8 Thesen für ein Loselement in der Forschungsförderung

In ihrer Förderinitiative "Experiment!" setzt die VolkswagenStiftung seit 2017 ein ungewöhnliches Verfahren ein, um die geförderten Projekte auszuwählen: Sie wählt einen Teil der geförderten Projekte mittels einer teil-randomisierten Auswahl aus, in der ein Loselement eingesetzt wird. Welchen Einfluss hat dieses Zufallselement auf die Projektauswahl?

Die folgenden Thesen basieren auf Erfahrungen mit dem Verfahren, die in der Stiftung und von Gutachterinnen und Gutachtern gesammelt wurden, insbesondere aber auch auf ersten Ergebnissen aus der Begleitforschung.

 


In hochkompetitiven Verfahren entlastet das Los bei Anträgen, deren Qualitätsunterschiede Gutachterinnen und Gutachter nicht mehr weiter differenzieren können.

 


Ein Losentscheid ist frei von jeglichem Bias und von Einfluss durch Gruppendynamik.

 


Das Los ist bezüglich Qualität blind. Eine gute Ausgestaltung des Prozesses erfordert eine Qualitätssicherung im Vorfeld.

 


Das Los sorgt für Fairness unter förderwürdigen Anträgen, wenn von einem Panel nicht alle Themen gleich gut abdeckt werden. 

 


Per Los steigt die Diversität. Per Konsens werden hingegen oft etablierte Themen und akzeptierte Methoden favorisiert ("Mainstreaming").

 


Ein Losentscheid ermuntert zu risikoreicher Forschung – ein Ergebnis der Begleitforschung.

 


Ein Loselement findet gute Akzeptanz in der wissenschaftlichen Community, bei Gutachterinnen und Gutachtern sowie bei immer mehr Förderorganisationen.

 


Das Los ist eine Ergänzung, aber keine Alternative zum Peer Review und kann den fachlichen Diskurs nicht ersetzen.

 


Was ist Ihre Meinung zu Lotterieverfahren in der Förderung? Diskutieren Sie mit uns über Twitter: #PeerReviewLottery.

 

Hier können Sie die Thesen herunterladen (PDF).

Hintergrund: Die Förderinitiative "Experiment!"

Mit der Förderinitiative "Experiment!" unterstützt die VolkswagenStiftung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine radikal neue und riskante Forschungsidee austesten möchten. Ein Scheitern des Konzeptes und unerwartete Befunde werden als Ergebnis akzeptiert. 

Zahlen, Daten, Fakten

Die Initiative wurde Ende 2012 eingerichtet, seit 2017 werden die zu bewilligenden Anträge per teil-randomisiertem Verfahren ausgewählt.

Das Förderangebot richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Natur-, Ingenieur-, und Lebenswissenschaften. Die maximale Förderung beläuft sich auf 120.000 Euro für 18 Monate. Die geförderten Forschungsprojekte decken eine breite Palette an Fachgebieten ab, mit Beteiligten aus Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland.
 

Das Begleitforschungsprojekt zum teilrandomisierten Verfahren

Das teil-randomisierte Verfahren und das gesamte Vorgehen der Projektauswahl bei "Experiment!" werden begleitend evaluiert. Im Interview "Hohe Akzeptanz für Projektauswahl per Lotterie" berichten Dr. Dagmar Simon und Dr. Martina Röbbecke von Evaconsult über erste Ergebnisse aus ihrem Begleitforschungsprojekt.
 

Infografik zur Auswahl der zu bewilligenden Projekte in der Initiative "Experiment!".

Zum kostenlosen Download: "Die Macht des Zufalls - Neue Wege für die Förderung riskanter Forschungsideen?" (PDF) von Martina Röbbecke und Dagmar Simon, aus: Fo 1+2, 2020, Universitätsverlag Webler.