Zwei Mal "Momentum" an der Universität Freiburg

Der eine untersucht die Navigation der Bienen, der andere ist auf der Suche nach unbekannten Verbindungen: Mit dem Biologen Prof. Dr. Andrew Straw und dem Chemiker Prof. Dr. Henning Jessen erhalten zwei Professoren der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg dank einer "Momentum"-Förderung Freiräume für neues Denken im Universitätsalltag.

Farbexplosion
Mit der fachlich offenen Initiative "Momentum – Förderung für Erstberufene" möchte die VolkswagenStiftung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in einer frühen Phase nach Antritt ihrer ersten Lebenszeitprofessur Möglichkeiten zur inhaltlichen und strategischen Weiterentwicklung ihrer Professur eröffnen. (Foto: Lukas Godja - stock.adobe.com)

Derzeit gibt es noch keine Technologie, die es Forscherinnen und Forschern ermöglicht, Insekten in deren natürlichen Umgebung mit ausreichend hoch aufgelösten Bildern zu beobachten. Aus Laborstudien ist bekannt, dass bei Arten wie Bienen, Wespen und Ameisen das visuelle Erscheinungsbild von Orientierungspunkten für die gedächtnisbasierte Navigation wichtig ist. Feldstudien haben zudem gezeigt, dass Bienen Routen lernen und immer wieder dieselben Blumen besuchen, wodurch sich ihre Gedächtnisleistung mit der Zeit verbessert. Es sind jedoch neue Technologien erforderlich, um erforschen zu können, was solche Ergebnisse für das Verhalten der Tiere in deren realer Umwelt bedeuten. 

Prof. Dr. Andrew Straw vom Institut für Biologie I – Zoologie will unter anderem ein computergestütztes System für den Außenbereich entwickeln, mit dem sich das Flugverhalten von Bienen in ihrer natürlichen Umgebung in hoher Auflösung verfolgen lässt. "Dieses System sollte in der Lage sein, Bienen in ihrem natürlichen Lebensraum mit einer Auflösung von Millimetern und Millisekunden über räumliche Skalen von zehn, Hunderten und vielleicht Tausenden von Metern nachzuspüren", so Straw. Darüber hinaus soll eine Ausstellung entstehen, die Kinder und Erwachsene über dieses so genannte Live-Bienen-Tracking informiert, indem sie unter anderem Flugbahnen sowie eine Simulation der visuellen Erfahrung von fliegenden Bienen zeigt.

Portraits
Peter Straw (l.) und Henning Jessen erhalten jeweils eine Förderung im Rahmen der "Momentum"-Initiative. (Fotos: privat, Hans-Peter Fischer)

Hinweise auf unbekannte Verbindungen

Prof. Dr. Henning Jessen (Institut für Organische Chemie) erhält die Förderung für seine Forschung zu phosphorylierten Metaboliten – Stoffwechselprodukte mit angehängten Phosphatgruppen, die eine wesentliche Rolle in vielen lebenswichtigen Prozessen spielen. Ziel ist es, bislang unbekannte Verbindungen dieser Stoffklasse zu finden und ihre Funktion aufzuklären. Für die Stoffklasse der phosphorylierten Metabolite sind zahlreiche Beispiele bekannt. Phosphorsäureester etwa sind unter anderem Bestandteile des Erbguts sowie von Inositol-Pyrophosphaten, die als Botenstoffe den Energiehaushalt der Zelle überwachen. Diese Verbindungen weisen eine signifikant negative Ladung der Moleküle und oftmals zugleich eine hohe Instabilität auf.

"Die Entdeckung, Isolation, Beschreibung und Anwendung von Naturstoffen ist ein hochaktuelles Feld. Die Forschung in diesem Bereich fokussiert sich aber fast ausschließlich auf die Entdeckung neuer Moleküle, die nicht sehr polar und weniger instabil sind", erklärt Jessen. Gemeinsam mit seinem Team hat er jedoch bei der Probenanalyse schon zahlreiche Hinweise auf bislang unbekannte polare und instabile Verbindungen erhalten, denen er nun nachgehen möchte. Mit speziellen Extraktionsmethoden sowie einer milden Analytik wird die Arbeitsgruppe versuchen, genau solche Metabolite anzureichern, zu isolieren sowie deren Funktion zu beschreiben. Mehr Informationen zu beiden Ansätzen finden Sie in der Pressemitteilung der Universität Freiburg. 

Hintergrund: Die Förderinitiative "Momentum"

Das Angebot "Momentum ‒ Förderung für Erstberufene" richtet sich an Professorinnen und Professoren drei bis fünf Jahre nach Antritt ihrer ersten Lebenszeitprofessur. Ziel ist es, ihnen in dieser Karrierephase Möglichkeiten zur inhaltlichen und strategischen Weiterentwicklung ihrer Professur zu eröffnen. Dafür ist eine Förderung von bis zu einer Mio. Euro auf maximal sieben Jahre möglich. Aktuell wird das Förderangebot überarbeitet.