Freigeist-Fellowships 2017: Außergewöhnliche Nachwuchswissenschaftler(innen) ausgewählt

24. Aug 17

Mit ungewöhnlichen Forschungsprojekten überzeugten zehn Nachwuchswissenschaftler(innen) das internationale Gutachtergremium der VolkswagenStiftung. Für die neuen Freigeist-Fellowships bewilligte das Kuratorium nun insgesamt rund 9 Mio. Euro.

Die Freigeist-Fellowships vergibt die VolkswagenStiftung seit 2014 einmal im Jahr.

Die Freigeist-Fellowships vergibt die VolkswagenStiftung seit 2014 einmal im Jahr.

Für ihre Freigeist-Fellowships sucht die VolkswagenStiftung jedes Jahr exzellente Postdoktorand(inn)en, die betont zukunftsweisende und risikobehaftete Forschungsideen verwirklichen wollen. Rund 120 Wissenschaftler(innen) hatten vergangenen Oktober ihre Projektideen eingereicht, das Kuratorium der Stiftung beschied jetzt zehn Anträge positiv. Die vielfältigen Forschungsthemen reichen von einer digitalen Plattform für Biographien von Objekten über Forschung zum Eisenstoffwechsel bis zu Biomarkern für Leben im All. Die Freigeist-Projekte werden an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland verwirklicht.

Die Förderinitiative richtet sich gezielt an Wissenschaftler(innen) aller Fachgebiete, die sich in den ersten vier Jahren nach ihrer Promotion Themen widmen wollen, mit denen sie neue Horizonte erschließen und kritisches Analysevermögen mit außergewöhnlichen Perspektiven und Lösungsansätzen verbinden. Die Nachwuchswissenschaftler(innen) müssen dabei nicht nur eine herausragende fachliche Expertise mitbringen sondern auch über die Grenzen der eigenen Fachdisziplin hinausblicken. Die nächsten Stichtage für Projekteinreichungen sind der 12. Oktober 2017 sowie der 11. Oktober 2018.

Kurzbeschreibungen von vier ausgewählten Projekten:

Dr. Bernhard Schirg, Erfurt: "Reaching for Atlantis. The cultural biographies of objects under the Swedish Empire and beyond"

In seinem Projekt möchte der Historiker die Geschichte von Objekten erforschen, die zur Zeit des schwedischen Großreichs (1650-1720) Gegenstand einer grundlegenden Neuinterpretation der materiellen Kultur waren. Sie dienten – entsprechend umgedeutet – als Zeugnisse einer glanzvollen Frühgeschichte Schwedens. Ausgangspunkt war die vierbändige Publikation "Atlantica" (1679-1702) des Universalgelehrten Olof Rudbeck, der nicht nur Platons Atlantis, sondern auch den Ursprung der gesamten klassischen Tradition auf den Norden zurückführte. Mithilfe einer digitalen Plattform und der Einbindung historischer Quellen will Schirg zeigen, wie die archäologischen und naturkundlichen Objekte zu unterschiedlichen Zeiten kontextualisiert und interpretiert worden sind. Ausgehend von der schwedischen Wissenschafts- und Sammlungsgeschichte soll so ein inspirierendes Beispiel zur Visualisierung kultureller Biographien von Objekten entstehen.

Dr. Carolin Antos, Konstanz: "Forcing: Conceptual Change in the Foundations of Mathematics"

Die Mathematikerin untersucht, wie die Forcing-Methode – eine vielfältig einsetzbare Technik, mit der unendlich viele neue mathematische Welten erzeugt werden können – die moderne Mengenlehre verändert hat. Führte diese Methode zu einem konzeptionellen Wandel in den Grundlagen der Mathematik? Um dieser Frage nachzugehen, kombiniert die Wissenschaftlerin drei Disziplinen miteinander: Mathematik, Philosophie und Geschichte. Das Forschungsprojekt zielt damit auch auf die erste umfassende Darstellung von Forcing ab und soll einem neuen interdisziplinären Forschungsfeld zum konzeptionellen Status der mathematischen Grundlagenforschung den Weg bereiten.

Dr. Matthias Beyer, Braunschweig: "Resolving the Mystery of Deep Roots: Combining Water Stable Isotopes with Next Generation Technology – Isodrones"

Wassertransportprozesse durch terrestrische Ökosysteme werfen noch einige offene Fragen auf. Wie und aus welchen Reservoirs decken Pflanzen ihren Wasserbedarf? Wie funktionieren tiefe, potenziell Grundwasser erschließende Wurzeln? Der Wissenschaftler möchte eine Methodik zur Quantifizierung der Wasseraufnahme durch Tiefenwurzeln entwickeln und ihren Einfluss auf die Wasserbilanz unter verschiedenen klimatischen Gegebenheiten untersuchen. Dabei werden existierende und neu entwickelte Techniken aus Forschungsdisziplinen wie Hydrologie, Pflanzenphysiologie und Ökologie kombiniert, um Rückkopplungen zwischen Vegetation und deren potenzieller Wasserquellen besser zu verstehen. Die Analyse stabiler Wasserisotope für die Quantifizierung ökohydrologischer Prozesse soll mit neuer Drohnentechnik verbunden werden, die hochaufgelöste Bildaufnahmen und das Sammeln von Pflanzenproben in der Baumkrone erlaubt. So soll in einem integrierten Ansatz sowohl die Schnittstelle Boden-Wurzel als auch die Schnittstelle Pflanze-Atmosphäre erkundet werden.

Dr. Cornelia Monzel, Düsseldorf: "Magnetovesicles: A Mechanochemical Toolkit for the Remote Control of Iron Homeostasis"

Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement und ein potenzielles Toxin zugleich. Es ist an vielen physiologischen Prozessen, wie dem Sauerstofftransport, der Energieproduktion von Zellen und der DNA-Synthese, beteiligt, kann aber bei einem Überangebot – das heißt einer Störung der Eisenhomöostase – zu Krankheiten wie Diabetes, Zirrhosen oder Parkinson führen. Um die Prozesse der Eisenaufnahme und deren Wechselwirkungen verstehen zu können, entwickelt die Wissenschaftlerin eine neue Methode, bei der synthetische Biomembranen mit Molekülen der Eisenregulation sowie magnetischen Nanopartikeln bestückt werden. Diese Magnetovesikel erlauben es, unter Verwendung äußerer magnetischer Felder die molekularen Aktivitätszustände und Eisentransportprozesse berührungslos zu kontrollieren. Die Magnetfeld-vermittelte Aktivierung der Moleküle wird anschließend in menschlichen Zellen untersucht. Detaillierte Einblicke in diesen empfindlichen Prozess können Wege zu neuen Behandlungsmethoden der schwerwiegenden Krankheiten aufzeigen.

Alle Freigeist-Fellows 2017 und ihre Forschungsvorhaben: