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Reiseführer: "...und dann ein bißchen baedekern"

Reiseführer: "...und dann ein bißchen baedekern"
Mit: Dr. Susanne Müller, Prof. Dr. Hasso Spode, Andreas Hallaschka und Dr. Wilhelm Krull

Kurzvorträge
"Der Baedeker als neue Art des Reisens und Sehens"
Dr. Susanne Müller, Universität Potsdam

"Touristenklasse - von Freizeit, Urlaub und Tourismus seit dem Wirtschaftswunder"
Prof. Dr. Hasso Spode, TU Berlin

Gespräch
mit Andreas Hallaschka, Chefredakteur, Merian
sowie den Vortragenden

Moderation: Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung

Einen Urlaub ohne Reiseführer anzutreten ist für viele kaum denkbar. Warum diese Ratgeberliteratur entstanden ist und wie sie ihren Siegeszug bis heute fortsetzt erklärt das Herrenhäuser Forum.

Eisenbahn und Dampfschiff beschleunigten im 19. Jahrhundert nicht nur den Transport von Waren, sie ließen auch für Personen die Entfernung zwischen zwei Orten zusammenschmelzen. Mit dem zunehmenden Ausbau des Verkehrsnetzes entstanden erste Reisebüros und damit die Idee des organisierten "Tourismus", also Bildungs- und Vergnügungsreisen aus privatem Anlass. Reisende und Vermittler brauchten nun verlässliche Informationen über malerische Routen, passende Übernachtungsmöglichkeiten und die schönsten Sehenswürdigkeiten. Karl Baedeker, ein Buchhändler und Verleger, erkannte diesen Bedarf und veröffentlichte 1835 die erweiterte Fassung des Buches ,,Rheinreise von Mainz bis Cöln, Handbuch für Schnellreisende" von J.A. Klein, das in den folgenden Jahren maßgeblich für Struktur und Aussehen weiterer Reiseführer und später für eine ganze Branche wurde. Ein Wettbewerber in London führte zudem ein Bewertungssystem ein, das die jeweiligen Attraktionen mit Sternen bedachte - eine wichtige Auszeichnung in der Tourismusbranche, die den Sprung bis ins digitale Zeitalter geschafft hat. Auch heute noch verlassen wir uns bei der Planung und am Urlaubsort gerne auf Reiseführer, die uns Möglichkeiten aufzeigen, was in einer Stadt oder einer Region sehenswert ist, wie wir dort hin gelangen und wo wir nächtigen können. Doch worin lag das Erfolgsgeheimnis der roten Bände? Wie veränderten sich seit dem 19. Jahrhundert die Beschreibung der nahen und fernen Länder und das Reisen an sich? Und: Wie planen und gestalten wir unseren Urlaub im digitalen Zeitalter?

Foto: Tina Walsweer