Bribery, Fraud, Cheating – How to Explain and to Avoid Organizational Wrongdoing?

Datum

Vom 5. bis 7. Oktober diskutierten Kriminolog(inn)en, Soziolog(inn)en, Politiker(innen), Journalist(inn)en und NGO-Vertreter(innen) aus aller Welt in Hannover über Korruption, Skandale und die Frage, wie sich institutionalisierte und organisierte Kriminalität besser eindämmen lassen. Der Veranstaltungsbericht fasst die wichtigsten Aussagen zusammen und enthält Links zu Videomitschnitten einzelner Vorträge.

Today, society gains knowledge about corruption and manipulation cases more and more frequently. Scientists will discuss bribery, fraud, and cheating in Hanover, Germany. (Photo: Feng Yu - Fotolia.com)
Heute erfahren wir immer öfter von Korruption und Manipulationen. (Photo: Feng Yu - Fotolia.com)

Herrenhäuser Symposium "Bribery, Fraud, Cheating - How to Explain and to Avoid Organizational Wrongdoing", 5.-7. Oktober 2017, Tagungszentrum Schloss Herrenhausen, Hannover

Organisatoren: VolkswagenStiftung gemeinsam mit dem Max-Weber-Institut für Soziologie (Forschungsbereich "HeiGOS – Heidelberg Research Group for Organization Studies"), dem Institut für deutsches, europäisches und internationales Strafrecht und Strafprozessrecht und dem Institut für Kriminologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Veranstaltungsbericht

In Zeiten der Globalisierung werden nicht nur die Gewinne der Wirtschaft immer größer, sondern auch deren Skandale – und dabei ist der Verdacht allgegenwärtig, dass nur die Spitze des Eisbergs überhaupt aufgedeckt wird. Organisierte Kriminalität, Korruption und organisationales Fehlverhalten gibt es in der globalen Ökonomie grenzenlos; die Macht von Justiz und Strafverfolgungsbehörden hingegen endet oft an der Landesgrenze. Gleichzeitig hat ein Wettlauf begonnen, nach welchen und wessen Regeln die globale Wirtschaft kontrolliert wird. Das Herrenhäuser Symposium1 wollte einen Überblick über die Situation weltweit verschaffen. Rund hundert Teilnehmer(innen) aus Wissenschaft und Journalismus, von Strafverfolgungsbehörden und Anwaltskanzleien sowie aus NGOs und Unternehmen nahmen an der internationalen Veranstaltung teil.

In seiner Begrüßung packte der Generalsekretär der VolkswagenStiftung WILHELM KRULL (Hannover) den Stier bei den Hörnern: "Nein, diese Veranstaltung ist nicht vom VW-Konzern gesponsort, um von der Dieselaffaire abzulenken!" Denn die VolkswagenStiftung ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung privaten Rechts zur Förderung von Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre. Krull wies aber darauf hin, dass Fehlverhalten und Betrug nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Wissenschaft vorkämen, und auch hier gebe es nicht nur persönliche, charakterliche Aspekte, sondern auch strukturelle und organisationale Gründe. "Money is only half of the story", ergänzte MARKUS POHLMANN (Heidelberg) in seiner Einleitung des Symposiums. Er erinnerte an Luhmanns Begriff der "brauchbaren Illegalität"2 als Analyse von Gesetzesverstößen in Unternehmen. Seit 1996 sei allerdings festzustellen, dass sich der Staat um die Wiedererlangung der Kontrolle bemühe. Im Bereich der Strafverfolgung nannte Pohlmann die USA führend, die mit dem "Foreign Corrupt Practices Act (FCPA)" ein neues national und international durchaus wirksames Instrument geschaffen haben. Es gebe drei große Fragen, die auf dem Symposium beantwortet werden sollten: "How to prevent? How to identify? How to prosecute?"

Sektion 1 widmete sich der Mafia und ihrer heutigen Erscheinung. In seiner Keynote erläuterte der leitende Oberstaatsanwalt Siziliens und wohl erfahrenste Mafiajäger ROBERTO SCARPINATO (Palermo), dass die Mafia heute nicht mehr dem Bild entspreche, das das Buch "Der Pate" geprägt hat: Die Mafia sei heute nicht auf Süditalien begrenzt, mache nicht mehr mit Mord und Totschlag auf sich aufmerksam und sei auch nicht mehr von der legalen Wirtschaft klar zu trennen. Scarpinato bezeichnete sie als "silent mafia", die international agiert und von der wachsenden globalen Nachfrage nach illegalen Gütern wie Prostitution, Drogen, Müll, Geldwäsche und Glücksspiel profitiert. Sie sei ein Global Player. Berichte in den Medien über Gewalt würden bei ihren florierenden Geschäften und ihrer "hidden partnership" mit dem legalen Markt nur stören. Die Mafiamorde von Duisburg 2007 beispielsweise, als sechs Personen durch ein Killerkommando mit Kugeln durchsiebt wurden, seien von der Mafia als taktischer Fehler erkannt worden. Wie Scarpinato berichtete, sind den nationalen Sicherheitsbehörden aber bei den Ermittlungen gegen den "transnational mafia capitalism" die Hände gebunden: Der Vorschlag, eine europäische Ermittlungsbehörde einzurichten, sei aus nationalen politischen Interessen gestoppt worden. 

Die Journalistin PETRA RESKI (Venedig), die seit Jahren über die Mafia recherchiert und publiziert3, beschrieb in ihrem Vortrag Deutschland als Rückzugsort der Mafia. Wer wie sie in den Medien auf ihre kriminellen Machenschaften aufmerksam mache, gegen den werde sogar mit juristischen Mitteln vorgegangen: In diesem Jahr habe sie einen Zivilprozess gegen einen in Deutschland lebenden italienischen Gastronomen verloren, den sie in einer Reportage als Mitglied der ’Ndrangheta bezeichnet hatte. Sie dürfe seinen Namen nicht mehr nennen. 

Petra Reski: "The Mafia and the Media" – Quelle: heiGOS Universität Heidelberg

Fausto De Sanctis: "The Political Dimension of Economic Corruption in Brazil" – Quelle: heiGOS Universität Heidelberg

Peter Graeff & Julia Kleinewiese: "Esprit De Corps as a Mechanism of Social Integration" – Quelle: heiGOS Universität Heidelberg

Thomas Schröder & Gerhard Dannecker - How to Deal with Corporate Crime – Quelle: heiGOS Universität Heidelberg

Das Video wurde im Rahmen des Herrenhäuser Symposiums "Bribery, Fraud, Cheating - How to Explain and to Avoid Organizational Wrongdoing" vom Max-Weber-Institut für Soziologie (Forschungsbereich "HeiGOS – Heidelberg Research Group for Organization Studies ") aufgezeichnet und veröffentlicht.