Kein Täter werden

Nach Berlin, Kiel, Regensburg und Leipzig wird es jetzt auch in Hannover an der Medizinischen Hochschule Therapieangebote zur Prävention von Kindesmissbrauch geben.

Nach Berlin, Kiel, Regensburg und Leipzig wird es jetzt auch in Hannover an der Medizinischen Hochschule Therapieangebote zur Prävention von Kindesmissbrauch geben.

Personen, die auf Kinder gerichtete Fantasien haben, jedoch keine Übergriffe begehen wollen, können sich ab sofort an den Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Sexualmedizin der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wenden. Die MHH wird nach Berlin, Kiel, Regensburg und Leipzig der fünfte Standort des Forschungs- und Präventionsprojektes Dunkelfeld, das Sexualstraftaten an Kindern verhindern soll. Das Projekt wird vom Niedersächsischen Sozialministerium mit insgesamt 360.000 Euro zunächst für drei Jahre unterstützt. Bereits 2005 startete das außergewöhnliche Projekt "Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld" am Institut für Sexualmedizin der Charité in Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Klaus Michael Beier. Die VolkswagenStiftung unterstützte das Vorhaben in ihrer Förderinitiative "Offen – für Außergewöhnliches" mit insgesamt 730.000 Euro. Darüber hinaus fördert die Kinderschutzstiftung Hänsel und Gretel das Projekt seit seinem Start 2005. Hintergrund
Mit diesem weltweit einzigartigen Projekt wollen die Sexualwissenschaftler darauf hinweisen, dass pädophil veranlagte Männer nicht zwangsläufig
Kinder missbrauchen. Die präventive Behandlung soll den Männern helfen, keine Übergriffe auf Kinder zu begehen. Im Rahmen der Therapie lernen sie
ihr Verhalten zu kontrollieren und in Konfliktsituationen rechtzeitig gegenzusteuern. Dass eine solche Prävention dringend notwendig ist, zeigen die Zahlen: Jedes Jahr werden mindestens 12.000 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland offiziell bekannt – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher. Hier greift das Projekt: Es wendet sich zum einen an all diejenigen, die entweder bislang unerkannte Täter sind, jedoch weiteren Übergriffen vorbeugen wollen, sowie zum anderen an jene Männer, die ihre Fantasien noch nicht in die Tat umgesetzt haben, dies aber befürchten. Mehr Informationen unter www.kein-taeter-werden.de