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Sensationeller Raubsaurierfund

13. Oktober 2011 2011-10-13
Foto: Münchner Mineralientage Fachmesse GmbH

In Bayern wurde Europas vollständigster und besterhaltener Dinosaurier gefunden. Der Öffentlichkeit wird das Fossil bei den Mineralientagen in München präsentiert.

Theropoden, sprich Raubsaurier, gehören zu den seltensten Dinosaurierfunden. Ein großer Teil der bekannten Arten ist nur von unvollständigen bis fragmentarischen Resten bekannt. Einen nahezu vollständigen Raubsaurier zu finden, gleicht daher einem wissenschaftlichen "Sechser" im Lotto. "Dieser Raubsaurier ist zu etwa 98 Prozent vollständig und repräsentiert somit sicherlich den vollständigsten je in Europa gefundenen Dinosaurier und einen der vollständigsten Theropoden weltweit", erklärt Dr. Oliver Rauhut, Konservator an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. Unter seiner Leitung erstellte ein internationales Team ein erstes Gutachten über den Sensationsfund. "Das rund 150 Millionen Jahre alte Fossil ist von überragender wissenschaftlicher Bedeutung", konstatiert der renommierte Dinosaurierexperte. Die VolkswagenStiftung unterstützt Rauhuts Forschungen in ihrer Förderinitiative "Forschung in Museen" mit rund 225.000 Euro.

Insbesondere ist die Tatsache, dass es sich um ein Jungtier handelt, wissenschaftlich hoch interessant. Untersuchungen von jungen Theropoden können nicht nur essentielle Daten zur Biologie dieser Tiergruppe liefern, sondern sind auch von überragender Bedeutung für das Verständnis möglicher Evolutionsmechanismen, da neuen Forschungsergebnissen zufolge Veränderungen von Wachstumsprozessen eine wichtige Rolle in der Evolution spielen. Zudem ist auch die hervorragende Erhaltung der Knochen hervorzuheben, die deutlich besser ist als bei den berühmten gefiederten Dinosauriern Chinas, die als einzige einen zum Teil ähnlichen Vollständigkeitsgrad aufweisen, jedoch viele Millionen Jahre jünger sind. Am erstaunlichsten jedoch ist die Erhaltung einer starken Behaarung in verschiedenen Bereichen des Tieres. Haar- bzw. Filamentstrukturen bei Dinosauriern stehen schon seit Jahren im Fokus vieler Untersuchungen, da sich aus ihnen wohl die bei Archaeopteryx erstmals überlieferten Federn entwickelt haben. "Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass dieser neue Theropode vermutlich das bedeutendste Fossil eines Archosauriers aus deutschem Boden seit den Funden des Urvogels Archaeopteryx darstellt", schließt Dr. Rauhut ab.

Bei Kelheim in Bayern von einem Team professioneller Fossilienausgräber entdeckt, war das Fossil im Augenblick der Entdeckung schon stark der Verwitterung ausgesetzt, und wäre binnen kurzem für immer der Zerstörung anheimgefallen. Nach aufwändiger Bergung durch die Spezialisten und nachfolgender, viele Hundert Stunden langer, mehrstufiger Präparation im Labor gelang es jedoch, das Stück fast vollständig zu erhalten. Schnell erkannten die Besitzer seinen hohen wissenschaftlichen und kulturellen Wert. Anstatt das Fossil für bares Geld zu verkaufen, meldeten sie den Fund in eigener Initiative als Deutsches Kulturgut an. Hiermit vermindert sich zwar der finanzielle Wert des Stückes drastisch und der Dinosaurier darf das Land nicht mehr verlassen. Dafür wird er aber der Wissenschaft in Deutschland und auch der Öffentlichkeit dauerhaft erhalten bleiben.

"Ich denke, dass hier von Seiten der Eigentümer vorbildlich vorgegangen wurde: Die freiwillige Eintragung des Stückes als "Deutsches Kulturgut" lässt nun auch Publikationen über diesen herausragenden Fund in höchstrangigen Journalen zu", so Prof. Dr. Haszprunar, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlung Bayerns. "Damit kommt es letztlich zu einer win-win-win-Situation für Eigentümer, Wissenschaft und Öffentlichkeit, die sich aus einem "Miteinander statt Gegeneinander" speist."

Am Donnerstag, den 27. Oktober 2011, um 18 Uhr wird bei der feierlichen Eröffnung der Munich Show – Mineralientage München mit geladenen Gästen aus aller Welt der neu aufgetauchte Sensationsfund enthüllt. Vom 28. bis 30. Oktober 2011 können dann Besucher der Mineralientage den Raubsaurier in Augenschein nehmen.

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