Welche Museen für welche Gesellschaft? 10 Jahre Forschung in Museen

Datum

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Förderung, Politik und natürlich den Museen selbst haben bei der Abschlusskonferenz der Förderinitiative "Forschung in Museen" die wechselseitige Beziehung zwischen Museen und der Gesellschaft thematisiert. Sie fand vom 18. bis 20. März 2019 in Hannover statt.

Die Kunsthistorikerin Doris Noell-Wumpeltes und ihr Kollege Torsten Kappenberg in der Sammlung Museum Prinzhorn in Heidelberg. (Foto: Felix Schmitt für VolkswagenStiftung)
Die Kunsthistorikerin Doris Noell-Wumpeltes und ihr Kollege Torsten Kappenberg in der Sammlung Museum Prinzhorn in Heidelberg. (Foto: Felix Schmitt für VolkswagenStiftung)

Die VolkswagenStiftung blickt auf eine Dekade der Förderung der sammlungsbezogenen "Forschung in Museen" zurück. In dieser Zeit hat sie um die 125 Projekte, insbesondere Kooperationen zwischen mittleren und kleinen Museen mit Universitäten, gefördert. Auf der dreitägigen Konferenz haben einige der bewilligten Projekte ihre Arbeit und Ergebnisse vorgestellt. Darüber hinaus hat sich der Blick gerichtet auf die gesellschaftliche Situation, in der Museen sich bewegen und die sich gerade in den letzten zehn Jahren massiv verändert hat.

10 Jahre – 10 Thesen

Nach 10 Jahren der Förderung in "Forschung in Museen" hat die Stiftung zum Einen VolkswagenStiftung Bilanz gezogen und 10 Thesen formuliert, die sich als Handlungsempfehlungen gleichermaßen an Museen und Hochschulen, an Kommunen und die Politik richten, und in einer Broschüre zusammengefasst. Darin fordert sie beispielsweise von Museumsleitungen, Entscheidungsträgerinnen und -trägern an Universitäten sowie von politisch Verantwortlichen, den wissenschaftlichen Charakter der Institution Museum zu erhalten und sie finanziell, personell und ideell zu stärken.

Provenienzforschung als aktuelles Thema

 Figur "Looking for Grace"
Mit der Figur "Looking for Grace" nimmt die nigerianische Künstlerin Sokari Douglas Camp Bezug auf die Zeit der deutschen Fremdherrschaft in Namibia und den Genozid an den Herero. (Foto: Übersee-Museum Bremen, Foto: Matthias Haase)

Einer der Vortragenden auf der Abschlusskonferenz war Christian Jarling, M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Übersee-Museum Bremen. Jarling hat am Forschungsprojekt "Museumssammlungen im Spannungsfeld der sich etablierenden kolonialen Situation" mitgearbeitet. In diesem Projekt wurden die Afrika-Sammlungen des Übersee-Museums Bremen aus den ehemaligen deutschen Kolonien beforscht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Übersee-Museums Bremen und der Universität Hamburg forschen darin gemeinsam an Herkunft und Legitimität von Afrika-Exponaten. Dabei spielen die Analyse der Sammlungen, Sammlerbiografien und Recherchen in ehemaligen deutschen Kolonien eine entscheidende Rolle. Was diese spezielle Rolle ausmacht und welche wichtigen Aspekte es bei der Provenienzforschung, besonders auch in diesem Projekt, zu beachten gilt, lesen Sie in dem Beitrag "Sammlungsgeschichte gehört erschlossen".

Wissenschaftskommunikation wichtiger denn je

Illustration Europasaurus
In der Graphic Novel wird Europasaurus in seiner natürlichen Umwelt und vor allem in Koexistenz mit anderen Tiere aus dem Jura wissenschaftlich korrekt dargestellt. (Europasaurus Illustration: Joschua Knüppe/Dr. Oliver Wings)

Wissenschaftskommunikation ist besonders für Museen ein wichtiges Thema. Wie lassen sich Besucher anlocken? Wie lassen sich komplexe historische und wissenschaftliche Zusammenhänge möglichst anschaulich präsentierten und vermitteln? Ein Saurier-Forschungsprojekt, das die Stiftung gefördert hat, findet seinen Abschluss in einem ungewöhnlichen Vermittlungsansatz. Eine Graphic Novel soll wissenschaftlich korrekt die Fantasie bei der Vorstellung eines 154 Millionen Jahre alten Ökosystems anregen. Einen Beitrag über die Hintergründe und Herausforderungen von Konzeption und Umsetzung des außergewöhnlichen Projekts lesen Sie hier: "Europasaurus als Graphic Novel: Wissenschaft mal anders"Darüber hinaus ist der Beitrag Bestandteil unseres Themenschwerpunkts "Wissenschaft und Gesellschaft".