Corona-Krise: "Wir bleiben zu hundert Prozent verlässlich"

Herr Schütte, seit dem 17. März ist die Geschäftsstelle in Hannover geschlossen. Trotzdem läuft der Betrieb weiter. Wie geht das? 

Unsere Entscheidung, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bitten, ins Homeoffice zu wechseln, fiel am Vormittag des 15. März. Am Abend des Folgetages war die Stiftung leer. Das war eine ungeheure logistische Leistung, die alle unter Stress gesetzt hat. Aber das Experiment war erfolgreich. Nach den unvermeidlichen technischen Ruckeleien zu Beginn funktionieren inzwischen fast alle Heimarbeitsplätze. Die Teams kommunizieren über digitale Kanäle miteinander. Kurzum: Der Betrieb läuft - wenn auch unter ungewohnten, teils auch erschwerten Bedingungen. 

Was haben Sie denen zu sagen, die in diesen Zeiten einen Förderantrag bei der VolkswagenStiftung stellen wollen oder bereits gefördert werden? Gibt es Einschränkungen?

Darauf möchte ich aus zwei Perspektiven antworten. Zunächst an die Adresse potenzieller Antragstellerinnen und Antragsteller: Wir haben einzelne Stichtage bereits in das zweite Halbjahr verschoben. Wir wollten in diesen stressigen Tagen unsererseits etwas Druck aus dem Kessel nehmen. Wer hat im Moment schon Zeit und Nerven, einen komplexen Förderantrag zu erarbeiten, oft auch noch mit weiteren Partnern? Die aktualisierten Stichtage kann man auf unserer Homepage unter "Förderangebot" finden.

Und die zweite Perspektive…?

Die richtet sich an bereits Geförderte. Denen möchte ich klipp und klar signalisieren, dass unsere Förderzusagen selbstverständlich ohne Einschränkungen bestehen bleiben. Es ist schon immer so gewesen, dass jedes Projekt, jede Förderzusage bis zum Laufzeitende durchfinanziert ist, sobald die Zusage vom Generalsekretär oder dem Kuratorium erteilt wurde. Niemand muss sich sorgen, dass plötzlich der Geldhahn zugedreht wird.

Und wenn die ursprünglich zugesagten Mittel nicht reichen? Was ist zum Beispiel mit Stornokosten, die für ausgefallene Reisen oder Tagungen fällig sind, aber nicht vorhersehbar waren?

Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, ganz klar. Und wir wissen nicht, wie lange diese Situation anhält und welche Auswirkungen sie am Ende haben wird. Alles ist unübersichtlich und dynamisch. Deshalb haben wir in der Stiftung auch nicht aus dem Stegreif für alle Probleme die hundertprozentig passende Antwort. Nur so viel: Die Kolleginnen und Kollegen in der Förderabteilung sind im engen Kontakt mit unserer Community. Wir sammeln, was uns an Beratungsbedarfen von draußen erreicht, und versuchen dann im Haus konstruktive Lösungen zu finden, häufig auch sehr individuelle. Alle Organisationseinheiten geben sich größte Mühe, die Stiftung so am Laufen zu halten, dass sie weiterhin das sein kann, was sie sein will: eine jederzeit verlässliche Partnerin für die Wissenschaft.

Gibt es Services, die die Stiftung derzeit nicht mehr anbieten kann?

Offen gestanden fällt mir da kein Beispiel ein. Natürlich laufen Prozesse im Einzelfall auch einmal langsamer. Und es ist nicht auszuschließen, dass es etwas länger dauert als sonst, bis man Antwort auf eine E-Mail erhält. Dafür bitte ich um Verständnis.

Blick auf Schloss Herrenhausen
Blick ins Tagungszentrum Schloss Herrenhausen in Hannover (Eberhard Franke für VolkswagenStiftung)

Was wir allerdings mit großem Bedauern nicht mehr anbieten können, sind unsere Veranstaltungen im Xplanatorium Schloss Herrenhausen. Hier mussten wir alles bis einschließlich 15. Mai 2020 absagen. Das ist ein bedauerlicher Fakt angesichts der vielen konzeptionellen Vorbereitung, die unsere Geförderten für ihre Fachveranstaltungen bereits investiert hatten. Aber auch unser eigenes Veranstaltungsteam, das übers ganze Jahr verteilt ein dichtes populärwissenschaftliches Programm für ein breites Publikum in der Region Hannover anbietet, ist natürlich unglücklich. Um den 30. April herum werden wir gemeinsam entscheiden, wann und womit das Veranstaltungsprogramm in Herrenhausen wiederaufgenommen werden kann.

Sie selbst sind nicht im Homeoffice. Warum?

Ich gebe zu: Als wir quasi die Evakuierung der Stiftung beschlossen hatten, habe ich mich gefragt, ob ich nicht als gutes Beispiel vorangehen müsste? Dann habe ich mir wieder ganz altmodisch gesagt: Der Kapitän geht als letzter von Bord. So harre ich aus, aber keineswegs allein. Die drei Abteilungsleitungen und der Kommunikationschef leisten mir täglich im Krisenstab Gesellschaft. Und einige weitere, sozusagen systemrelevante Kolleginnen und Kollegen, sitzen in Einzelbüros und sorgen zu unser aller Glück dafür, dass die Technik läuft, Rechnungen pünktlich bezahlt werden – und es für uns Insassen mittags eine warme Mahlzeit gibt. Das ist ein Vorteil, den wir gegenüber den Heimarbeitern haben. Aber es ist auch jedes Mal eine etwas beklemmende Situation, wenn wir meterweit voneinander entfernt an Einzeltischen vor unseren Tellern sitzen. 

Also läuft alles fast wie gewohnt?

Nein, das kann man so nicht sagen. Dass es nach außen den Anschein hat, als liefe alles wie gewohnt, ist nur dem beispiellosen Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken. Sie halten den Laden unter extrem erschwerten Bedingungen am Laufen. Wenn es irgendetwas Positives gibt, was wir der Corona-Krise zurechnen können, ist es ein gestärktes Gemeinschaftsgefühl. Trotz der erzwungenen Vereinzelung habe ich den Eindruck, wir rücken alle näher zusammen, in allen Organisationseinheiten. Ich bin zuversichtlich, dass uns diese Verbundenheit auch weiterhin gut durch diese verstörende Zeit tragen wird.

Hier finden Sie aktuelle Informationen zum Umgang der VolkswagenStiftung mit der Corona-Krise.