Glückwünsche nach Bukarest: 25 Jahre New Europe College

Mögen die Regierungen ihrer Heimatländer auch zerstritten sein – im New Europe College (NEC) arbeiten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Schwarzmeerländern friedlich an gemeinsamen Projekten – und erfüllen so die Vision des NEC-Gründers Andrej Plesu

People at conference table
Andrei Pleșu, Gründer und Rektor des New Europe College (NEC) in Bukarest, in der Diskussion mit jungen Geistes- und Sozialwissenschaftlern. (Foto: Nick Neufeld für VolkswagenStiftung)

Es waren politisch turbulente, aber auch chancenreiche Zeiten, als Andrej Plesu 1994 das New Europe College (NEC) in Bukarest ins Leben rief. Der einstige Ostblock war gerade in seiner Auflösung begriffen. Viele Staaten, die vorher von Moskau kontrolliert wurden, richteten sich politisch neu aus – auch in Richtung Westen.

Das NEC, als "Institute for Advanced Studies" gegründet, sollte ein Ort für den Dialog über alte Grenzen hinweg sein. Zwischen Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus dem erweiterten Europa und solchen aus früheren Sowjetrepubliken. Die brückenbauende Mission des NEC ist untrennbar verbunden mit der Biografie seines Gründungsdirektors.

Aus der Verbannung in die Regierung

Andrej Plesu wurde 1948 in Bukarest geboren, studierte dort Kunstgeschichte und -theorie, wurde Professor an der Akademie der Schönen Künste, aber auch als Schriftsteller bekannt. 1982 entzog man ihm die Professur aus politischen Gründen. Nach Jahren als Forschungsassistent wurde er 1989 in das Dorf Tescani verbannt.

Kurz darauf katapultierte der politische Umbruch ihn aber aus dem Exil zurück in das Zentrum des Landes: Er wurde zum ersten Kulturminister Rumäniens ernannt und diente seinem Land von 1997-1999 sogar als Außenminister. Die Annäherung Rumäniens an die Europäische Union sah er als eine seiner wichtigsten Aufgaben.

Seit vielen Jahr von der VolkswagenStiftung gefördert

Dass NEC hat von Plesus internationalen Kontakten, nicht zuletzt aus seiner Zeit als Diplomat, enorm profitiert. Internationale Kolloquien und Gastaufenthalte führen Forscherinnen und Forscher aus vielen Ländern ins NEC, wo sie sich mit ihren rumänischen Kolleginnen und Kollegen austauschen. Sein Bestreben sei es, so Plesu, "Südosteuropa wieder als akademischen Ort auf der Weltkarte der Wissenschaften zu etablieren."

Während in Ungarn und Polen unabhängige Forschungseinrichtungen von den Regierungen teils massiv unter Druck gesetzt werden, erfreut sich das NEC weiterhin der Solidarität internationaler Förderer. Die VolkswagenStiftung ist seit dem Gründungsjahr dabei, erst mit einer Startförderung, danach mit einem Zuschuss für das Institutsgebäude. Später folgte das Fellowship-Programm "Black Sea Link", seit 2012 fördert die Stiftung die "Pontica Magna Initiative".

Das NEC setzt dem aggressiven Nationalismus die friedliche Zusammenarbeit entgegen

Was beide Förderprogramme verbindet: das Ziel des NEC, eine junge Generation begabter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu fördern, mit unterschiedlichen Vorhaben in verschiedenen Disziplinen, insbesondere aus Ländern nördlich und südlich des Schwarzen Meeres: Moldawien, Ukraine, Russland, Belorussland, Armenien, Aserbaidschan und Georgien; aber auch aus zentralasiatische Staaten und der Türkei. Sie alle begegnen sich in den Räumen des NEC, um ein oder zwei Semester lang an gemeinsamen Projekten zu arbeiten.

 "Überall sind neue Generationen begabter Forscher zu entdecken und zu unterstützen", sagt Plesu, der der NEC Foundation heute als Präsident dient, während Valentina Sandu-Dediu ihm als Rektorin folgte. "Der Bau dauerhafter Brücken zu Partnern im Ausland ist notwendig, die wissenschaftlichen Eliten müssen sich gegenseitig besser kennen und voneinander lernen."

Jens Rehländer