"Originalitätsverdacht?": Die ersten 17 Projekte bewilligt

15. Jan 16

2015 wurde die neue Förderinitiative "Originalitätsverdacht? – Neue Optionen für die Geistes- und Kulturwissenschaften" ins Leben gerufen – und stieß gleich auf große Resonanz: So gingen zum ersten Stichtag insgesamt 388 Kurzanträge bei der Stiftung ein.

Mit dem Angebot möchte die VolkswagenStiftung Geistes- und Kulturwissenschaftler(innen) ermutigen, Vorhaben mit "erkenntnisgewinnender Originalität" zu entwickeln. Mit finanzieller Unterstützung in Höhe von insgesamt 1,7 Mio. Euro können nun 17 Vorhaben umgesetzt werden. Zu den Geförderten zählen sowohl einzelne Forscherpersönlichkeiten als auch Projektteams mit bis zu 4 Antragssteller(inne)n, die sich in den nächsten 12 bis 18 Monaten einer ersten Exploration ihrer Forschungsidee widmen können und diese abschließend in einem Essay oder gemeinsamen Aufsatz darlegen werden. 

Drei Projekte werden im Folgenden kurz vorgestellt:
"Die Symmetrie des Taktilen", Prof. Dr. Henning Schmidgen, Bauhaus Universität Weimar

Telefon, Fernseher, Computer, Smartphone, Tablet und Uhren – durch Tippen, Drücken und Wischen lassen sich zahlreiche technische Medien bedienen. Doch entgegen der naheliegenden Ansicht, dass hauptsächlich die Menschen die Medien bedienen, nimmt umgekehrt auch das Ertasten und Analysieren des Nutzers durch eben diese Medien zu: Sensoren an Autositzen, Bewegungsmelder, Körperscannern bis hin zu Fitnessarmbändern und Brillen. 

In dem Projekt "Die Symmetrie des Taktilen" nimmt Prof. Dr. Henning Schmidgen von der Bauhaus-Universität Weimar die Medien und ihre Entwicklungen genauer unter die Lupe. Der Medienwissenschaftler wird sowohl theoretisch als auch historisch der Frage nachgehen, welche Auswirkungen die doppelseitige Berührung von Mensch und technischem Gerät haben.

"Sexueller Exzeptionalismus", Dr. Gabriele Dietze, Humboldt-Universität Berlin

Viele Akteure der westlichen Gesellschaft sind davon überzeugt, dass die abendländische Zivilisation allen anderen Gesellschaftsformen überlegen sei – etwa in Politik, Wirtschaft und Recht. Unter anderem wird auch die Auffassung vertreten, über das humanste und fortschrittlichste Sexualregime der Gegenwart zu verfügen. Anderen Regionen – insbesondere muslimisch geprägten – wird generalisiert Ablehnung von Homosexualität, Frauenunterdrückung und patriarchale Herrschaft in der Familie unterstellt.  

Die Kulturwissenschaftlerin und Gender-Forscherin PD Dr. Gabriele Dietze möchte dieses Postulat der sexualpolitischen Überlegenheit in deutschen und europäischen Zusammenhängen untersuchen. Sie möchte erkunden, wie und durch welche Akteure diese Diskurse zum einen das Selbstbild der okzidentalen Gesellschaft prägen und zum anderen dazu führen können, Sexualpolitik zu einem zentralen Element von Migrationsfeindlichkeit zu machen.

 

"Kino in Stein. Raumerfahrungskonzepte der Gegenwart in der antiken Villenarchitektur", Prof. Dr. Sabine Vogt, Prof. Dr. Christian Illies, Prof. Dr. Martin Düchs, alle Universität Bamberg und Prof. Dr. Andreas Grüner, Universität Erlangen-Nürnberg

Wer in der Antike die Residenz des Kaisers Hadrian vor den Toren Roms besuchte, geriet in einen endlosen Schlauch aus Räumen, Höfen, Kuppeln, Blumenbeeten, Brunnen, Grotten, aber auch in immer neue Variationen von Licht und Schatten, Farben und Gerüche, Wasserrauschen und Vogelstimmen. Die vielfältigen atmosphärischen Eindrücke, die die römischen Villen auf ihre Zeitgenossen ausübten, sind in Beschreibungen aus der lateinischen Literatur überliefert.

Darauf aufbauend möchten die Philologen Prof. Dr. Sabine Vogt, Prof. Dr. Christian Illies, Prof. Dr. Martin Düchs und der Archäologe Prof. Dr. Andreas Grüner nun eine neue, nicht-klassizistische Perspektive auf die römische Architektur am Beispiel der Hadriansvilla werfen: In dem Projekt „Kino in Stein. Raumerfahrungskonzepte der Gegenwart in der antiken Villenarchitektur“ suchen sie gemeinsam nach dem Konzept – oder cineastisch ausgedrückt: dem Drehbuch –, wie die Architektur von ihren zeitgenössischen Besuchern sinnlich wahrgenommen werden sollte und wollen diese Vorstellungen für unsere Gegenwartsarchitektur wirksam werden lassen.

Die weiteren Projekte: 
 

  • "Passantinnen", Priv.-Doz. Dr. Cornelia Wild, Universität München

Neue Anträge können bis zum 27. Oktober 2016 an die Stiftung gerichtet werden.

Weitere Informationen über die Förderinitiative "Originalitätsverdacht? – Neue Optionen für die Geistes- und Kulturwissenschaften" finden Sie unter: https://www.volkswagenstiftung.de/originalitaetsverdacht.html