Wieso verbreiten sich wissenschaftsskeptische Inhalte so rasant, Herr Könneker?

Carsten Könneker, Professor für Wissenschaftskommunikation am Karlsruher Institut für Technologie, erklärt im Videointerview die Effekte, die zu dem dynamischen Ausbreitungsverhalten von Fake News und Verschwörungstheorien führen. Ein Beitrag zum Themenschwerpunkt "Wissenschaft und Gesellschaft".

Carsten Könneker erklärt im Interview, welche Faktoren für die schnelle Verbreitung von Fake News und Verschwörungstheorien im Netz verantwortlich sind. (Foto: VolkswagenStiftung)

Das Internet ist voll von wissenschaftsskeptischen Inhalten - von Fake News über Verschwörungstheorien bis hin zu offener Ablehnung von wissenschaftlich fundierten Informationen. Eine kürzlich im Magazin Science veröffentlichte Studie des Massachusetts Institute of Technology ("The spread of true and false news online") zeigt: Falschmeldungen teilen Nutzerinnen und Nutzer auf Twitter im Durchschnitt fast doppelt so häufig wie andere Inhalte. Eine Folge davon ist, dass eine Falschmeldung 1.500 Nutzer sechs Mal so schnell erreichen kann wie eine als wahr eingestufte Nachricht. Im Videointerview erklärt Carsten Könneker die Ergebnisse der Studie und ordnet ein, welche Ursache das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer hat.

Könneker geht dabei insbesondere auf die psychologischen Effekte ein, die dazu führen, dass wissenschaftsskeptische Inhalte online leichter und schneller Verbreitung finden als verifizierte Nachrichten. So zum Beispiel der "Partisan bias", der dazu führt, dass Argumente, die von der gegnerischen Seite kommen, von vornherein abgelehnt werden. Die "Gruppenpolarisierung" führt dazu, dass jeder neue Kommentar in einer Diskussion extremer wird, da der Beitragende seinen eigenen Wert in der Diskussionsrunde steigern möchte. Diese Effekte wirken online wie offline, sind in der Online-Welt aber offenbar wesentlich wirksamer. Könneker zeigt dabei auch auf, was das dynamische  Ausbreitungsverhalten im Netz mit dem Selbstwert und der Psyche des Menschen zu tun hat.

Wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vertrauensbildend kommunizieren können, erklärt Carsten Könneker in einem weiteren Videointerview: "Wie sollte Wissenschaft kommunizieren, um Vertrauen zu bilden, Herr Könneker?"

Themenschwerpunkt "Wissenschaft und Gesellschaft"

Die Vermittlung von Wissenschaft an ein breites Publikum muss sich in Zeiten von Fake News und Wissenschaftsskepsis neuen Herausforderungen stellen. Die VolkswagenStiftung sieht es als wichtig an, den entsprechenden Diskurs zu fördern und sich daran zu beteiligen – mit dem Ziel eines verbesserten Dialogs und Verständnisses zwischen "Wissenschaft und Gesellschaft". Hier kommen Expertinnen und Experten aus der Wissenschaftskommunikation, Forscherinnen und Forscher sowie PR-Fachleute zu Wort und beziehen Stellung, wie man diesen Herausforderungen konstruktiv begegnen kann.

Weitere Informationen

Studie des Massachusetts Institute of Technology "The spread of true and false news online": http://science.sciencemag.org/content/359/6380/1146.full