COVID-19: Kann man Überlebenschancen fair verteilen?

Wer wird behandelt, wenn die medizinischen Kapazitäten knapp sind? Das diskutierten Expertinnen und Experten bei einem Herrenhausen Extra in Hannover. Der Videomitschnitt ist jetzt online verfügbar.

Video:

Freiwillige bauen während der Coronakrise ein sogenanntes Pre-Triage-Zelt neben einem Kinderkrankenhaus in Fiumicino, Italien, auf. (Foto: Dipartimento Protezione Civile via Wikimedia Commons CC BY 2.0 http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)
Freiwillige bauen während der Coronakrise ein sogenanntes Pre-Triage-Zelt neben einem Kinderkrankenhaus in Fiumicino, Italien, auf. (Foto: Dipartimento Protezione Civile via Wikimedia Commons CC BY 2.0 http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Hintergrund Triage-System

Der Begriff "Triage" kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie "Auswahl" oder "Sichtung". "Priorisierung" bezeichnet ein Verfahren, bei dem aufgrund festgelegter Kriterien einzelne Erkrankte anderen vorgezogen werden, wenn absoluter Mangel an Behandlungskapazitäten herrscht. Das Behandlungsteam steht dabei vor der Aufgabe, Entscheidungen so zu treffen, dass die Chance zu überleben fair verteilt, und die Ressourcen effektiv eingesetzt werden. Die Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften sind Leitlinien, keine Gesetze.

Die klinisch-ethische Empfehlung der Fachgesellschaften hat nun den Status einer medizinischen S1-Leitlinie. Das Dokument mit dem Titel "Entscheidungen über die Zuteilung intensivmedizinischer Ressourcen im Kontext der COVID-19-Pandemie", enthält Empfehlungen, nach welchen Kriterien ein Behandlungsteam über die Priorisierung eines Patienten entscheiden sollte. Anhand dieser können Ärztinnen und Ärzte entscheiden, welche Patientinnen und Patienten weiter behandelt werden, wenn Intensivkapazitäten knapp werden. Die Empfehlungen fanden aufgrund ihres Umfangs, der Nachvollziehbarkeit und Transparenz viel Zustimmung. Aber auch Widerspruch wurde geäußert, beispielsweise dahingehend, dass einige Kriterien weniger medizinisch geprägt seien als vielmehr demografisch und gegen einzelne Minderheiten gerichtet.