Interactive Science - Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien

Team:

Prof. Dr. Henning Lobin, Universität Gießen, Zentrum für Medien und Interaktivität

Prof. Dr. Claus Leggewie, Kulturwissenschaftliches Institut, Essen

Dr. Christoph Bieber, Universität Gießen, Institut für Politikwissenschaft

Prof. Dr. Hans-Jürgen Bucher, Universität Trier, Fachbereich Medienwissenschaft

Prof. Dr. Gerd Fritz, Universität Gießen, Institut für Germanistik

Prof. Dr. Thomas Gloning, Universität Gießen, Institut für Germanistik

Prof. Dr. Rainer Kuhlen, Universität Konstanz, Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft

Univ.-Doz. Dr. Michael Nentwich, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Technikfolgen-Abschätzung

Dr. Sibylle Peters, Hamburg

Viele der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, darunter das World Wide Web, sind im akademisch-universitären Bereich konzipiert und entwickelt worden. Email-Kommunikation, Web-Portale, digitale Präsentationen, Newsletter, Diskussionsforen, Bibliotheken und Repositorien, neuerdings auch Fach-Weblogs und kollaborative Formate der Texterzeugung ('Wikis') stellen für viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen heute eine Selbstverständlichkeit dar. Damit affizieren "neue Medien" sämtliche Bereiche und Phasen des Erkenntnisprozesses – von der Generierung über die Primärverteilung, Bearbeitung und Publikation bis hin zur Archivierung wissenschaftlichen Wissens.

Für den gegenwärtigen Stand der Entwicklung sind dabei zwei Aspekte charakteristisch. Einerseits werden derzeit in vielen Bereichen Nutzungsformen digitaler Wissenschaftskommunikation erprobt und dynamisch weiterentwickelt, wodurch ein wachsender Pool von Kommunikationsformaten entsteht, aus dem zukünftige Anbieter und Nutzer schöpfen können. Andererseits lassen sich im Hinblick auf die Form und den Umfang der Nutzung dieses Potenzials unterschiedliche Kommunikationskulturen erkennen, die mit der spezifischen Wissenschaftskultur eines Faches oder einer Fächerzone zusammenhängen und sich auch in unterschiedlichen Einschätzungen des Potenzials, der Barrieren und der Probleme bei deren Nutzung zeigen.

Der Forschungsverbund Interactive Science verbindet in multidisziplinärer Perspektive linguistische, medien-, informations- und sozialwissenschaftliche, wissenschaftshistorische und theaterwissenschaftliche Sichtweisen auf dieses Phänomen und fokussiert dabei das interaktive Potenzial der Informations- und Kommunikationstechnologien anhand zweier bislang wenig erforschter Aspekte: der kollaborativen und der performativen Dimension wissenschaftlicher Binnenkommunikation. Nachdem die Wissenschaftsforschung in den letzten Jahren vor allem die Vermittlung wissenschaftlicher Ergebnisse an Dritte (Politik, Wirtschaft usw.) bzw. im Lehrzusammenhang (E-Learning) untersucht hat, steht in diesem Verbund die Kommunikation mittels neuer Medien unter Peers im Zentrum.

'Cyberscience' (Nentwich 2003) eröffnet insofern ein Schlüsselthema der Geisteswissenschaft, als die interaktiven Medien effektive, bisher aber meist unterschätzte Generierungs- und Distribuierungspotenziale für die Binnenkommunikation genau wie für den Kommunikationsprozess zwischen Wissenschaft und Fachöffentlichkeiten bereitstellen. In Interactive Science, so die Arbeitshypothese des Projektzusammenhangs, können technische Potenziale in soziale Reorganisationen umschlagen, wobei die kollaborativen und performativen Züge wissenschaftlicher Tätigkeit deutlicher hervortreten und sich gegenseitig verstärken. Drei miteinander verzahnte empirische Studien zu multimedialen Präsentationen, digital vermittelten Vorträgen und wissenschaftlichen Kontroversen in vernetzten Fach-Communities sowie ein theoretisch-konzeptionell angelegtes Teilprojekt zu übergreifenden Entwicklungstendenzen von 'Cyberscience', das auch wissenschaftshistorische Aspekte behandelt, sollen diese Hypothese einer kritischen Prüfung unterziehen.

Im Mittelpunkt des Verbundes steht das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI), das koordinierende Aufgaben übernimmt und seine Erfahrungen in der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Öffentlichkeit in den Verbund einbringt. Die Kooperation mit den Partner-Institutionen wird durch solche innovativen Formen der wissenschaftlichen Binnenkommunikation unterstützt, die auch den Gegenstand der Untersuchung selbst bilden.