Tief im Schwarzwald: ein Forschungsinstitut von Weltrang

Das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach zählt zu den weltweit bedeutendsten Treffpunkten für Mathematiker und wird seit Jahrzehnten von der VolkswagenStiftung gefördert. Jetzt feiert die Einrichtung ihr 75. Jubiläum

Oberwolfach
Metallmodell der Boyschen Fläche vor dem Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO) (Foto: MFO)

Gerade einmal 2700 Einwohner zählt Oberwolfach, in einem Tal des nordwestlichen Schwarzwalds gelegen und bis heute verkehrstechnisch völlig abgeschieden. Trotzdem finden jedes Jahr fast genau so viele Gäste den Weg hierher, wie der Ort Bewohner zählt: 2500 Besucherinnen und Besucher, davon 70 Prozent aus dem Ausland, die zum Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO) pilgern.

Wer die umständliche Anreise auf sich nimmt, erwartet natürlich einen entsprechenden Lohn. Im MFO ist es die Chance, sich mit den international führenden Forscherinnen und Forschern aus der Mathematik im persönlichen Gespräch auszutauschen. Das Tagungsprogramm umfasst die gesamte Bandbreite dieser Disziplin, einschließlich ihrer Anwendungen in den Naturwissenschaften und der Technik. 

Zutritt nur auf persönliche Einladung

Sitzungsraum Oberwolfach
Einladung zu (mathematischen) Diskussionen: Sitzecke am Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach (Foto: MFO)

Der Institutsdirektor – seit 2013 ist es der Tübinger Mathematiker Gerhard Huisken – lädt persönlich die führenden Köpfe aus aller Welt ein, damit die sich in wöchentlich wechselnden Workshops mit breitester Themenstreuung über die neuesten Entwicklung in der Mathematik austauschen können.

Das MFO beherbergt Gastwissenschaftler und kleine Forschergruppen, bietet Fortbildungsseminare für junge Diplomanden und Doktoranden an sowie ein Postdoktorandenprogramm ("Oberwolfach Leibniz Fellows").

Bibliothek Oberwolfach
Gilt als eine der besten mathematischen Bibliotheken der Welt: die Bibliothek am Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach (Foto: MFO)

Früh schon, 1963, förderte die VolkswagenStiftung das FOM, finanzierte damals ein Gästehaus. 1987 trat ein Erweiterungsbau hinzu, zudem beteiligte sich die Stiftung - gemeinsam mit der Klaus Tschira Stiftung – an der Errichtung der Institutsbibliothek, die bis heute als weltweit führend angesehen wird.

Aufgrund dieser substanziellen Förderungen gilt die VolkswagenStiftung als wichtigste Wegbereiterin für den Erfolg des Instituts, das 2005 der Leibniz Gemeinschaft angegliedert wurde.

"Eine Verführung für Drittmittelgeber"

In einem Grußwort nannte der Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Wilhelm Krull, das MFO "eine Verführung für Drittmittelgeber". Es verfolge Ziele, die denen des Stiftungsengagements gleichen würden, nämlich "neue Ansätze und Fragestellungen aufzugreifen sowie Theorien, Arbeitsrichtungen, Methoden und auch neue Verbindungen zwischen den Fächern zu entwickeln und zu erproben". Die enge Verbundenheit zwischen MFO und Stiftung reicht bis in die Gegenwart: mit Bewilligungen vor allem für internationale Tagungen, aber auch für das Programm "Research in Pairs", das sehr kleinen Forschergruppen einen längeren Aufenthalt in Oberwolfach ermöglicht.

Eine Neugründung in den Trümmern des Krieges

Glasfassade am Mathematischen Forschungsinstitut
Ruhiger Rahmen für mathematische Forschung: das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach im nordwestlichen Schwarzwald (Foto: MFO)

Gegründet wurde das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach am 1. September 1944 von Wilhelm Süß, Mathematiker und damals Rektor der Universität Freiburg. Als Vorbild galt ihm das "Institute for Advanced Studies" in Princeton. Süß setzte ein wichtiges Signal für das Wiederanknüpfen an die lange Tradition herausragender Forschung zur Mathematik in Deutschland, die durch den Exodus unter der Nationalsozialisten ein abruptes Ende gefunden hatte. 

Süß führte das FOM 14 Jahre lang und legte in dieser Zeit den Grundstein für eine der weltweit bedeutendsten Einrichtungen seiner Art – in der völligen Abgeschiedenheit des Wolfach-Tales im nordwestlichen Schwarzwald.

Jens Rehländer