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Wie wir vom Kopf auf den Charakter schließen

21. März 2011 2011-03-21
Welche Einflüsse haben unsere Vorstellung vom "wohlgeformten Schädel" geprägt? Rudolf Virchow hat mit seinen Studien zu Schädelformen als erster das Krankheitsbild der zusammengewachsenen Schädelnähte beschrieben.

 

Eine hohe Stirn steht für Intelligenz, ein "Dickkopf" für Starrsinn – dass die Kopfform mit bestimmten Charaktereigenschaften verknüpft wird, zeigen nicht nur stereotype Redewendungen. Das Forschungsprojekt "SchädelBasisWissen" untersucht, durch welche Einflüsse unsere Idealvorstellung vom Schädel geprägt ist.

Jedes Jahr kommen in Deutschland über 650 Kinder mit einer Schädelfehlbildung auf die Welt, die auf vorzeitige Verschlüsse der Schädelnähte zurückzuführen ist. Durch einen komplexen chirurgischen Eingriff kann die Fehlbildung, die sich gravierend auf das Erscheinungsbild, sehr selten aber auf die geistige Entwicklung des Kindes auswirkt, korrigiert werden. Während die Ärzte den betroffenen Eltern die weit fortgeschrittenen Operationsverfahren sehr präzise erläutern können, bleibt die Beschreibung des angestrebten Ergebnisses, nämlich einer ästhetisch ansprechenden Kopfform, sehr vage.

Hier setzt das transdisziplinäre Forschungsvorhaben „SchädelBasisWissen“ an, das im Rahmen der Initiative „Schlüsselthemen“ mit rund 745.000 Euro von der VolkswagenStiftung gefördert wird: Welche kulturellen, medizinhistorischen und wissenschaftlichen Einflüsse haben unsere Vorstellung vom „wohlgeformten“ Schädel geprägt? Worin liegen die impliziten Verknüpfungen zwischen der Schädelform und den persönlichen Charaktereigenschaften eines Menschen begründet?

In Zusammenarbeit mit Medizinethnologen und Kunsthistorikern arbeiten Prof. Dr. Dr. h.c. Sigrid Weigel, Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin, und der Neurochirurg PD Dr. Ernst-Johannes Haberl, Charité – Universitätsmedizin Berlin, am Beispiel der Schädelkorrektur bei Kleinkindern das historisch verankerte Wissen auf, das in unseren Vorstellungen über ein angenehmes Erscheinungsbild fortwirkt, ohne jedoch in der medizinischen Praxis reflektiert zu werden.

Die Forschungsergebnisse sollen Chirurgen zu einem reflektierten Umgang mit ihren Patienten befähigen. Ziel ist aber auch, für betroffene Eltern allgemeinverständliche Informationen über die historisch verankerte Bedeutung des menschlichen Schädels bereitzustellen, damit sie die schwerwiegende Entscheidung für oder wider eine lebensbedrohliche Operation an ihrem Kind bewusst treffen können.

Mehr Informationen erhalten Sie in der Pressemitteilung vom 21. März 2011.

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