Opus Magnum: VolkswagenStiftung fördert zwölf "große Werke"

Zeit zum intensiven Arbeiten an einem wissenschaftlichen Buch – diese Möglichkeit erhalten Professorinnen und Professoren der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften durch eine Förderung im Rahmen der Initiative "Opus Magnum" der VolkswagenStiftung. 

Opus Magnum (Foto: Julia Fischer)
Opus Magnum (Foto: Julia Fischer)

Aus insgesamt 40 Anträgen in der vergangenen Ausschreibungsrunde von "Opus Magnum" konnten zwölf Professorinnen und Professoren zunächst die Gutachterinnen und Gutachter sowie im Anschluss das Kuratorium der Stiftung mit ihren Plänen für ein buchstäblich "großes Werk" überzeugen. Sie werden mit insgesamt rund 2 Mio. Euro unterstützt. 

Die Vielfalt der bewilligten Themen ist groß: So plant Medizinethikerin Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert (Universität Münster) ein Werk zum Thema "Autonomieschutz (in der Bioethik): Konzepte – Kontroversen – Kontexte". Ob bei medizinischen Behandlungen, in der Fortpflanzungsmedizin oder Sterbehilfe: dass die autonome Entscheidung von Patienten und Patientinnen bindend ist, führt in Theorie und Praxis zu verschiedenen Kontroversen. Diese will Bettina Schöne-Seifert kritisch wie systematisch aufarbeiten und für die Biomedizin nutzbar machen. Dafür erhält sie eine Förderung über 18 Monate.

Unter dem Arbeitstitel "Neue juristische Methodenlehre" rückt Prof. Dr. Joachim Lege, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Verfassungsgeschichte, Rechts- und Staatsphilosophie an der Universität Greifswald, selbige in den Fokus. Sie soll zum einen die gängigen juristischen Methoden wie "Subsumtion" auf eine neue, von der Philosophie des amerikanischen Pragmatismus geprägte Grundlage stellen, zum anderen soll der Rahmen des Nachdenkens über Methoden erweitert werden. Dies gilt sowohl in historischer Hinsicht als auch im Hinblick auf Grundfragen wie die, ob es juristische "Richtigkeit" gibt. Auch Joachim Lege kann seine Forschungsprofessur 18 Monate lang wahrnehmen. Mehr Informationen dazu gibt es in der Pressemitteilung der Universität Greifswald

Die weiteren ausgewählten Opera Magna: 

Prof. Dr. Ingo Berensmeyer: "Author Fictions: Literary Authorship and Authorpoiesis in Modern English Literature" (Universität München, Institut für Anglistik und Amerikanistik)

Prof. Dr. Hubertus Buchstein: "The 'Man of Darkness' and the 'Ugly Jew' – Carl Schmitt and Otto Kirchheimer" (Universität Greifswald, Institut für Politik- und Kommunikationswissenschaft) 

Prof. Dr. Renate Dürr: "De-centering the Enlightenment: Global Knowledge, Emotions, and Jesuit Practices in a German Cultural Encyclopedia" (Universität Tübingen, Seminar für Neuere Geschichte)

Prof. Dr. Stefan Gosepath: "Was, wenn überhaupt, ist ungerecht am Vererben?" (Freie Universität Berlin, Institut für Philosophie)

Prof. Dr. Thomas Grundmann: "Putting Critical Thinking in Its Place: A New Defense of Epistemic Authority" (Universität Köln, Philosophisches Seminar)

Prof. Dr. Elisabeth Kaske: "Twilight of the Mandarins: Office Selling and the End of Imperial China" (Universität Leipzig, Ostasiatisches Institut)

Prof. Dr. Andreas Nölke: "The Institutions of Contemporary Capitalism: Bridging the Gap between Comparative and International Perspectives" (Universität Frankfurt am Main, Institut für Politikwissenschaft)

Prof. Dr. Regine Prange: "Realismus als Formproblem. Verfremdung und Montage bei Gerhard Richter, Pier Paolo Pasolini, Alexander Kluge und Jean-Luc Godard" (Universität Frankfurt am Main, Kunstgeschichtliches Institut) 

Prof. Dr. Gerhard Vinken: "Kulturerbe als Aufgabe. Kanonisierung, Heterogenisierung, Politisierung" (Universität Bamberg, Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte)

Prof. Dr. Valeska von Rosen: "Das 'geformte Ich'. Künstlerselbstbildnisse in der Frühen Neuzeit" (Universität Düsseldorf, Institut für Kunstgeschichte)

Die fertigen Werke sollen dann ab 2023 im Buchhandel erhältlich sein. 

Hintergrund 

Mit ihrer Förderinitiative "Opus Magnum" gibt die VolkswagenStiftung Professorinnen und Professoren aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften die Möglichkeit, ein herausragendes wissenschaftliches Werk zu verfassen. Dafür werden sie von ihren dienstlichen Aufgaben in Lehre und Verwaltung freigestellt. Die Stiftung finanziert eine qualifizierte Vertretung für eine Dauer von sechs bis zu 18 Monaten und fördert somit nicht nur das Werk an sich, sondern auch jüngere Forschende. Zudem erhält die antragsstellende Person eine Pauschale pro Semester, insgesamt ist eine Förderung bis zu 180.000 Euro möglich. Der nächste Stichtag ist der 1. Februar 2022.