Originalität und Qualität durch teil-randomisierte Verfahren? Wissenschaftliche Begleitforschung zur Förderinitiative "Experiment!" der VolkswagenStiftung

Teil-randomisiertes Verfahren: Lotterie bei Förderentscheidungen zur Initiative "Experiment!"
Förderentscheidung per Lostrommel (Foto: VolkswagenStiftung)

Die Förderinitiative "Experiment!" der VolkswagenStiftung begibt sich in zweierlei Hinsicht auf neue Wege. Erstens ist es ihr Ziel, "originelle Forschung mit Risikobereitschaft zu ermöglichen sowie neue Themen und Methoden zu fördern". Zweitens hat sich die VolkswagenStiftung für ein ambitioniertes Auswahlverfahren entschieden: Ab dem Jahr 2017 wird zusätzlich zu den Juryentscheidungen ein teil-randomisiertes Verfahren eingesetzt. 

Diese Förderinitiative wird ab dem Frühjahr 2018 durch ein Forschungsprojekt begleitet, das damit Neuland betritt: So zeigen Studien der Wissenschaftsforschung, dass es in der Wissenschaft keineswegs ein gemeinsames Verständnis von "riskanter" und "origineller" Forschung gibt – weder in den zunehmend ausdifferenzierten Disziplinen noch in interdisziplinären Forschungszusammenhängen. Die Effekte von teil-randomisierten Verfahren sind bislang – auch aufgrund geringer praktischer Erfahrungen in der Forschungsförderung – wenig bekannt. Hier setzt die wissenschaftliche Begleitforschung an und fragt, ob mit den Verfahrenselementen "Juryentscheidungen" und "Losverfahren" die Förderziele – bahnbrechende Forschungsideen zu identifizieren – erreicht werden und was sich aus dem Vergleich der beiden Verfahren lernen lässt. Die Begleitforschung bietet eine Chance, wichtige Erkenntnisse über die Zuverlässigkeit von teil-randomisierten Verfahren, ihre Wirkungen und damit auch über ihre zukünftige Verwendung im Wissenschaftssystem zu gewinnen. Gleichzeitig soll dem Verständnis von neuer, riskanter und origineller Forschung in der Selbstwahrnehmung der geförderten Projekte und der Fremdwahrnehmung durch die Jury nachgegangen und darüber hinaus die Wirkungen der Förderlinie in der Wissenschaft identifiziert werden.

Methodisch hat sich die Triangulation von Dokumentenanalysen sowie von qualitativen und quantitativen Methoden bewährt. Vorgesehen ist zunächst eine Online-Befragung der abgeschlossenen Projekte aus den Bewilligungsrunden der Jahre 2013 bis 2016, später auch weiterer Projekte aus zukünftigen Bewilligungsrunden. Die Interviews mit den geförderten Projektnehmern/innen stellen den Kern der wissenschaftlichen Begleitung dar. Die Projektnehmer/innen sollen nach ihrem Verständnis von neuer risikoreicher Forschung befragt werden, wie sie hierauf bezogen die Rahmenbedingungen der Förderinitiative "Experiment!" einschätzen, welche Ziele sie erreicht haben und welche nicht und ob ihre Projektergebnisse in den scientific communities sowie darüber hinaus in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Darüber hinaus ist geplant, die verantwortlichen Akteure der VolkswagenStiftung zu interviewen und Gespräche mit Vertretern/innen anderer Forschungsförderorganisationen (DFG, Stiftungen, BMBF), des Wissenschaftsrats und auch ausländischer Fördereinrichtungen zu führen, die ein Losverfahren praktizieren. Die Zwischenbefunde und die Ergebnisse der Begleitforschung werden einem Workshop und einer internationalen Konferenz mit Vertretern der Wissenschaftsforschung, der Wissenschaftspolitik und der Forschungsförderung diskutiert. 

Laufzeit: 2018 – 2022

Dr. Martina Röbbecke / Dr. Dagmar Simon; EVACONSULT GbR (September 2018)