Förderung für "Innovationsfonds Wissenschaftsjournalismus"

In der Anfangsphase der Pandemie wurde der Wissenschaftsjournalismus noch als "systemrelevant" gelobt. Eine tief verunsicherte Bevölkerung suchte nach faktenbasiertem Orientierungswissen. Die vorher stetig gesunkene Nachfrage nach Qualitätsmedien erlebte weltweit einen kurzfristigen Boom.

Inzwischen ist wieder Ernüchterung eingekehrt. Und insbesondere in den Redaktionen privater Medien sorgt die Transformation in den Erlösmodellen weiterhin dafür, dass die Expertise der Wissenschaftsjournalist:innen marginalisiert wird – trotz nach wie vor immenser Bedeutung für eine gutinformierte Gesellschaft im Krisenmodus.

Bislang kaum Hilfsangebote

Dass der Wissenschaftsjournalismus unverzichtbar ist als unabhängige Vermittlungsinstanz und kritische Begleiterin von Wissenschaft, darin sind sich die meisten Akteure in der Zivilgesellschaft einig. Woran es bislang allerdings mangelt, sind konkrete Hilfsmaßnahmen für dessen Erhalt und Zukunftssicherung. 

Deshalb entstand im Branchenverband "Wissenschaftspressekonferenz e.V." (WPK) die Idee, einen Fonds ins Leben zu rufen, der risikobereite Gründer:innen außerhalb des etablierten Mediensystems vielfältig unterstützen will. Drei Jahre lang, so der Plan, sollen jährlich 300.000 Euro für Projekte bewilligt werden. 

900.000 Euro über drei Jahre

Die Joachim Herz Stiftung in Hamburg griff den WPK-Impuls als erste auf und sagte nicht nur 300.000 Euro für den Fonds zu, sondern finanziert zusätzlich eine Geschäftsstelle unter dem Dach der WPK. Zu den weiteren Gründungsstiftungen zählen inzwischen die Schöpflin Stiftung (150.000 Euro), der Stifterverband (100.000 Euro), die Rudolf Augstein Stiftung (50.000 Euro) – und seit einem Kuratoriumsbeschluss am 26. November 2021 auch die VolkswagenStiftung (300.000 Euro), die Wissenschaftskommunikation als integralen Bestandteil von Wissenschaftsförderung versteht.

Georg Schütte, Generalsekretär der VolkswagenStiftung: "Angesichts einer sich rasant verändernden Kommunikationslandschaft, in der evidenzbasierte Wissenschaft durch Desinformation vor allem im Internet diskreditiert und die Öffentlichkeit durch unzureichende Wissenschaftsberichterstattung verunsichert wird, beteiligt sich die Stiftung gerne an diesem Impuls zur Stärkung des Wissenschaftsjournalismus."

Rundumversorgung für Neugründer:innen

Die Startup-Förderung über den Fonds erfolgt in zwei Dimensionen: durch finanzielle Mittel in je nach Projekt variierender Höhe und flexibler Dauer sowie durch eine gründliche fachliche Beratung, d. h. Geförderten wird ein kostenloser Zugang zu einem Pool von unabhängigen Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Startup-Szene eröffnet, mit denen die Gründungsphase jedes Förderprojekts auch juristisch, ökonomisch, steuerlich etc. gestaltet werden kann. Ziel ist es, vielversprechende Neugründungen so lange und so umfassend zu begleiten, bis sie am Markt ein sichtbares Profil ausgebildet haben bzw. anschlussfähig geworden sind für Kooperationen mit anderen Akteur:innen im Medienbereich. Studien belegen, dass sich in den ersten drei Jahren entscheidet, ob eine Neugründung erfolgreich verläuft, und dass vor allem der Mangel an Geld, Netzwerken und professionellem Gründungs-Knowhow das Scheitern bedingt.

Den Rahmen für Neugründungen verbessern

Georg Schütte: "Mit seinem risikobereiten Ansatz und seiner Vorreiterrolle passt der Innovationsfonds sehr gut zu den Leitlinien der Stiftung, die mit ihrem Förderhandeln innovativ und impulsgebend wirken will. Mit dem Fonds wollen wir dazu beitragen, die Strukturen für Neugründungen im Wissenschaftsjournalismus nachhaltig zu verbessern und einen Rahmen zu schaffen, der sich bundesweit skalieren und auf andere journalistische Genres übertragen lässt. Durch die enge Einbeziehung wissenschaftlicher Beratung und Begleitung ist eine Rückkopplung in die Forschung sichergestellt."

Im Januar 2022 treffen sich WPK und Förderer zur konstituierenden Sitzung. Bald darauf soll die erste Ausschreibung erfolgen.