Im Bann von Leichen, Tod und Teufel

Das Thema der Debütveranstaltung von "Herrenhausen Late" war "Unsere makabre Freude an Leichen: Alles über Krimiserien". Mit der neuen Reihe hat die VolkswagenStiftung ein großes Publikum interessiert: Am Abend des 10. Juli 2013 diskutierten mehr als 300 Gäste im Schloss Herrenhausen mit Medienwissenschaftlern über die menschliche Faszination für Mord, Zerstörung, Gut und Böse.

Herrenhausen Late "Unsere makabre Freude an Leichen: Alles über Krimiserien" mit Prof. Dr. Christoph Klimmt von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover und Gast-Professor Arthur A. Raney, Ph.D. von der Florida State University. Foto: Is
Herrenhausen Late "Unsere makabre Freude an Leichen: Alles über Krimiserien" mit Prof. Dr. Christoph Klimmt von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover und Gast-Professor Arthur A. Raney, Ph.D. von der Florida State University. Foto: Isabel Winarsch.

Der Ansturm auf den Festsaal vom Schloss Herrenhausen war groß: Bereits kurz nach Einlassbeginn waren sämtliche Stühle, Lounge-Sofas und Stehtische voll besetzt. Die Referenten Prof. Dr. Christoph Klimmt von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover und Gast-Professor Arthur A. Raney, Ph.D. von der Florida State University wollten mit ihrem Vortrag "Unsere makabre Freude an Leichen: Alles über Krimiserien" zur morbiden Begeisterung für Leichen einen Nerv der Zeit aufgreifen: Inzwischen ist an jedem Tag der Woche im Fernsehprogramm die Auswahl an Krimiserien mit brutalen Kapitalverbrechen groß – unabhängig davon, ob es sich um die Wiederholungen des Tatorts auf den dritten Programmen oder um immer neue Serienformate aus den USA handelt.

Aber was treibt Menschen dazu an, immer wieder Fingernägel-kauend und mit Schweißausbrüchen mit den Protagonisten mitzufiebern, obwohl zumeist klar ist, dass am Ende das Gute obsiegt? Diese zentrale Frage stellten die beiden Wissenschaftler dem Hannoveraner Publikum und näherten sich der Antwort aus medienpsychologischer Sicht: Raney bezeichnet das Phänomen als "Happy End Effect", und Klimmt beschrieb es als Gefühl der maximalen Erregung, welches beim Zuschauer ausgelöst wird, wenn eine bedrohliche Situation noch einmal glimpflich ausgegangen ist.

Doch auch andere Serien, in denen das Böse als Protagonist die Oberhand behält, erfahren beim Publikum einen hohen Zuspruch. Exemplarisch analysierten Klimmt und Raney die US-Serien Dexter sowie Breaking Bad und nannten hier "observing brilliance" als Schlagwörter: Sie führten aus, dass der Zuschauer die Brillanz verschiedener Elemente wie die des Kriminalbeamten, der seinen Kollegen immer einen Schritt voraus ist, emotional anspricht. Doch auch die Brillanz eines Mörders, der keinerlei Spuren hinterlässt, oder die einer optisch besonders beeindruckenden Zerstörung beispielsweise eines Polizeireviers fasziniert die Menschen – auch wenn sie es laut Klimmt und Raney oftmals nicht zugeben wollen. Nur, dass am Ende eines Krimis dem menschlichen Gerechtigkeitssinn Genüge getan werden muss, ist nach Analyse der beiden Wissenschaftler ein unverzichtbarer Bestandteil für die Zufriedenheit des Zuschauers.