Pioniergeist ist gefragt

Die neue Förderinitiative "Pioniervorhaben - Impulse für die Wissenschaft" wird von Selahattin Danisman betreut. Er gibt im Folgenden Auskunft über das Angebot, das Teil des Profilbereichs "Wissen über Wissen – Reflexion und Praxis der Wissenschaften".

Welchen Hintergrund hat die von Ihnen betreute neue Initiative?

In den letzten Jahren wurden wir immer wieder von Forscher:innen angesprochen, die etwas Strukturelles am Wissenschaftsbetrieb ändern wollten. Da waren sehr unterschiedliche, tolle Ideen dabei. Einiges davon konnte aufgegriffen werden, unter anderem im inzwischen beendeten Förderangebot "Hochschule der Zukunft". Mit der neuen Initiative der Pioniervorhaben machen wir nun ein strukturiertes Angebot an die Personen, die ausgetretene Pfade verlassen und etwas an den Rahmenbedingungen von Forschung und Lehre verändern wollen. Vorhaben können sich beispielsweise auf Qualitätssicherung in der Forschung, Open Data, Open Science, innovative Lehrformate, die Administration beziehen, aber auch auf die Vernetzung mit anderen Fachbereichen, Institutionen, außerakademischen Gruppen und Institutionen.

Was verstehen Sie unter einem Pioniervorhaben?

Pioniere machen sich auf den Weg ins Neuland. Sorgfältig geplant, aber ohne zu wissen, ob ihr Vorhaben erfolgreich sein wird, ob sie tatsächlich zum Ziel gelangen werden. Wer sollte sich im Dickicht des Wissenschaftsbetriebes besser auskennen als die Forschenden selbst, aber auch die Wissenschaftsmanager:innen? Häufig können die neuen Wege aber nicht beschritten werden, weil es an Geld, Zeit und Umsetzungsmöglichkeiten fehlt. Mit unserer Förderung geben wir diesen Ideen einen Raum. Wir sagen bewusst "Experimentierraum", weil ausprobiert und getestet werden soll. Und ein Vorhaben darf auch scheitern. Wenn das Experiment gelingt, hat man ein Stück Neuland erobert und andere können folgen.

Wenn das Experiment gelingt, hat man ein Stück Neuland erobert und andere können folgen

An wen richtet sich das Förderangebot?

Wir sprechen Wissenschaftler:innen jeder Fachrichtung ab der Promotion aufwärts an, die an wissenschaftlichen Institutionen und Universitäten in Deutschland tätig sind. Außerdem können Wissenschaftsmanager:innen oder Vertreter:innen aus der Administration Skizzen einreichen. Wir wollen mit diesem Angebot keine Forschung unterstützen, daher werden keine Promotionsstellen oder eigene Stellen der Antragsteller:innen gefördert. Stattdessen wollen wir solche Personen im Wissenschaftsbetrieb ansprechen, die praktische Ideen für Verbesserungen haben und diese neben ihrem Alltagsgeschäft angehen wollen. Das ist mit einem gewissen Risiko verbunden, und somit sollte man wirklich sicher sein, dass man so ein Projekt auch stemmen kann. Und man sollte sich im Zweifelsfall Partner suchen, entweder innerhalb oder außerhalb der Wissenschaft, die bei der Umsetzung der Ideen helfen können oder dafür sorgen können, dass die Projekte langfristig Veränderungen herbeiführen.