100 Sprachen vor dem Vergessen gerettet - Internationale Konferenz zur Dokumentation bedrohter Sprachen

Mit 28 Mio. Euro hat die VolkswagenStiftung seit 1999 Projekte in 71 Regionen auf allen Kontinenten unterstützt. Zum Abschluss der Förderinitiative "Dokumentation bedrohter Sprachen" (DobeS) zogen Projektbeteiligte und Experten aus aller Welt bei der Internationalen Konferenz "Language Documentation: Past – Present – Future" vom 5. bis 7. Juni 2013 in Hannover Bilanz.


© VolkswagenStiftung

Vorträge:
- Ulrike Mosel, Sprachwissenschaftlerin, Universität Kiel
- Nicholas Evans, Sprachwissenschaftler, Australian National University Canberra

Einführung: Vera Szöllösi-Brenig, VolkswagenStiftung

Nur ein Bruchteil der über 1500 noch heute in der Südsee gesprochenen Sprachen werden das 21. Jahrhundert überleben.

Im Rahmen ihrer Projekte zur "Dokumentation bedrohter Sprachen" veranschaulichen die beiden Sprachwissenschaftler in ihrem Vortrag am Beispiel dreier Südseesprachen (des australischen Iwaidja, der Papuasprache Nen und des ozeanischen Teop), wie sich in Wortschatz und grammatischen Strukturen unterschiedliche Sichtweisen auf die natürliche Umwelt und die eigene Kultur widerspiegeln.

Foto: Privat

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Die DobeS-Initiative der VolkswagenStiftung

In weniger als 100 Jahren, so schätzt die UNESCO, wird die Hälfte der heute noch etwa 6500 Sprachen ausgestorben sein. "Großsprachen" wie Chinesisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch dominieren die Welt. Schon haben Dreiviertel aller übrigen Sprachen eine so geringe Sprecherzahl, dass diese in Summe gerade mal ein Prozent der Menschheit ausmachen. Wenn aber eine Sprache stirbt, dann stirbt letztlich ein Stück des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit.

Deshalb initiierte die VolkswagenStiftung 1999 das damals einmalige Programm "Dokumentation bedrohter Sprachen" (DobeS). Seither wurde mit Fördermitteln die Dokumentation von rund 100 Sprachen ermöglicht, von Nordostsibirien bis zu den Marquesa-Inseln.

Die umfassenden multimedialen DobeS-Dokumente sind nun Bestandteil des Language Archive am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nimwegen, aufbereitet für die Nutzung in Wissenschaft und Öffentlichkeit und zugänglich über das Internet (dobes.mpi.nl).

So werden etwa Linguisten oder Ethnologen ein lebendiges Bild der Sprecher, ihres kulturellen Wissens und ihres Soziallebens auch dann noch vor Augen haben können, wenn keiner die Sprache mehr spricht. Es gibt sogar Hoffnung, dass manche der Sprachen doch nicht aussterben, da die Gemeinschaften durch die fremde Wertschätzung ihr ureigenes Kulturgut wieder mehr achten und entgegen aller widriger Einflüsse am Leben erhalten wollen.


Languages that are subject to the DobeS projects
Languages that are subject to the DobeS projects