Pro Geisteswissenschaften / Focus on the Humanities
Bewilligungen / Grants 2011
Opus magnum
Der Tod des Soldaten. Politischer Totenkult und bürgerliche Gesellschaft in Deutschland (18. - 21. Jh.)
Bewilligung: 12.09.2011 Laufzeit: 1 Jahr 6 Monate
Zur bürgerlichen Gesellschaft der Neuzeit gehört seit der Epochenwende um 1800 ein politischer Totenkult, der den Tod des Soldaten politisierte und nationalisierte. Das Gedenken an den gefallenen Bürger wurde individualisiert, in Denkmälern verfestigt und mit öffentlichen Riten memoriert. Analysiert werden die Denkmäler und gesellschaftlichen Erinnerungspraktiken für tote Soldaten von 1813 bis heute. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den politischen Legitimationsmustern für den Tod des Soldaten. In der Bundesrepublik setzte sich in den Jahrzehnten nach 1945 im Unterschied zu fast allen anderen westlichen Gesellschaften eine prinzipielle Delegitimierung des gewaltsamen Todes durch. Nicht mehr "Opfer für ..." wurden erinnert, statt dessen gedachte die zentrale bundesdeutsche Erinnerungsformel nur noch der "Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft". Durch die Auslandseinsätze und die Beteiligung der Bundeswehr an internationalen bewaffneten Konflikten stellt sich die Notwendigkeit der politischen Legitimation des gewaltsamen Todes seit einigen Jahren erneut. Die international vergleichende Längsschnittstudie untersucht Begräbnisformen, Denkmäler und Erinnerungsrituale und analysiert funktionale Notwendigkeiten, formale Gemeinsamkeiten und nationale Besonderheiten des politischen Totenkults.
Universität Halle-Wittenberg
Philosophische Fakultät I
Institut für Geschichte
Prof. Dr. Manfred Hettling
Postfach
06099 Halle (Saale)
Tel.: 0345 55 24270/94
Fax: 0345 55 27042
Homepage: http://www.geschichte.uni-halle.de/mitarbeiter/hettling/
* * * *
Kommentar und Monographie zu den Pastoralbriefen des Neuen Testaments unter besonderer Berücksichtigung der antiken Moralphilosophie, neuerer Einsichten zur antiken Epistolographie sowie der Papyrologie
Bewilligung: 29.07.2011 Laufzeit: 1 Jahr
Die Pastoralbriefe (1.und 2. Timotheusbrief, Titusbrief) sind unter dem Namen des Paulus geschrieben, werden aber in der Forschung weithin unter dem Vorzeichen der Pseudepigraphie interpretiert und gelten als Schriften der dritten urchristlichen Generation. Ihren Schwerpunkt sieht man in der Etablierung einer Kirchenordnung bei gleichzeitiger Abgrenzung gegenüber diese Ordnung gefährdenden Tendenzen. Unter dieser Perspektive hatten die Pastoralbriefe in der Auslegungstradition enorme Bedeutung für die Formung, Etablierung und Festigung kirchlicher Ämter und Strukturen, einschließlich insbesondere im Blick auf die für das kirchliche Amt entscheidende Voraussetzung der Ordination der Amtsträger sowie der Stellung der Frauen innerhalb kirchlicher und gemeindlicher Strukturen. Neuere Forschungen zum Phänomen antiker Pseudepigraphie und zum Charakter der Pastoralbriefe problematisieren diese Deutungsperspektiven auf unterschiedlichen Ebenen, womit auch deren traditionelle kirchenpolitische Implikationen tangiert sind. Das Projekt hat sich zur Aufgabe gestellt, die Pastoralbriefe vor dem Hintergrund solcher neueren Perspektiven zu analysieren, zu kommentieren und damit eine neue Einordnung dieser Briefe im Rahmen der Geschichte des frühen Christentums zu ermöglichen.
Universität Leipzig
Theologische Fakultät
Institut für Neues Testament
Prof. Dr. Jens Herzer
Otto-Schill-Str. 2
04109 Leipzig
Tel.: 0341 9735420/421
Homepage: http://www.uni-leipzig.de/~nt
* * * *
Russland als Zivilisation: Begriffsgeschichte und Verflechtungsgeschichte
Bewilligung: 20.07.2011 Laufzeit: 1 Jahr
Eine umfassende Monographie zur Entwicklung des russischen Begriffs "civilizacija" fehlt bis heute, obwohl der Begriff für das Selbstverständnis der Eliten des Zarenreiches, der Sowjetunion wie auch der postsowjetischen Russländischen Föderation zentral war und ist. Im russischen Schrifttum begegnet er erstmals gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, einer Zeit, in der das russische Imperium sich gleichberechtigt im Kreis der europäischen Kulturen zu etablieren, aber auch seine Expansionstendenzen, insbesondere im Kaukasus zu legitimieren suchte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts integrierte die Intelligenzija den Begriff in ihr Vokabular und setzte ihn in vielfältigen Kontexten wie Geschichtsschreibung, Publizistik, Literatur, Politik, Philosophie, Soziologie und Ethnologie ein, um die Modernisierung von Staat und Gesellschaft zu beschreiben, aber auch um modernekritische Positionen zu artikulieren. Nach der Revolution von 1917 und der Konsolidierung des sowjetischen Regimes propagierten führende Intellektuelle ein auf Naturwissenschaft und Technik basierendes sowjetisches Zivilisationsprojekt als zukunftsweisendes Modell für die globale Entwicklung.
Universität Bremen
Fachbereich 8 - Sozialwissenschaften
Seminar für Ost- und Mitteleuropäische Studien
Professur für Kulturgeschichte Ost- und
Ostmitteleuropas
Prof. Dr. Wolfgang Stephan Kissel
Postfach 33 04 40
28334 Bremen
Tel.: 0421 218 4120
Fax: 0421 218 2023
Homepage: http://www.kultost.uni-bremen.de/en/people/active/55-seminar-fuer-ost-und-mitteleuropaeische-studien/6-kissel
* * * *
Das visuelle Zeitalter. Eine Visual History des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts
Bewilligung: 14.07.2011 Laufzeit: 2 Jahre
Das 20. Jahrhundert ist aus unterschiedlicher Perspektive als optisches Zeitalter, als Jahrhundert des Auges bzw. das der Bilder bezeichnet worden. Die visuellen Medien und ihre Erzeugnisse haben in einem mehrfachen Sinne Geschichte gemacht, indem sie Politik, Wirtschaft und Kultur dieser Zeit entscheidend formten. Sie haben darüber hinaus Weltbilder vermittelt, Deutungen geprägt und schließlich auch noch die Erinnerung an diese Zeit bestimmt. Das transdisziplinär angelegte Projekt unternimmt erstmals den Versuch, die zahlreich vorhandene Forschungsliteratur zu Einzelaspekten des Themas sowie die vielfältigen Vorarbeiten des Antragstellers in einer stringenten "Visual History" des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts zu bündeln und so die Geschichte dieser Zeit neu zu beleuchten. Ausgangspunkt ist ein Begriff des Bildes, der Bilder nicht als passive Quellen, sondern als aktive Medien und Realitätsgeneratoren begreift.
Bildungswissenschaftliche Hochschule
Flensburg - Universität
Institut für Geschichte und ihre Didaktik
Prof. Dr. Gerhard Paul
Auf dem Campus 1
24943 Flensburg
Tel.: 0461 805 2245
Fax: 0461 805 2144
Homepage: http://www.uni-flensburg.de/geschichte/institut/mitarbeiter/paul.php
* * * *
English Morphology: A Reference Guide to Contemporary Word-Formation and Inflection
Bewilligung: 20.07.2011 Laufzeit: 1 Jahr
Ziel des Projekts ist eine aktuelle, umfassende, theorieübergreifende Beschreibung komplexer Wörter im Englischen unter Einschluss von Flexion (z.B. kicked, books, John's), Derivation (z.B. untraumatized, deglobalization), Komposition (butterfly, child care center), Konversion (a swim, to text), prosodischer Morphologie (Pat, ad) und paradigmatischer Phänomene (wie z.B. Rückbildungen). Das Hauptinteresse liegt dabei auf der wortgrammatischen Kompetenz des heutigen Sprechers, wobei neueste Forschungsmethoden das Sammeln und Auswerten großer Mengen relevanter Daten (wie z.B. Neubildungen) erlauben. Der aktuelle Gebrauch morphologisch komplexer Wörter wird im Lichte neuester Erkenntnisse aus verschiedenen Teildisziplinen der Sprachwissenschaft analysiert (Theoretische Linguistik, Korpuslinguistik, Psycholinguistik, Computerlinguistik), und auf dieser Grundlage weit verbreitete theoretische Positionen herausgefordert.
Universität Siegen
Fachbereich 3
Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften
Englische Sprachwissenschaft
Prof. Dr. Ingo Plag
Adolf-Reichwein-Straße 2
57068 Siegen
Tel.: 0271 740 2560
Fax: 0271 740 3246
* * * *
Dilthey-Fellowships
Kann man die Weisheit mit Gabeln fressen? - Die Speicherung und Verarbeitung von komplexen Wortgefügen im Gedächtnis
Bewilligung: 18.04.2011 Laufzeit: 5 Jahre
Wir Menschen besitzen die Fähigkeit, Bedeutungen in Form von komplexen Wortkombinationen zu konstruieren, wobei die Bedeutung der komplexen Formation eine ganz andere sein kann als die der Einzelteile. Zum Beispiel lässt sich die Bedeutung des Wortes umkommen nicht aus den Bedeutungen von um und kommen zusammensetzen, ebenso wie sich die Bedeutung eines Idioms wie die Weisheit mit Löffeln fressen nicht aus den Bedeutungen der Einzelteile ergibt. Das vorliegende Projekt geht der Fragestellung nach, wie diese komplexen Wortgefüge und ihre Bedeutungen in unserem Gedächtnis gespeichert und verarbeitet werden. Die Anwendung von interdisziplinären Methoden aus der Psycho- und Neurolinguistik soll Einblick in diese Gedächtnisstrukturen geben: Wird die Bedeutung der komplexen Wortformationen unabhängig von der Bedeutung der Einzelteile gespeichert und abgerufen? Studien an Kindern werden außerdem Einblick in die Entwicklung dieser Gedächtnisspuren geben, und Vergleiche mit anderen Sprachen sollen Besonderheiten der deutschen Sprache zum Ausdruck bringen.
Universität Konstanz
Sprachwissenschaft
Neurolinguistik
Dr. Eva Smolka
Universitätsstr. 10
78457 Konstanz
Tel.: 07531 884834
Fax: 07531 884898
Homepage: http://ling.uni-konstanz.de/pages/neuroling/smolka.html
* * * *
Akustisches Theater (1750-1930)
Bewilligung: 29.04.2011 Laufzeit: 5 Jahre
Das Vorhaben wurde am 15.06.2011 von Berlin nach Berlin umgesetzt.
Das Projekt widmet sich dem Zusammenhang von europäischem Sprechtheater und Akustikgeschichte zwischen 1750 und 1930. In diesen Zeitraum fällt die schrittweise Begründung der Akustik und der daraus resultierenden Teildisziplinen (Raum-, Elektroakustik, Sprech- und Hörforschung u.a.). Das Projekt will aufzeigen, dass die Geschichte der Akustik im Rahmen einer exakten Wissenschaft nicht gänzlich aufgeht, sondern in einer kunst- und kulturhistorisch weit verzweigten Wissensgeschichte des 'Akustischen' anzusiedeln ist. Dabei interessiert das 'Akustische' stets in seiner Doppelfunktion als Produzent und Gegenstand von Wissen(schaft): a.) Verfolgt wird zum einen, wie und weshalb das Sprechtheater des Untersuchungszeitraums einen neuartigen Anspruch auf Wissensproduktion und -vermittlung erhebt und dabei auf veränderte Sprechtechniken, akustische Medien und Raumakustiken setzt. b.) Zum anderen wird nachgezeichnet, dass die Theatertheorie und -praxis damit auch wissenschaftliche Erkenntnisse der Akustik vorwegnimmt, später vorantreibt und umsetzt.
Max-Planck-Institut für
Wissenschaftsgeschichte, Berlin
Dr. Viktoria Tkaczyk
Boltzmannstr. 22
14195 Berlin
Tel.: 030 226670
* * * *
Prekäre Souveränität: Dekonstruktion und Kritik einer Grundfigur der Politischen Theologie
Bewilligung: 18.04.2011 Laufzeit: 5 Jahre
Ziel dieses Projekts ist es, ein interdisziplinäres Gespräch zwischen Theologie und Poststrukturalismus über die politisch-theologische Rede von Souveränität zu initiieren. Angesichts der realpolitischen Krisen und Wandlungen der Souveränitätspolitik von Staaten in der Gegenwart suchen poststrukturalistische Autoren wie Jacques Derrida oder Giorgio Agamben das ontologische und theologische Erbe der Souveränitätsfigur abzubauen. Neben der kritischen Dekonstruktion finden sich im Poststrukturalismus jedoch auch Ansätze zur negativ-dialektischen Umkehrung des klassischen Souveränitätsverständnisses (Claude Lefort, Slavojiek). Der Ertrag aus dieser vielfältigen Debatte ist für die Theologie bislang noch nicht systematisch erörtert worden. Dieses Projekt geht davon aus, dass die Theologie die philosophische Außenperspektive auf das Verhältnis von Souveränität, Demokratie und Religion zu Rate ziehen kann, um die Funktion des christlichen Gottesgedankens für die Deutung politischer Herrschafts- und Machtdiskurse auf neue Weise zu beschreiben. Es erörtert daher ausgehend von der kritischen Analyse moderner politisch-theologischer Entwürfe (Karl Barth, Emanuel Hirsch), welche Neuerungen, Impulse, und Korrekturen vonseiten der Theologie in diese aktuelle philosophische Debatte eingebracht werden können.
Universität Halle-Wittenberg
Theologische Fakultät
Institut für Systematische Theologie und
Praktiscche Theologie und Relgionswissenschaft
Dr. Rebekka A. Klein, Ph.D.
Franckeplatz 1, Haus 30
06099 Halle (Saale)
Tel.: 035 55230 11
* * * *
An den Grenzen der Souveränität. Die Pariser Vorortverträge von 1919/20 und das Völkerrecht des frühen 20. Jahrhunderts
Bewilligung: 18.04.2011 Laufzeit: 5 Jahre
Die völkerrechtliche Dimension der Pariser Vorortverträge zum Abschluss des Ersten Weltkrieges ist in der historischen Forschung oft ignoriert oder als Begleiterscheinung zwischenstaatlicher Machtpolitik bagatellisiert worden. Das Projektvorhaben rekonstruiert demgegenüber die vielfältigen Einflüsse des Völkerrechts auf die Entstehung der Friedensverträge, aber auch die juristische Eigenlogik ihrer Umsetzung im Wechselspiel mit politischen und gesellschaftlichen Faktoren. Es wird unter anderem gefragt, warum die Erwartungen an die Ordnungskraft eines internationalen Rechtssystems seit dem späten 19. Jahrhundert gestiegen waren, welche Bedeutung Völkerrechtsexperten bei den Friedensverhandlungen zukam und wie die rechtliche Umsetzung der Vertragsvorschriften die politischen und staatlichen Grundlagen Europas nachhaltig veränderte. Im Ganzen zielt die Untersuchung darauf ab, den historischen Stellenwert der Pariser Friedenskonferenz neu zu bestimmen und als Beispiel für die konfliktreiche Grenzziehungen zwischen Politik und Recht, aber auch für den Formwandel des souveränen Territorialstaates zwischen Internationalisierung und Nationalisierung im frühen 20. Jahrhundert zu interpretieren.
Humboldt-Universität Berlin
Philosophische Fakultät I
Institut für Geschichtswissenschaften
Dr. Marcus M. Payk
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Tel.: 030 2093 70561
* * * *
Interaktion & Raum
Bewilligung: 18.04.2011 Laufzeit: 5 Jahre
Ziel des Projekts ist die empirisch fundierte Entwicklung von dynamischen Interaktionsmodellen, die - exemplarisch - ein humanoides Roboter-System dazu befähigen sollen, die Rolle eines TourGuides im Museum zu übernehmen. Die besondere Herausforderung für technische Systeme besteht darin, dynamisch und kontingent auf das variable Verhalten der Besucher zu reagieren und angesichts der Mobilität der Teilnehmer einen gemeinsamen 'Interaktionsraum' herzustellen. Den Ausgangspunkt der Interaktionsmodelle bilden detaillierte Mikro-Analysen der sozialen Praktiken und multimodalen Koordinierung (Sprache, Blick, Gestik, Körperorientierung, Bewegung im Raum) zwischen einem menschlichen TourGuide und Besuchern während eines geführten Ausstellungsbesuchs: Wie organisieren die Teilnehmer den Einstieg in eine fokussierte Interaktion? Wie orientieren sie sich in einer dynamischen Mehr-Personen-Konstellation? Wie erfolgt der gemeinsame Übergang von einem Exponat zum nächsten? In methodischer Hinsicht zielt das Projekt darauf, eine traditionelle geisteswissenschaftlich-qualitative Forschungsmethode anschlussfähig zu machen für die Entwicklung neuer Mensch-Maschine-Schnittstellen.
Universität Bielefeld
Technische Fakultät & CoR-Lab
AG Angewandte Informatik
Dr. Karola Pitsch
Universitätsstrasse 21/23
33615 Bielefeld
Tel.: 52110612240
Fax: 5211062992
Homepage: http://www.karola-pitsch.de
* * * *
Informationen
zu dieser Initiative:
Merkblatt
Bislang geförderte Projekte:
Bewilligungen 2012
Bewilligungen 2011
Bewilligungen 2010
Bewilligungen 2009
Bewilligungen 2008
Bewilligungen 2007
allgemein:
Was Antragsteller wissen müssen