KI trifft Kultur: Drei Projekte erhalten Förderung

Im Rahmen ihres gemeinsamen Programms LINK-Masters ermöglichen die Stiftung Niedersachsen und die VolkswagenStiftung drei Projektteams, ihre Ideen an der Schnittstelle von Kunst und Künstlicher Intelligenz umzusetzen. Unterstützt werden Vorhaben aus den Bereichen Musik, Theater und Performance.

Zwei Kettenglieder greifen ineinander.
Lassen sich Kreativität und Technik vereinbaren? Das Programm "LINK - Künstliche Intelligenz in Kunst und Kultur" sucht nach Antworten. (Grafik: Stiftung Niedersachsen)

"Die Projektideen machen KI sinnlich und ästhetisch erfahrbar, zeigen Potenziale der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine auf und loten deren Grenzen aus", sagt Dr. Tabea Golgath von der Stiftung Niedersachsen. So soll im Vorhaben "ANA" KI als "empathische Theaterinstallation" gemeinsam mit Besucher:innen die Entwicklung von Geschichten ermöglichen. Ein Ziel ist es, das Potenzial von Empathie zwischen KI und Nutzenden aufzuzeigen und so zum Verständnis von Mensch-Maschine-Relationen beizutragen.

Das Team von "Patterns in between Intelligences" entwickelt eine Performance, in der durch die Choreografie, interaktive textile Kostüme und Live-Coding die Prozesse hinter KI sichtbar werden. Durch die Übersetzung von KI in physische Bewegungen wird die komplexe Technik greif- und erfahrbar. Im Projekt "DANCETRONIC" wird das Barockstück "Die Insel der Alcina" von Ludovico Ariost durch heutige Technik ergänzt: In der Tanzperformance agieren Tänzer:innen mit robotischen Figuren auf der Bühne. So wollen die Beteiligten zeigen,  wie Künstliche Intelligenz, Robotik und Video-Mapping im Theater angewendet werden können (mehr Informationen zu den drei Projekten am Ende des Textes)

Eine Frau und ein Mann auf einer Theaterbühne, er spielt ein altertümliches Zupfinstrument
Bei DANCETRONIC interagieren die Tänzer:innen auf der Bühne mit robotischen Figuren, unterstützt durch interaktives Video-Mapping und live gespielte Barockmusik. (Bild: DANCETRONIC - baroque meets robotics, Markus Schweitzer)

"Die Möglichkeiten von KI in vielen technischen Bereichen sind bekannt. Die nun ausgewählten Projekte zeigen jedoch eindrucksvoll die kreativen Potenziale von KI im Zusammenspiel mit der Kunst und regen so die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Technologie an", sagt Dr. Adelheid Wessler, Leiterin des Teams "Gesellschaftliche Transformationen" bei der VolkswagenStifung. Ausgewählt wurden die Vorhaben aus zehn Ideen, die vorab mithilfe von Planning Grants in Höhe von je 10.000 Euro in den vergangenen sechs Monaten entwickelt und konkreter ausgearbeitet wurden. 

Im Rahmen des Programms LINK-Masters fördern die Stiftung Niedersachsen und die VolkswagenStiftung gemeinsam wegweisende KI-Projekte zwischen Kunst und Wissenschaft. Die einzelnen Projekte erhalten jeweils bis zu 150.000 Euro, um ihre Projekte in den nächsten 18 Monaten umzusetzen. LINK-Masters ist ein Teil des Programms "LINK – Künstliche Intelligenz in Kunst und Kultur", das seit 2018 von der Stiftung Niedersachsen durchgeführt wird.

Mehr zu den bewilligten Projekten

"ANA – eine empathische Theaterinstallation zu gemeinsamer Geschichtsimprovisation

Beteiligte: Christian Ziegler (Regisseur, Medienkünstler und Architekt), Leonid Berov (Universität Osnabrück), Gunter Lösel (Zürcher Hochschule für Künste) und Ilja Mirsky (Institut für theatrale Zukunftsforschung am Zimmertheater Tübingen sowie Universität Tübingen)

Idee des Projekts ist es, eine interaktive, multimodale Theaterinstallation zu entwerfen, in der ein Chatbot und Besuchende gemeinsam eine Geschichte improvisieren. Dazu kommunizieren Besuchende in einem technisch entsprechend ausgestatteten Raum über Mikrofone und Kameras mit dem Chatbot, der wiederum über die Beleuchtung, Geräusche, Rhythmen und Temperatur seine eigene Stimmung ausdrücken kann. Gemeinsam wird so eine Geschichte entwickelt und auf die emotionalen Signale des Gegenübers reagiert. Ein Ziel des Projekts ist es, das Potenzial von Empathie zwischen KI und Nutzenden aufzuzeigen und so zum Verständnis von Mensch-Maschine-Relationen beizutragen.

"DANCETRONIC – Baroque Meets Robotics"

Beteiligte: Andreas Karguth (GentleRobotics), Christian Fuchs (Puppenspieler und Regisseur), Alon Sariel (Musiker und Leiter Concerto Foscari), Marion Rennert (Tanzpädagogin), Patricia Hoffmann (Regisseurin, Autorin und Choreografin) und Dirk Rauscher (Art Direction und Motion Design)

Das Vorhaben experimentiert damit, die barocke Erzählung "Die Insel der Alcina" von Ludovico Ariost mit heutiger Technik zu vollenden. In der Mensch-Roboter-Tanzperformance interagieren die Tänzer:innen auf der Bühne mit robotischen Figuren. Die Kombination aus dynamischen Körper- und Maschinenbewegungen in Verbindung mit interaktivem Video-Mapping und live gespielter Barockmusik, die durch KI einen neuen Klang erhält, bietet den Zuschauenden ein barockes Erlebnis. Das Robotik-Design der Figuren basiert auf Leichtbaukonzepten der Biomechanik und ihre Bewegungen erfolgen teilautonom. Mit dem Projekt soll gezeigt werden, wie Künstliche Intelligenz, Robotik und Video-Mapping im Theater angewendet werden können.

"Patterns in between Intelligences

Beteiligte: Mika Satomi (Künstlerin und Designerin), Alex McLean (Musiker und KI-Forscher), Juan Felipe Amaya Gonzalez (Performancekünstler), Deva Schubert (freie Choreografin), Lotta Beckers (Dramaturgie) und Magdalena Emmerig (Bühnenbild)

Das Projekt setzt sich damit auseinander, wie Algorithmen und Künstliche Intelligenz zu erklären sind und umfasst eine plastische Umsetzung zur Vermittlung einer transparenten KI. Das Ziel ist es, eine gemeinsame Performance zu entwickeln, in der durch die Choreografie, interaktive textile Kostüme und Live-Coding die Prozesse hinter KI sichtbar werden. Jede Person repräsentiert einen ‚Node‘ des Netzwerks, das wächst, sich verändert, Muster aufbricht und wieder Neues schafft, der menschliche Körper wirkt als Prozessor. Hier ist eine choreografierende Person gleichzeitig eine programmierende. Durch die Übersetzung von KI in physische Bewegungen wird die komplexe Technik greif- und erfahrbar.