Erst riechen, dann betteln: Blaumeisen erkennen Verwandte am Geruch

15. Mai 17

Blaumeisenküken können den Geruch anderer Jungtiere wahrnehmen und daraufhin ihr Bettelverhalten anpassen. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern um Freigeist-Fellow Dr. Barbara Caspers von der Universität Bielefeld.

Junge Blaumeisen erkennen ihre Verwandten am Geruch. (Foto: Universität Bielefeld - Oliver Krüger)

Junge Blaumeisen erkennen ihre Verwandten am Geruch. (Foto: Universität Bielefeld - Oliver Krüger)

Die Verhaltensbiologin Dr. Barbara Caspers und ihr Kollege Dr. Peter Korsten untersuchten mit Wissenschaftlern der University of Sussex das Bettelverhalten von sieben Tage alten Jungvögeln. "Blaumeisenküken betteln, um von den Eltern Futter zu bekommen und konkurrieren dabei mitunter mit zehn gleichaltrigen, nicht unbedingt Voll-Geschwistern im Nest", erklärt Korsten. Frühere Studien an europäischen Singvögeln zeigten bereits, dass sich diese Konkurrenz verschärft, wenn auch nicht-verwandte Jungtiere im Nest sitzen. Die Jungtiere betteln dann noch intensiver um Nahrung. Offen war bisher, woran die Vögel ihre Verwandten erkennen.

Dr. Barbara Caspers widmet sich als Freigeist-Fellow dem Geruchsverhalten bei Tieren. (Foto: Mirko Krenzel für VolkswagenStiftung)

Dr. Barbara Caspers widmet sich als Freigeist-Fellow dem Geruchsverhalten bei Tieren. (Foto: Mirko Krenzel für VolkswagenStiftung)

Die Forschergruppe um Capsers präsentierte für die jüngste Studie den jungen Blaumeisen zwei verschiedene Gerüche: den von Verwandten aus dem eigenen Nest und den von Nicht-Verwandten aus einem fremden Nest. In beiden Versuchssituationen maßen die Biolog(inn)en daraufhin die Betteldauer der Küken. Diese Messungen zeigten: Die jungen Blaumeisen bettelten länger, nachdem sie den Geruch von fremden Küken wahrgenommen hatten. Rochen sie jedoch Jungtiere, die mit ihnen verwandt waren, verkürzte sich die Bettelzeit. "Bisher wussten wir nicht, woran die Jungtiere im Nest erkennen können, ob sie mit Nahverwandten oder weniger Verwandten um das Futter konkurrieren. Unsere Studie zeigt, dass sie diesen Unterscheid möglicherweise riechen können", sagt Caspers.
 
Sie erforscht als Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung im Projekt "Functions and Mechanism of Olfactory Kin Recognition in an Avian Model System" das Geruchsverhalten verschiedener Tiere. Die Wissenschaft ging lange Zeit davon aus, dass Vögel überhaupt nicht riechen können. Diesen Befund hat Caspers mit ihrem Team bereits durch Studien an Zebrafinken widerlegen können. Weitere Informationen hierzu gibt es im Interview mit Dr. Barbara Caspers.

Publikation

Rossi M., Marfull R., Golüke S., Komdeur J., Korsten P., Caspers B.: Begging Blue Tit Nestlings Discriminate Between the Odour of Familiar and Unfamiliar Conspecifics. Functional Ecology, DOI: 10.1111/1365-2435.12886

Weitere Informationen erhalten Sie in der Pressemitteilung der Universität Bielefeld.

Hintergrund: Freigeist-Fellowship

Mit den fachoffenen Freigeist-Fellowships unterstützt die VolkswagenStiftung außergewöhnliche Forscherpersönlichkeiten nach der Promotion, die sich zwischen etablierten Forschungsfeldern bewegen und risikobehaftete Wissenschaft betreiben möchten. Der nächste Stichtag ist der 12. Oktober 2017.