Ikonen von gestern zukünftig erhalten

Die Gläsernen Figuren galten bei ihrer Entstehung in den 1930er-Jahren als Sensation des modernen Ausstellungswesens. Dank ihrer durchsichtigen Haut aus dem damals neuartigen Kunststoff Celluloseacetat geben sie den Blick auf die Anatomie des menschlichen Körpers frei und veränderten damit die Art und Weise, wie Körperwissen vermittelt werden kann. Doch der Zahn der Zeit hinterließ seine Spuren: Neben altersbedingten Materialermüdungen kam es in der Vergangenheit zu unsachgemäßen Reparaturen, Verschmutzungen und Transportschäden. Bisher fehlten jedoch Konservierungs- und Restaurierungskonzepte für die Figuren.
 

Frau arbeitet an Gläsernem Mann
Konservatorin Maria Lörzel arbeitet am "Gläsernen Mann" von 1935. (Foto: Oliver Killig)

Innerhalb des noch bis 2021 laufenden Projektes "Gläserne Figuren: Ausstellungsikonen des 20. Jahrhunderts – Ein interdisziplinäres Forschungskolleg zur langfristigen Bewahrung von Objekten aus Kunststoff" ergründen Forschende der Hochschule für Bildende Künste Dresden, der Technischen Universität Dresden sowie der Technischen Hochschule Köln gemeinsam mit dem Deutschen Hygiene-Museum in Dresden die historischen Artefakte und den Kunststoff Celluloseacetat. Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist, den Alterungsprozess der Gläsernen Figuren besser zu verstehen und Möglichkeiten zu finden, ihn zu verlangsamen. Gefördert werden sie dabei von der VolkswagenStiftung im Rahmen der Förderinitiative "Forschung in Museen". 
 

Detailaufnahme des Rumpfs
Ermöglicht konservatorische Maßnahmen im Inneren: Der "Gläserne Mann" kann auf Höhe seiner Hüfte geteilt werden. (Foto: Oliver Killig)

Klassische und erprobte Methoden müssen überdacht werden

Im Verlauf des Projekts wurde zunächst das Altern des Kunststoffs künstlich simuliert. Dieses Verfahren lieferte Erkenntnisse über Einflussfaktoren des Umgebungsklimas, insbesondere der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur. Weil die Außenhaut der Figuren ganz oder teilweise geschlossen ist, müssen klassische und erprobte Methoden der Konservierung überdacht werden. Im Fall des Gläsernen Mannes von 1935 sind konservatorische Maßnahmen beispielsweise nur an den Stellen möglich, die durch eine Teilung des Objekts an der Taille zugänglich sind. Dies wirft beispielsweise die restaurierungsethische Frage auf, ob der Alterungsprozess dadurch künftig ungleichmäßig voranschreiten könnte.

Die aktuell durchgeführten Arbeitsgänge sind vorrangig konservatorischer und nicht restauratorischer Natur: Die zugänglichen Stellen werden gereinigt, Farbschichten gefestigt, unsachgemäße Reparaturen entfernt und brüchige Skelettteile gesichert.
 

Mehr zu den "Gläsernen Figuren"

Informationen zum interdisziplinären Forschungskolleg finden Sie unter "Gläserne Figuren: Ausstellungsikonen des 20. Jahrhunderts".