"Alle bewilligten Förderprojekte sind durchfinanziert"

Herr Lehmann, wie wirkt sich die Corona-Krise auf das Stiftungsvermögen aus?

Aufgrund der deutlichen Kurswertrückgänge an den Aktienmärkten hat sich auch der Wert des Stiftungsvermögens gegenüber dem Jahreswechsel verringert. Gegenwärtig liegt er etwa auf dem Niveau von Ende 2017. Vor einem noch größeren Wertrückgang wurden wir durch herausragende Wertzuwächse im Jahr 2019 bewahrt. Das bedeutet: Der reale – also inflationsgeschützte – Erhalt des Stiftungskapitals ist nach wie vor gegeben.

Was antworten Sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich um bereits zugesagte Fördermittel sorgen?

Alle bewilligten Förderprojekte sind durchfinanziert. Das bedeutet, dass die jeweiligen Bewilligungssummen in voller Höhe erwirtschaftet wurden und nun über die Projektlaufzeiten hinweg quasi "zur Abholung an der Kasse bereitliegen". Unsere Geförderten müssen sich also keine Sorgen machen, dass Vorhaben aufgrund der derzeitigen Ereignisse nicht zu Ende geführt oder Förderzusagen nicht eingehalten würden. Die Bereitstellung der zu den Zahlungsstichtagen abgerufenen Mittel wird weiterhin problemlos möglich sein. Die VolkswagenStiftung bleibt eine verlässliche Partnerin für unsere Geförderten und Partnerinstitutionen!  

Was ist Ihre Prognose, wie wirkt sich die Corona-Krise langfristig auf die Stiftungsarbeit aus?

Der Istzustand ist das eine, die Prognose etwas völlig anderes. Auch wenn wir mit unserer aktuellen Finanzausstattung gelassen in die Zukunft blicken können, ist natürlich offen, welche kurz-, mittel- und langfristigen Folgen der Shutdown für die Wirtschaft bei uns, aber auch im Rest der Welt haben wird. Da müssen wir, wie alle anderen auch, die weitere Entwicklung schlicht abwarten. Ob sich finanzielle Einschränkungen für die Folgejahre ergeben werden, lässt sich zurzeit nicht seriös vorhersagen. Bei der mittelfristigen Finanzplanung müssen wir die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten natürlich berücksichtigen und in die Überlegungen zur zukünftigen Förderstrategie der Stiftung einbeziehen.  

Wirkt sich die Pandemie akut auf das Anlageverhalten aus?

Wir haben durch die Corona-Pandemie zwar eine neue, unvorhersehbare Situation, es gilt jedoch in diesen Zeiten genau das, was auch in "ruhigen" Zeiten unser Handeln bestimmt: Wir halten an unserer langfristig ausgerichteten Anlagestrategie, die auf einer breiten Diversifizierung der Anlagen basiert, unverändert fest, und wir bewilligen generell nur vollständig durchfinanzierte Projekte. Das bedeutet, dass sich auch durch die Corona-Krise für uns und unsere Fördermittelempfänger keine grundlegenden Veränderungen ergeben. 

Was raten Sie anderen Stiftungen?

Neben der Tatsache, dass nun Gelassenheit und Geduld notwendig sind, rate ich Stiftungen, drei Punkte sicherzustellen:
Anlagerichtlinien ausarbeiten bzw. einhalten, die Vermögensanlagen breit diversifizieren und Bewilligungen nur auf der Grundlage von bereits erwirtschafteten Mitteln aussprechen.

 

Im Videointerview mit Stifter-TV erklärt Dieter Lehmann im Gespräch mit Jörg Birkelbach, wie Stiftungen auf unvorhersehbare Ereignisse wie die Corona-Krise reagieren können und was aus seiner Sicht geeignete Schritte sind, um mit der Situation umzugehen.

Hier finden Sie aktuelle Informationen zum Umgang der VolkswagenStiftung mit der Corona-Krise.