Nach Berlin, Kiel und Regensburg wird es jetzt auch in Leipzig Therapieangebote zur Prävention von Kindesmissbrauch geben. Am 19. Oktober eröffnete dort die Sächsische Ambulanz des Präventionsprojekts Dunkelfeld.
Männer, die auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien haben, jedoch keine Übergriffe begehen wollen, können sich ab jetzt an die Abteilung für Sexualmedizin der Universität Leipzig wenden. Hier werden im Rahmen des Präventionsprojekts Dunkelfeld Therapieplätze angeboten, um Sexualstraftaten an Kindern zu verhindern.
Bereits 2005 startete das außergewöhnliche Projekt "Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld" am Institut für Sexualmedizin der Charité in Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Klaus Michael Beier. Die VolkswagenStiftung unterstützte das Vorhaben in ihrer Förderinitiative "Offen – für Außergewöhnliches" mit insgesamt 730.000 Euro.
In den folgenden Jahren fand das Pilotprojekt bundesweit immer mehr Nachahmer. Nach Berlin boten die Sektion für Sexualmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und die Sexualwissenschaftliche Ambulanz der Universität Regensburg Therapieplätze an. Jetzt eröffnete an der Universitätsklinik Leipzig eine Sächsische Ambulanz. Dieses Forschungsvorhaben wird finanziert durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit der Kinderschutzstiftung Hänsel und Gretel, die das Projekt zusätzlich fördert.
Flyer zur Eröffnungsveranstaltung in Leipzig am 19. Oktober
Hintergrund
Mit diesem weltweit einzigartigen Projekt wollen die Sexualwissenschaftler darauf hinweisen, dass pädophil veranlagte Männer nicht zwangsläufig
Kinder missbrauchen. Die präventive Behandlung soll den Männern helfen, keine Übergriffe auf Kinder zu begehen. Im Rahmen der Therapie lernen sie
ihr Verhalten zu kontrollieren und in Konfliktsituationen rechtzeitig gegenzusteuern. Dass eine solche Prävention dringend notwendig ist, zeigen die Zahlen: Jedes Jahr werden mindestens 15.000 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland offiziell bekannt – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher. Hier greift das Projekt: Es wendet sich zum einen an all diejenigen, die entweder bislang unerkannte Täter sind, jedoch weiteren Übergriffen vorbeugen wollen, sowie zum anderen an jene Männer, die ihre Fantasien noch nicht in die Tat umgesetzt haben, dies aber befürchten.
