Die künstlerische Widmung im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Beginn: Uhr
Ende: Uhr
Schloss Herrenhausen
Fachpublikum

Unter dem Titel "Zwischen Eigennutz, Inszenierung und Bekenntnis: Die künstlerische Widmung im 19. und frühen 20. Jahrhundert" veranstalten das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck und das Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena am 3. und 4. September 2018 ein interdisziplinäres Symposium im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen.

Brahms egh. Musikms. m. U., Okt. 1855, später: Sieben Lieder für eine Singstimme mit Klavier op. 48.2; Widmung: An Fräulein Rosalie Leser / zu freundlichem Gedenken / beim Abschied im Oktober 1855. © Brahms Institut an der Musikhochschule Lübeck
Brahms egh. Musikms. m. U., Okt. 1855, später: Sieben Lieder für eine Singstimme mit Klavier op. 48.2; Widmung: An Fräulein Rosalie Leser / zu freundlichem Gedenken / beim Abschied im Oktober 1855. © Brahms Institut an der Musikhochschule Lübeck

Die gedruckte Widmung eines künstlerischen Werks ist weit mehr als eine private Austausch- und Geschenkhandlung zwischen zwei Individuen. Dem Phänomen der Widmung kommt im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle im Rahmen künstlerischer Netzwerke und Identitätsbildungen zu: Sie bildet eine Schnittstelle von Kunstwerk und Welt, sie kann als ästhetisches oder politisches Bekenntnis gelesen werden und sie provoziert Reaktion und Reflexion. Im Komplex von Autor, Verleger, Öffentlichkeit, Widmungsadressat und Kunstwerk, im sozialen Handeln der am Widmungsakt beteiligten Personen bietet die Widmung intertextuell und intermedial zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten und Ansätze für die Forschung. "Wer etwas mitteilt", so der Soziologe Steffen Albrecht, ,"setzt Kommunikation in die Welt, die sich im weiteren Verlauf seiner Kontrolle entzieht."

Angewendet auf das Phänomen der öffentlichen Widmung als paratextuellem Werkzugriff ergeben sich aus dieser Erkenntnis weitreichende Konsequenzen: Die gedruckte Dedikation, im Unterschied zur handschriftlichen Zueignung, stellt sich als Teil eines komplexen kommunikativen Akts dar, der weit über die Instanzen des Widmenden und des Adressaten hinausreicht. Da jede Dedikation den Adressaten in den Augen der Rezipienten unmittelbar und unwiderruflich in ein enges Verhältnis mit dem ihm gewidmeten Werk setzt, muss die Öffentlichkeit immer als dritte Konstante des Widmungsprozesses mitgedacht werden. Sie ist es, die den Dedikationsprozess komplettiert, indem sie überhaupt erst die Zueignung erkennt, die Relevanz für Widmer und Adressat abschätzt und im Rahmen ihrer Rezeptionsmedien (qualitativ) interpretiert. Somit gilt es, nicht nur nach künstlerischen Kriterien zu suchen, sondern auch um die Berücksichtigung des öffentlichen Rezeptionsdiskurses: Der Widmungsakt wird damit zugleich als ein meinungsbildender Prozess medialer Kategorisierung beschrieben.  

In der ersten Sektion des Symposiums wird die Widmung als soziales Handeln im Zentrum stehen und damit auch die Themen Künstler-Netzwerke und die Ökonomie des Schenkens. Zur interdisziplinären Vertiefung werden in der zweiten Sektion Widmungen aus dem Forschungsfeld der Buch- und der Musikwissenschaft analysiert. Dies soll zugleich der Diskussion aktueller Grundlagenstudien zur Intertextualität des Widmungsphänomens (u.a. zu Brahms) dienen.

Zudem sollen die Widmungen unter zwei unterschiedlichen Aspekte fokussiert werden: hinsichtlich der künstlerisch-kulturellen Kreise und Strömungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie in bürgerlicher Kultur und medialer Öffentlichkeit (dritte Sektion).

Im letzten Teil der Tagung wird eine Auswahl an Fallbeispielen aus Literatur, Kunst und Musik vorgestellt und diskutiert, die das Widmungsphänomen in seiner ganzen Vielseitigkeit spiegeln, erste Ergebnisse aus neuen Forschungsprojekten (zu Mendelssohn) präsentieren und die damit verbundenen Methoden und Kontexte greifbar werden lassen.

Symposium "Zwischen Eigennutz, Inszenierung und Bekenntnis: Die künstlerische Widmung im 19. und frühen 20. Jahrhundert"
3.-4. September 2018
Tagungszentrum Schloss Herrenhausen, Hannover

Programm

Das aktuelle Programm steht unter "Downloads" in der rechten Spalte bereit.

Sektion I: Die Widmung als soziales Handeln: Künstler-Netzwerke und die Ökonomie des Schenkens

Sektion II: Eine neue Gesellschaft: Widmungen in bürgerlicher Kultur und medialer Öffentlichkeit

Sektion III: Widmungen in den kulturellen Kreisen und Strömungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Sektion IV: Text, Paratextualität, Intertextualität: Fallbeispiele aus Literatur, Kunst und Musik

Konzeption des Symposiums

Konzipiert wurde das Symposium von Prof. Dr. Wolfgang Sandberger, Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck, und Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt, Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar.

Anmeldung

Wenn Sie an der Tagung teilnehmen möchten, registrieren Sie sich bitte über den Link "Zur Anmeldung" in der rechten Randspalte. Die Teilnahme ist kostenlos.

Veranstaltungsort

Die Veranstaltungen der VolkswagenStiftung finden im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen, Herrenhäuser Straße 5, 30419 Hannover, statt. Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Üstra-Linien 4 und 5, Haltestelle "Herrenhäuser Gärten".