Neue Professur soll islamische Kultur vergangener Jahrhunderte erforschen

Die archäologischen Wissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main erhalten Verstärkung: Mit Mitteln der VolkswagenStiftung wird eine Professur für Islamische Archäologie und Kunstgeschichte eingerichtet, sie soll das sogenannte Kleine Fach insgesamt stärken.

Teller aus Scherben zusammengesetzt
Glasierte Keramik aus dem 9. Jahrhundert n. Chr., gefunden im syrischen Kharab Sayyar. (Foto: Ausgrabungsprojekt Kharab Sayyar)

"Die neue Professur fügt sich nahtlos in den bereits seit Jahren bestehenden Fächerkanon und das Bachelor-Master-Studienprogramm des Institutes ein. Zudem wird es viele Anknüpfungspunkte an andere Disziplinen im Fachbereich und weit über die Goethe-Universität hinausgeben", so Prof. Dr. Dirk Wicke, der in Frankfurt die Archäologie Vorderasiens lehrt und den Förderantrag gestellt hatte. Er erwarte einen innovativen Forschungsschub, außerdem würden neue Impulse für eine stärkere Internationalisierung gesetzt. 

Historische Mauer mit Fensteröffnung
Das Wüstenschloss Qasr al-Kharana in Jordanien, erbaut im späten 7. Jahrhundert n. Chr.. (Foto: Jutta Eichholz)

Möglich wird der zusätzliche Forschungszweig durch die Förderung im Rahmen der Initiative "Weltwissen ‒ Strukturelle Stärkung Kleiner Fächer", mit der die VolkswagenStiftung seit 2017 strukturell unterrepräsentierte Wissensgebiete mit hohem Innovationspotenzial fördert. Insgesamt stellt sie knapp eine Million Euro zur Verfügung: Neben der Einrichtung der Professur für zunächst sechs Jahre soll es u.a. ein Programm für Gastwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen geben, aber auch Forschungsprojekte angeschoben sowie die Infrastruktur gestärkt werden. Der Fortbestand der Professur im Anschluss ist bereits durch das Präsidium der Universität sowie den Fachbereich gesichert.

Ausgrabungsstätte
Frühislamische Badeanlage (9. Jahrhundert n. Chr.) von Kharab Sayyar (Foto: Ausgrabungsprojekt Kharab Sayyar)

Islamische Archäologie und Kunstgeschichte

Das Fach beschäftigt sich mit den materiellen Zeugnissen der islamischen Welt von etwa dem 7. Jahrhundert nach Christus bis in die heutige Zeit in dem weiten geographischen Rahmen von Marokko bis Indonesien und von Zentralasien bis zur Sahara. Es verfolgt im Wesentlichen kulturhistorische Fragestellungen anhand der materiellen Kultur des Islam und arbeitet eng mit historischen und philologischen Disziplinen wie der Orientalistik oder den Islamischen Studien zusammen. Gerade angesichts der politischen Unruhen im Nahen Osten zählen auch der Erhalt des islamischen kulturellen Erbes und dessen Vermittlung in Gegenwart und Zukunft zu den Aufgaben dieser Wissenschaft.

Der letzte Stichtag der Initiative "Weltwissen – Strukturelle Stärkung Kleiner Fächer" ist der 12. April 2021.