Die Fotografie des Christian Borchert

Eine Ausstellung im Sprengel Museum Hannover und eine Publikation zu den wichtigsten Werkgruppen wurden durch die Erschließung des umfangreichen Archivs des Fotokünstlers möglich.

Kindergruppe vor Schloss, schwarzweis-Foto
Christian Borchert, Schlossruine am Theaterplatz, 1980, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett (SLUB Dresden / Deutsche Fotothek)

Der 1942 in Dresden geborene Fotograf Christian Borchert hinterließ bei seinem Tod im Jahr 2000 über 200.000 Schwarz-Weiß-Negative, etwa 5.500 Farbdiapositive, rund 20.000 Arbeitsabzüge in kleineren Formaten und 4.000 Abzüge in Ausstellungsformaten.

Seine Motive reichen von Alltagsmomenten des Lebens in der DDR über Portraits von Künstlerinnen und Künstlern bis zur Langzeitdokumentation des Wiederaufbaus der Semperoper Dresden und Impressionen der Nachwendezeit.

Die sorgfältige Archivierung seiner Bilder und anderer Medien war wichtiger Bestandteil seines Arbeitens, sodass eine detaillierte Erschließung seines umfassenden Werks möglich war. Gefördert von der VolkswagenStiftung hat Kunsthistoriker Dr. Bertram Kaschek vom Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die Leistungen Christian Borcherts als Fotograf, Archivar und Medienarchäologe erforscht. Neben einer umfangreichen Publikation entstand auch die Ausstellung "Christian Borchert - Tektonik der Erinnerung", die noch bis zum 20. September 2020 im Sprengel Museum in Hannover zu sehen ist. 

In der Ausstellung sind rund 80 Bilder von Borchert aus allen Schaffensperioden zu sehen; sie zeigen, wie in seinem von einem hohen zeitgeschichtlichen Bewusstsein getragenen Werk archivarisch-dokumentarische und künstlerisch-poetische Strategien nahe bei einander liegen. Mit Bildwanderungen ermöglicht das Sprengel Museum auf der Website eine sehr persönliche Begegnung mit einzelnen Fotos – vermittelt durch die Perspektive von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern sowie von Bewunderern.

Begleitveranstaltungen zur Ausstellung

Als Begleitveranstaltung zur Ausstellung "Christian Borchert. Tektonik der Erinnerung" bietet das Museum am 30. August, 11 Uhr einen Vortrag von Bertram Kaschek über den Fotokünstler; am 11. September, 15 Uhr findet eine Einführung durch Alexander Leinemann statt. 

Publikation

"Christian Borchert. Tektonik der Erinnerung", herausgegeben von Bertram Kaschek, erschienen im Spector Verlag Leipzig

Hintergrund: Die Förderinitiative "Forschung in Museen"

Die Erschließung des Werks von Christian Borchert wurde in der mittlerweile beendeten Initiative "Forschung in Museen" gefördert. Die Broschüre "10 Jahre - 10 Thesen. Forschung in Museen" bilanziert das Engagement.