher Maschinen kombinieren und daraus neue, anpassungsfähige und recycelbare Materialien bauen. Sie sollen ihre Form ändern, Aufgaben übernehmen und sogar einfache Informationen verarbeiten. Erste Ziele sind flexible, lichtschaltbare Anzeigen sowie Materialien, die sich selbst bewegen und verformen. Langfristig könnten daraus Anwendungen für Sensoren und Robotik entstehen.

Projekt: From Molecular Machines to Precision Programmable Materials (Prof. Dr. Henry Dube, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, rd. 940.000 Euro)

Magnetismus in 3D: Skyrmionen verstehen, neue Magnete entwickeln

Prof. Everschor-Sitte erforscht Skyrmionen, winzige stabile Wirbel im Magnetfeld. In ihrem Vorhaben will sie in ihrer Forschung den Schritt zum 3D-Magnetismus machen und helfen, neue 3D-Bilder von Magnetfeldern besser zu verstehen. Sie will dazu Modelle und Algorithmen entwickeln, um Experimente mit dreidimensionalen Magneten auszuwerten. Außerdem baut sie mit Unterstützung eines Virtual-reality-Developers eine 3D-Plattform, um Magnetfelder anschaulich zu visualisieren und zu "bewegen". Langfristig soll das neue, ressourcenschonende Magnete ermöglichen.

Projekt: Next-Generation Magnets – the Future is 3D! (Prof. Dr. Karin Everschor-Sitte, Universität Duisburg-Essen, rd. 950.000 Euro)

Frau mit Laptop in einem Heißluftballon, der durch Ventilatoren zusätzlichen Auftrieb erhält

9,7 Mio. für mutige Forschung mit "Momentum"

Mit der Förderinitiative "Momentum – Förderung für Erstberufene" unterstützt die VolkswagenStiftung Professor:innen in den ersten Jahren nach ihrer Berufung. Ziel ist es, ihnen Zeit und Mittel zu geben, um ihre Forschung weiterzuentwickeln oder sich mit neuen Themen zu beschäftigen.

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KI effizienter trainieren: Weniger Kosten, weniger CO₂

Das Training leistungsstarker KI kostet viel Zeit, Geld und Energie – und treibt den CO₂-Fußabdruck nach oben. Prof. Potschka will deshalb neue Trainingsmethoden entwickeln, die versteckte, höherdimensionale Strukturen in neuronalen Netzen nutzen. Diese Strukturen werden erst sichtbar, wenn man das Trainingsproblem mathematisch in einen größeren Raum "anhebt". Das soll Berechnungen einfacher und effizienter machen. Der Forscher entwickelt und testet die Verfahren und will sie in die Anwendung bringen. Software, Einstellungen und Ergebnisse veröffentlicht er frei, damit andere sie prüfen und weiterentwickeln können.

Projekt: Training algorithms with Lifted High-Rank Updates (LiftHighUp) (Prof. Dr. Andreas Potschka, Technische Universität Clausthal, rd. 940.000 Euro)

Magnetismus unter dem Mikroskop: Mit Diamant-Quantensensoren messen

Fast alle Materialien sind schwach magnetisch. Doch bisher lässt sich diese schwache Magnetisierung nicht mit Mikro- oder Nanometer-Auflösung sichtbar machen. Prof. Reinhard will dafür ein neues Messgerät entwickeln. Es soll Quantensensoren aus Diamant nutzen, die Magnetfelder sehr empfindlich erfassen – auch wenn starke Hintergrundfelder stören. Mit dem Gerät will er Fragen der Festkörperphysik untersuchen, etwa Alterungsprozesse in Lithium-Batterien, Defekte in Legierungen und Phasenübergänge in Hochtemperatur-Supraleitern.

Projekt: Ein Mikroskop für magnetische Suszeptibilität (Prof. Dr. Friedemann Reinhard, Universität Rostock, rd. 940.000 Euro)

Naturkulturelle Geschichte: Was die Frühe Neuzeit fürs Anthropozän lehrt

In der Umweltgeschichte wird diskutiert, ob Geschichtsschreibung zu stark nur den Menschen in den Mittelpunkt stellt – gerade im Zeitalter des Anthropozäns. Prof. Schmidt-Funke will dazu eine vorindustrielle Perspektive einbringen und ihren Lehrstuhl als Zentrum für "naturkulturelle" Geschichte profilieren. Sie will zeigen, wie in der Frühen Neuzeit Gegensätze zugleich existierten, etwa Ausbeutung und Schonung von Ressourcen oder Naturbeherrschung und Naturverehrung. Sie verbindet dafür mehrere historische Ansätze und bringt die Ergebnisse mit der Leipziger Lehrerbildung auch in Schulen.

Projekt: Towards a natural-cultural history of the early modern period (Prof. Dr. Julia A. Schmidt-Funke, Universität Leipzig, rd. 940.000 Euro)

Immunität und Geschlecht: Neue Tiermodelle für bessere Medizin

Immunsysteme unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern – und damit oft auch Krankheitsverläufe und Therapien. Diese Zusammenhänge sind aber noch wenig erforscht, besonders mit Blick auf weibliche und nicht-binäre Personen. Prof. Roth will dafür neue Tier-Modelle erschließen. Sie untersucht Arten mit ungewöhnlicher Fortpflanzung, etwa Seenadeln und Seepferdchen, bei denen Männchen "schwanger" sind, oder Fische mit Geschlechtswechsel. In ihrem Vorhaben will sie Arten finden, die sich gut experimentell nutzen lassen, und sie als neue Modellsysteme etablieren. Damit will sie besser verstehen, wie sich Immunsystem und Fortpflanzung gemeinsam entwickeln – und so langfristig zu inklusiverer Medizin beitragen.

Projekt: New model systems to unravel the coevolution of reproductive strategy & immunity (Prof. Dr. Olivia Roth, Universität Kiel, rd. 950.000 Euro)

Weitere Informationen zur "Momentum – Förderung für Erstberufene" der VolkswagenStiftung.

Frau mit Laptop in der Hand steht im Heißluftballon

Momentum: Zeit für Veränderung

Die eigene Professur inhaltlich und strategisch weiterentwickeln, diese Möglichkeit erhalten dreizehn Professor:innen in den kommenden vier Jahren im Rahmen der Momentum-Förderung. Wie themenoffen das Angebot ist, zeigen ausgewählte Ideen der Geförderten.

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