Künstliche Intelligenz: 12 Mio. Euro Förderung

Für acht interdisziplinäre Forschungsverbünde aus den Gesellschafts- und Technikwissenschaften, die sich dem Spannungsfeld Künstliche Intelligenz (KI) und Gesellschaft widmen, hat die VolkswagenStiftung insgesamt rund 12 Mio. Euro bewilligt.

Illustration: Phonlamai Photo - shutterstock.com
Die Förderinitiative richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in Konsortien aus Technik-, Gesellschafts- und/oder Geisteswissenschaften zusammenfinden. (Illustration: Phonlamai Photo - shutterstock.com)

Welche Chancen bietet KI? Wo liegen Risiken? Und vor allem: Was bedeuten neue Technologien für die Gesellschaft – und für jeden Einzelnen? Zur Beantwortung dieser Fragen, die neben den technischen auch die ethischen, moralischen und normativen Folgen der Entwicklungen betrachten, muss auch die Wissenschaft beitragen. Damit Technik- und Gesellschaftswissenschaften hierfür ihre Kompetenzen bündeln, schafft die VolkswagenStiftung mit ihrer Förderinitiative "Künstliche Intelligenz - Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen" den Rahmen für interdisziplinäre Forschungsverbünde. So ermöglicht die Stiftung durch die fachübergreifende Zusammenarbeit Perspektivwechsel, die neue Einsichten und Lösungsansätze eröffnen und stärkt die fach- und länderübergreifende Forschung zur verantwortungsvollen Weiterentwicklung von KI-Systemen. 

In der zweiten Bewilligungsrunde der Initiative bewilligte das Stiftungskuratorium nun acht von 17 Projekten, die für diese Initiative vorgeschlagen worden waren. In den interdisziplinären Forschungsgruppen haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bspw. aus den Rechts-, Sprach- und Sozialwissenschaften, sowie Informatik, Medizin, Philosophie und Cybersicherheit zusammengefunden. Die Vorhaben sind auf drei bis vier Jahre angelegt und erhalten jeweils rund 1,5 Mio. Euro Förderung. Die Projekte widmen sich Gebieten, in denen KI-Systeme bereits eingesetzt oder perspektivisch zum Einsatz kommen wie dem Gesundheitswesen, sozialen Wohlfahrtssystemen, Stadt- und Verkehrsplanung oder Falschinformationen und Meinungsbildung in den sozialen Medien.

Übersicht der acht bewilligten Projekte

Explainable Intelligent Systems (EIS) 

Disziplinen: Informatik, Philosophie, Psychologie und Recht

Im Projekt geht es um die Erklärbarkeit von KI-basierten Entscheidungen und damit um eine der Schlüsselfragen des Einsatzes von KI-Systemen in der Gesellschaft.

Projektbeteiligte:
Jun. Prof. Dr. Lena Kästner, Prof. Dr. Georg Borges, Prof. Dr. Ulla Wessels, Dr. Markus Langer, Prof. Dr. Holger Hermanns, alle Universität des Saarlandes; Prof. Dr. Eva Schmidt, Technische Universität Dortmund 


Reclaiming Individual Autonomy and Democratic Discourse Online: How to Rebalance Human and Algorithmic Decision Making 

Disziplinen: Psychologie, Informatik, Bildungsforschung und Cybersicherheit

Das Forschungsvorhaben fokussiert auf gezielte Manipulation durch Falschinformation auf großen Internet-Plattformen und auf die Entwicklung transparenter Informationsarchitekturen.  

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Ralph Hertwig, Dr. Stefan Herzog, beide Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin; Prof. Dr. Tina Eliassi-Rad, Northeastern University, Boston/USA; Prof. Stephan Lewandowsky, PhD, Prof. Dr. Awais Rashid, beide University of Bristol, Bristol/Großbritannien


Human-AI-Interaction in Healthcare: Identifying Factors Contributing to Clinical Utility

Disziplinen: Psychologie, Informatik, Medizin

Das Projekt nimmt die Optimierung von Mensch-KI-Interaktionen im Gesundheitswesen in den Blick, u.a. im Sinne einer Verbesserung der Patientensicherheit.

Projektbeteiligte:
PD Dr. Eva Lermer, Ludwig-Maximilians-Universität München; Dr. Marzyeh Ghassemi, University of Toronto, Toronto/Kanada; Dr. Andreas Schicho, Universitätsklinikum Regensburg


Bots Building Bridges (3B): Theoretical, Empirical, and Technological Foundations for Systems that Monitor and Support Political Deliberation Online

Disziplinen: Informatik, Sozialwissenschaften, Psychologie 

Das Projekt will Werkzeuge und Methoden zur Identifikation und Wirkungsweise manipulativer "Social Bots" entwickeln und zielt auf Strategien für mögliche Gegenmaßnahmen, um die freie politische Meinungsbildung im Internet zu unterstützen.

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Philipp Cimiano, Prof. Dr. Elena Esposito, beide Universität Bielefeld; Dr. Robert Ackland, Australian National University, Canberra/Australien; Prof. Dr. Udo Seelmeyer, Fachhochschule Bielefeld; Prof. Dr. Tony Veale, University College Dublin, Dublin/Irland


Deliberation Laboratory (DeLab)

Disziplinen: Sozialwissenschaften, Philosophie, Soziologie, Sprachwissenschaften

Mit dem DeLab zielt das Projekt auf ein KI-Interventionssystem, mit dem konstruktive, vernünftige und verantwortungsvolle Kommunikation in den sozialen Medien über kulturelle Grenzen hinweg gelingen kann.

Projektbeteiligte:
Dr. Valentin Gold, Georg-August-Universität Göttingen; Prof. Dr. John Parkinson, Maastricht University/Niederlande; Dr. Katarzyna Budzynska, Warsaw University of Technology, Warschau/Polen; Prof. Chris Reed, Ph.D., University of Dundee, Dundee/Großbritannien; Dr. Annette Hautli-Janisz, Universität Konstanz


Consequences of Artificial Intelligence for Urban Societies (CAIUS) Using Impact-Aware AI to Make Smart Cities Socially Equitable

Disziplinen: Sozialwissenschaften, Informatik, Informationswissenschaften

Das Projekt untersucht die Chancen und Risiken für den Einsatz intelligenter Systeme bei der Stadt- und Verkehrsplanung.
 
Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Kai Eckert, Hochschule der Medien, Stuttgart; Prof. Dr. Frauke Kreuter, Dr. Ruben Bach, Dr. Christoph Kern, Prof. Dr. Heiner Stuckenschmidt, alle Universität Mannheim


AI FORA – Artificial Intelligence for Assessment

Disziplinen: Sozialwissenschaften, Soziologie, Informatik

Das Projekt untersucht den Status Quo der KI-basierten sozialen Bewertung, die der Verteilung öffentlicher Dienstleistungen zugrunde liegt. Die Erkenntnisse sollen bessere KI-Technologien für soziale Wohlfahrtsysteme ermöglichen.

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Petra Ahrweiler
, Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Prof. Dr. George Kampis, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, Kaiserslautern; Prof. Dr. Elisabeth André, Universität Augsburg, Prof. Nigel Gilbert, Ph.D., University of Surrey, Surrey/Großbritannien; Dr. Alexandra Penn, CECAN Centre for the Evaluation of Complexity Across the Nexus, Guildford/Großbritannien


Towards a Science of Curiosity

Disziplinen: Informatik, Bildungsforschung

Ziel des Projektes ist es, zu verstehen, wie Kinder ihre Umwelt explorieren, um über eine Theorie der kindhaften Neugier dieses Verhalten in Computeralgorithmen umzusetzen. Daraus könnten Roboter entstehen, die ein ähnliches Lernverhalten zeigen.

Projektbeteiligte:
Dr. Eric Schulz, Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik; Dr. Georg Martius, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Tübingen; 
Prof. Dr. Azzurra Ruggeri, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin

Weitere Informationen zur Förderinitiative: "Künstliche Intelligenz ‒ Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen".