100 Sprachen vor dem Vergessen gerettet

Mit 28 Mio. Euro hat die VolkswagenStiftung seit 1999 Projekte in 71 Regionen auf allen Kontinenten unterstützt. Jetzt ziehen Projektbeteiligte, Experten aus aller Welt und Wissenschaftsjournalist(inn)en eine Bilanz der Förderinitiative "Dokumentation bedrohter Sprachen" (DobeS).

Unter dem Titel "Bedrohte Sprachen. Warum die Vielfalt stirbt – und wie Forscher kulturelles Wissen vor dem Vergessen retten" ist jetzt eine 28-seitigen Broschüre als Beihefter von Spektrum der Wissenschaft erschienen. Darin berichten Wissenschaftsjournalist(inn)en und Sprachforscher(innen) über die Förderinitiative "Dokumentation bedrohter Sprachen" (DobeS).

Die Broschüre zum Download (pdf, 12 MB)

Internationale Konferenz und Abendvortrag

Vom 5. bis 7. Juni 2013 versammeln sich Projektbeteiligte und Experten aus aller Welt in Hannover, um eine Bilanz der Förderinitiative zu ziehen und eine Agenda für die Zukunft zu definieren.

Im Rahmen dieser Abschlussveranstaltung der Förderinitiative "Bedrohte Sprachen" lädt die VolkswagenStiftung zu einem öffentlichen Abendvortrag am 4. Juni um 19 Uhr ein. Zu Gast sind die Sprachwissenschaftler Ulrike Mosel und Nicholas Evans, die von ihren Forschungsarbeiten in der Südsee berichten.

Die DobeS-Initiative der VolkswagenStiftung

In weniger als 100 Jahren, so schätzt die UNESCO, wird die Hälfte der heute noch etwa 6500 Sprachen ausgestorben sein. "Großsprachen" wie Chinesisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch dominieren die Welt. Schon haben Dreiviertel aller übrigen Sprachen eine so geringe Sprecherzahl, dass diese in Summe gerade mal ein Prozent der Menschheit ausmachen. Wenn aber eine Sprache stirbt, dann stirbt letztlich ein Stück des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit.

Deshalb initiierte die VolkswagenStiftung 1999 das damals einmalige Programm "Dokumentation bedrohter Sprachen" (DobeS). Seither wurde mit Fördermitteln die Dokumentation von rund 100 Sprachen ermöglicht, von Nordostsibirien bis zu den Marquesa-Inseln.

Die umfassenden multimedialen DobeS-Dokumente sind nun Bestandteil des Language Archive am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nimwegen, aufbereitet für die Nutzung in Wissenschaft und Öffentlichkeit und zugänglich über das Internet (dobes.mpi.nl).

So werden etwa Linguisten oder Ethnologen ein lebendiges Bild der Sprecher, ihres kulturellen Wissens und ihres Soziallebens auch dann noch vor Augen haben können, wenn keiner die Sprache mehr spricht. Es gibt sogar Hoffnung, dass manche der Sprachen doch nicht aussterben, da die Gemeinschaften durch die fremde Wertschätzung ihr ureigenes Kulturgut wieder mehr achten und entgegen aller widriger Einflüsse am Leben erhalten wollen.