Von wegen Zwergenforschung!

Im Bereich "Nanowissenschaften" werden fünf neue Forschungsprojekte und fünf Fortsetzungsvorhaben mit insgesamt 4,9 Millionen Euro gefördert.

Im Bereich "Nanowissenschaften" werden fünf neue Forschungsprojekte und fünf Fortsetzungsvorhaben mit insgesamt 4,9 Millionen Euro gefördert.

Mit insgesamt 2,4 Millionen Euro unterstützt die VolkswagenStiftung in ihrer Förderinitiative "Integration molekularer Komponenten in funktionale makroskopische Systeme" fünf neue Forschungsvorhaben an Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen in Ulm, Karlsruhe, Saarbrücken, Potsdam und München. Zwei Projekte möchten wir im Folgenden kurz vorstellen: Ein Gemeinschaftsvorhaben der Universität und des Universitätsklinikums Ulm möchte den viralen Gentransfer verbessern. In der Grundlagenforschung werden so genannte virale Vektoren - das sind gezielt veränderte Viruspartikel - dazu genutzt, genetisches Material in Zellen zu schleusen. Diese Methode eröffnet grundsätzlich vielversprechende Möglichkeiten zur Behandlung genetischer Erkrankungen, bösartiger Tumore sowie von Infektionskrankheiten. Doch aufgrund geringer Transduktionseffizienzen oder zytotoxischer Effekte findet der virale Gentransfer bisher keine breite Anwendung. Die beiden Ulmer Forschergruppen aus den Bereichen Virologie und der makromolekularen Chemie möchten den Gentransfer mithilfe systematisch selbstorganisierender Peptide (self-assembling peptides, SAPs) effektiver gestalten. Diese SAPs bilden nanoskalige Bausteine, die mit Viren in Wechselwirkung treten und sich zu aktiven Einheiten organisieren, die sich wiederum effizient an Zellen binden. Durch diese viralen Komplexe lassen sich insbesondere Gene effektiv in schwer zu transduzierende Zellen transferieren. Ziel ist es, durch Einsatz der SAPs zukünftige Gentransfer-Experimente erheblich zu vereinfachen. Das Projekt wird mit rund 532.000 Euro gefördert. Ein weiteres Projekt ist am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelt und wird mit 310.000 Euro unterstützt. Ziel der Wissenschaftler ist es, ein zwar seit langem bekanntes, aber bislang ungelöstes Problem der Energieverschwendung zu beheben: den Stromverbrauch von Standby-Schaltungen. Bisher werden etwa 6,5 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs eines Durchschnittshaushalts durch Standby-Schaltungen verursacht. Als Lösungsansatz möchten die Forscherteams ein Bauteil auf Basis eines einatomaren Transistors zur technologischen Reife bringen und damit einen Schalter herstellen, der durch die Schaltung von nur einem Elektron in der Tat minimalen Stromverbrauch garantiert. Neben der Integration des am KIT entwickelten Transistors in ein nano- und mikrostrukturiertes Bauteil muss dazu auch eine Kaskadenelektronik entwickelt werden, die das sichere Ein- und Ausschalten eines elektronischen Geräts ermöglicht. Im Erfolgsfall könnte mit den neuen Schaltern das oben genannte Einsparpotenzial für Standby-Schaltungen nahezu realisiert werden. Neben den neuen Projekten bewilligte das Kuratorium in seiner März-Sitzung fünf Weiterführungsanträge mit einem Fördervolumen von insgesamt 2,5 Millionen Euro. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsvorhaben der Universitäten Bonn und Regensburg, ein Projekt am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden, ein Forschungsvorhaben der Universitäten Stuttgart und Ulm, ein Projekt der Technischen Universität Braunschweig und der Universität München sowie um ein Forschungsvorhaben, das gemeinsam von den Universitäten Mainz und Osnabrück sowie dem Forschungszentrum Jülich durchgeführt wird. Ein externes Gutachtergremium bescheinigte diesen Vorhaben herausragende wissenschaftliche Qualität. Die Teams seien innovative, spannende und risikobehaftete Projekte angegangen und hätten bereits große Fortschritte gemacht. Aufgrund zahlreicher Veröffentlichungen, auch in hochrangigen Publikationen, seien die Vorhaben in hohem Maße international sichtbar. Foto: Christian Seidel (pixelio.de)