Was läuft falsch in der Transplantationsmedizin?

Forschende der Universität Heidelberg haben Fälle von „Manipulation in der Transplantationsmedizin“ untersucht – gefördert durch die VolkswagenStiftung. Ihr sozialwissenschaftlicher Aufsatz zum Thema erhielt nun einen Preis der Fritz Thyssen Stiftung.

Präparierte Organe
Auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin herrscht starker Wettbewerbsdruck. (Foto: andrey_orlov - stock.adobe.com)

In den letzten Jahren bestimmten immer wieder Skandale um manipulierte Organ-Wartelisten die Schlagzeilen – nicht ohne Spuren zu hinterlassen: Das Vertrauen in das System der Organspende wurde in weiten Teilen der Gesellschaft erschüttert. Für Viele stellte sich die Frage, warum in der deutschen Transplantationsmedizin betrogen wird. Zwei Forschende des Max-Weber-Instituts für Soziologie an der Universität Heidelberg haben sich auf die Suche nach Antworten begeben: Prof. Dr. Markus Pohlmann und Kristina Höly (M.A.) werteten Gerichtsakten und Prüfberichte aus, führten Interviews und kamen schließlich zum Ergebnis, das sowohl die Häufigkeit als auch die Art der Vergehen für ein organisiertes Handeln sprechen. Die Beweggründe für die Manipulationen machte das Autorenteam dabei abseits ökonomischer Interessen aus – etwa in den „organisationalen Anreizstrukturen“ oder der Reputationsorientierung der Beteiligten. Eine untergeordnete Rolle spielt hingegen deren Absicht, sich persönlich zu bereichern.


Prof. Pohlmanns und Kristina Hölys Forschung war Teil des Projekts „Der Kampf gegen Korruption und Manipulation – Regulierung und Selbstregulierung in Medizin und Wirtschaft“: Hierin setzte sich ein interdisziplinäres Team der Universität Heidelberg das Ziel, die Effektivität von Regulierungs- und Präventionsmaßnahmen gegen Korruption und Manipulation zu analysieren. Die VolkswagenStiftung förderte das Vorhaben im Rahmen ihrer inzwischen beendeten Initiative „Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft“.


Preis für hervorragenden Artikel

Ihre Ergebnisse veröffentlichten Pohlmann und Höly  in einem gemeinsamen Artikel mit dem Titel „Manipulation in der Transplantationsmedizin. Ein Fall von organisationaler Devianz?“ in der „Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie“. Dass letztlich nicht nur die Forschungsarbeit, sondern auch die nachträgliche Aufbereitung des Themas von besonders hoher Qualität war, würdigt nun ein Preis der Fritz Thyssen Stiftung für sozialwissenschaftliche Aufsätze: Die Jury im Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln zeichnete den Artikel als einen der zwei besten im fachbezogenen, deutschsprachigen Zeitschriftenjahrgang 2017 aus.

Weitere Informationen

Pohlmann, Markus; Höly, Kristina: Manipulation in der Transplantationsmedizin. Ein Fall von organisationaler Devianz? Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 2, Seite 181-207. DOI: https://doi.org/10.1007/s11577-017-0436-3

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